Die Kolumne: Milieuschutz im Wedding?

Eine gute Nachricht! Gentrifizierung wird von den politisch Gewaltigen in Mitte nicht nur als Reizwort, sondern inzwischen auch als Zustandsbeschreibung anerkannt. Nun prüft das Bezirksamt, ob es nicht noch weiter dazu lernen könnte. Es überlegt, die Wortschöpfung Milieuschutzgebiete in den allgemeinen Sprachgebrauch zu überführen und diverse Altbauviertel auch in Wedding als solche zu deklarieren. Damit sollen Mietpreissprünge verhindert, die soziale Zusammensetzung im Kiez erhalten werden. Find ich gut! Nur Feinkostladen- und Edel-Café-Betreiber sollten sich jetzt mit der Eröffnung ihres Geschäfts in Wedding beeilen.

Autor: Ulf Teichert

 

Die Kolumne erscheint jeden Samstag ebenfalls im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

 


5 Kommentare
  1. […] sind von Verdrängung und Luxussanierung besonders bedroht, weshalb das Areal schon bald als Milieuschutzgebiet ausgewiesen werden soll. Ehe nun aber das Paradies über das auserwählte Gebiet hereinbricht, gibt […]

  2. Ha, ha, ha – seht Euch mal die Wohnungsannouncen zum Weddig an – – – Es wird einfach verkauft, was geht – ohne Rücksicht auf die Menschen im Kiez. Die Seele Berlins ist bald ausgestorben, was uns begegnet ist ein verzerrter Abklatsch dessen, was mal war. Einfach nur Kommerz. „Berlin ist ja sooo sexy“. Wandel, sicher, ethische Werte, die das Leben schützen und erhalten, mißachten und verletzen zugunsten von Zahlen – fiktivem Geldwert – ist eine Verletztung der Menschenwürde – jeder Mensch sollte das Recht auf ein Zuhause haben – jeder. Ich wünsche allen Geldtreiben, dass sie den Wert der Menschenwürde wieder achten lernen. Andernfalls haben wir in Berlin bald ein abgenagtes Knochengerippe – und was wird dann, wenn die Heuschrecken fortgezogen sind? Doch Slumm? Eigentlich sollte Gentrifzierung doch gerade dies verhindern? Es ist höchste Zeit, dass wir lernen, verantwortlich-nachhaltig mit unserem Leben umzugehen, gleich in welcher Richtung sich dies denken lässt. Herzliche Grüße ohne Schnauze Z.

  3. „Nur Feinkostladen- und Edel-Café-Betreiber sollten sich jetzt mit der Eröffnung ihres Geschäfts in Wedding beeilen.“
    Ja – und all die Besserverdienenden, die sich dort einen Besuch leisten können/wollen, sollten sich auch beeilen, denn noch ist relativ günstiger Wohnraum zu finden…
    Spätestens – so meine Vermutung – mit dem Umzug des BND vor die Türen des W. ist es aus damit…

  4. Lieber Herr Teichert,
    ich habe den “ Verdacht “ dass sie hier mit ihren “ Beiträgen “ die Zahl der Zugriffe auf diesem Blog weiter erhöhen wollen.
    Vielleicht sollten sie ein wenig mehr recherchieren, bevor sie hier
    “ Luftblasenargumente “ wie:

    >Es (das Bezirksamt Mitte) überlegt, die Wortschöpfung Milieuschutzgebiete in den allgemeinen Sprachgebrauch zu überführenNur Feinkostladen- und Edel-Café-Betreiber sollten sich jetzt mit der Eröffnung ihres Geschäfts in Wedding beeilen.>

    veröffentlichen.

    Ob der Milieuschutz tatsächlich ein Mittel ist, um Mieterhöhungen zu vermeiden, darüber läßt sich sicherlich diskutieren. Aber es ist auch ein Instrument im Bereich des Gewerbes, um die zunehmenden Monotonie der Innenstädte zu verhindern.

    Aber wenn bereits im Handelsblatt dieses Thema (unerträgliche Uniformität der Innenstädte)angesprochen wird:

    http://url9.de/Sfw

    dann sollte man vielleicht einmal ein wenig mehr über den Strukturwandel in unseren Städten nachdenken, statt hier sich irobisch über den Begriff Milieuschutz aufzuregen.
    Und für den Blick über den Tellerrand hilft auch die Lektüre dieses Artikels:

    http://url9.de/Sfu

    Und was wäre wohl wenn in ihrer Straße innerhalb eines kurzen Zeitraums statt 2 Bars und Kneipen auf einmal 7 Kneipen vorhanden wären?

    Und wenn selbst der BBU schon einer Milieuschutzsatzung zustimmt:

    >Im Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) mit seinen 360 Mitgliedern sieht man Milieuschutzsatzungen als legitimes Mittel an.>

    http://url9.de/Sfx

    dann wäre es doch für sie ein kurzer Weg vom Berliner Abendblatt zur Berliner Zeitung gewesen, um sich dort bei ihren Kollegen zu informieren, warum Milieuschutzsatzungen durchaus ein gutes Instrument sein können.

    Vielleicht interviewen sie einmal die Anwohner und Gewerbetreibenden in Bergmannstr. um die negativen Veränderungen in einem Stadtteilbereich zu erfahren.
    Informativ ist hier der Artikel im Berliner Tagesspiegel:
    http://url9.de/Sfy

    >Bald ist hier alles nur noch Gourmet<

    Und wenn sie noch ein Lektüre-Zeifenster haben sollten, dann lesen sie doch einmal von Zeit zu Zeit den Blog von Andrej Holm,
    https://gentrificationblog.wordpress.com/tag/andrej-holm/

    der auch von ihren Kollegen in der Berliner Zeitung oftmals interviewed wird
    http://url9.de/SfB

  5. Soll das lustig sein? Es ist es nicht!

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

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