Des Schneiders neue Räume

Vik­tor Ankobea
© Andaras Hahn

Die­ser Arti­kel beginnt bereits mit einer klei­nen Lüge, denn Vic­tor Ankobea ist nicht nur Schnei­der, son­dern eigent­lich Schnitt­tech­ni­ker, aber dazu spä­ter mehr. Wenn man die lau­te See­stra­ße ver­lässt, in die Lüde­ritz­stra­ße biegt und Rich­tung Him­mel guckt, dann sieht man Wim­pel im Wind flat­tern. Akku­ra­te, bun­te Drei­ecke, wel­che über die gesam­te Stra­ßen­brei­te gespannt sind. Der Wind spielt mit ihnen. Es sind die Über­bleib­sel des Stra­ßen­fes­tes im Som­mer 2018. Mit­or­ga­ni­siert von Vic­tor Ankobea. Ver­an­kert und wohn­haft im Kiez und Inha­ber des Ladens Vian­ko Mode seit 2004.

Vik­tor Ankobea
© Andaras Hahn

Aber auch hier bläst der Gegen­wind der Miet­in­dus­trie immer stär­ker. Ankobea muss zum Ende des Monats raus aus sei­nem Laden. Es sind immer die glei­chen Text­bau­stei­ne, die man hier ein­fü­gen könn­te: Haus wur­de ver­kauft, Gewer­be­mie­te wird erhöht, zu Prei­sen die unbe­zahl­bar sind. 500€ mehr wären gern gese­hen. Unbe­zahl­bar und unrea­lis­tisch – Ankobea glaubt, dass es eher ein Ali­bi-Ange­bot gewe­sen ist, als dass es je zu einem Abschluss gekom­men wäre. Aber selbst wenn, die neue Mie­te wäre sowie­so viel zu hoch. Archi­tek­ten und Bau­ar­bei­ter waren auch schon da, um zu gucken, wie man den Laden umbau­en kann. Es gibt Plä­ne, wel­che, kann man nur ver­mu­ten. Es sind aber kei­ne Plä­ne, in denen Leu­te und Geschäf­te wie das von Ankobea eine Chan­ce haben.

Eine Kun­din aus Tem­pel­hof ist eben­falls gera­de im Laden, bei einer Fahr­rad­tour hat sie den Laden das ers­te Mal ent­deckt, das war vor 5 Jah­ren. Nun hat sie einen kost­ba­ren Stoff aus Indi­en, der ihr von einer Rei­se mit­ge­bracht wur­de und etwas Anpas­sung benö­tigt. Als Schnitt­tech­ni­ker kein Pro­blem, denn die Aus­bil­dung zum Schnei­der ist obli­ga­to­risch. Vie­le nen­nen sich Desi­gner, sagt Ankobea. Stars, die ihren Namen für eine Mode­li­nie her­ge­ben. Aber mehr als ihren Namen tra­gen sie auch nicht bei. Das gro­ße Gan­ze aber, die Tech­nik, die Schnitt­skiz­zen nicht nur umsetz­ten, son­dern auch anfer­ti­gen und ver­ste­hen für die per­fek­te Pass­form, das kann man damit noch lan­ge nicht. 

© Andaras Hahn

Fakt ist: Er muss raus, er passt nicht ins Port­fo­lio. Er hofft sei­ne Sachen erst mal bei einer Freun­din lagern zu kön­nen und Räum­lich­kei­ten in der Nähe zu fin­den. Was soll er in Mit­te oder Char­lot­ten­burg? Das sind ande­re Prei­se. Nicht nur die Mie­te, auch sei­ne eige­nen Prei­se wür­den gar nicht mehr mit sei­nen Kun­den har­mo­nie­ren. Mit etwas Glück hat er noch die Opti­on auf eine Räum­lich­keit in der Nähe, aber spruch­reif ist das alles noch nicht. Wer also jeman­den kennt, der jeman­den kennt. Man kennt das ja…

Die Tür zu Vic­tor Ankobe­as Laden geht zu. Der Wind spielt unbe­irrt mit den Wim­peln. Wenn man genau hin­schaut, dann sind die­se gar nicht so bunt wie am Anfang wahr­ge­nom­men, die Son­ne hat sie über die Mona­te aus­geb­li­chen. Und das Gefühl wird stär­ker, dass auch die­se Stadt mehr und mehr aus­bleicht. Lang­sam. Aber beständig. 

Weni­ge Tage zuvor war eine Redak­teu­rin der taz eben­falls bei Vik­tor Ankobea. Hier der Artikel.

Andaras Hahn ist seit 2010 Wed­din­ger. Er kommt eigent­lich aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Schreibt asso­zia­tiv, weiß aber nicht, was das heißt und ob das gut ist.
Macht manch­mal Fotos: @siehs_mal


2 Kommentare
  1. Direkt am U‑Rehberge (Mül­ler­stra­ße 70 oder 70b Laden­ge­schäft EG) Ver­mie­tung über die Dege­wo. Sehr schö­ner Laden inkl. Kellerraum

  2. Zwi­schen den Hal­te­stel­len Reh­ber­ge und Afri­ka­ni­sche Stra­ße auf der Mül­ler­stra­ße gibt es Geschäfts­flä­chen, die leer stehen.

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