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Bye bye Bücher: Der stille Abschied der Hugo-Heimann-Bibliothek

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Bilck in die Hugo-Hei­mann-Biblio­thek. Die Bücher, CDs und DVDs zie­hen ab Ende April um in die Müllerstraße.

Es hat kei­ne Demons­tra­tio­nen gege­ben, kei­ne Bür­ger­initia­ti­ve, kei­ne Unter­schrif­ten­samm­lung, nicht ein­mal ein Pla­kat. Ganz still und lei­se ver­ab­schie­det sich die Hugo-Hei­mann-Biblio­thek aus dem Brun­nen­vier­tel. Sie schließt am 27. April. Das Vier­tel ver­liert damit einen Treff­punkt und eine wich­ti­ge Bil­dungs­ein­rich­tung. Die 37.000 Medi­en der Biblio­thek, die Ende der 70er Jah­re gegrün­det wur­de, zie­hen per­spek­ti­visch in die neu gebau­te Schil­ler-Biblio­thek in der Mül­ler­stra­ße – wenn die­se fer­tig ist. Mit der Schlie­ßung der Kin­der- und Jugend­bi­blio­thek im Brenn­punkt­kiez will der Bezirk Geld sparen.

Gegen die Bebau­ung des Mau­er­parks haben Bür­ger gera­de 39.000 Unter­schrif­ten gesam­melt. Für den Ver­bleib der Hugo-Hei­mann-Biblio­thek indes hat sich kei­ne Initia­ti­ve gegrün­det. „Viel­leicht liegt es dar­an, dass es schon so lan­ge bekannt ist“, spe­ku­liert Kat­ja Nig­ge­mei­er vom Quar­tiers­ma­nage­ment Brun­nen­stra­ße. Fast sie­ben Jah­re wis­sen die Men­schen im Kiez, dass ihre Biblio­thek schlie­ßen soll. „Vie­le hat­ten wohl das Gefühl, dass es kei­nen Sinn hat und haben sich viel­leicht ein­fach an den Gedan­ken gewöhnt“, sagt die Quartiersmanagerin.

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Die Öff­nungs­zei­ten der Kin­der- und Jugend­bi­blio­thek in der Swi­ne­mün­der Stra­ße – aller­dings nur noch bis 26. April.

Der Abschied der Biblio­thek voll­zog sich schritt­wei­se. Zunächst war sie im Schul­ge­bäu­de des Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums in der Put­bus­ser Stra­ße inte­griert. Die Schü­ler konn­ten die Biblio­thek in einer Pau­se exklu­siv nut­zen, die Öffent­lich­keit kam nach Schul­schluss zu Büchern, CDs, Com­pu­ter­spie­len, Man­gas. Regel­mä­ßig wur­de in der Biblio­thek vor­ge­le­sen, Kiez­pro­jek­te nutz­ten Räum­lich­kei­ten, es gab Haus­auf­ga­ben­hil­fe und Prü­fungs­vor­be­rei­tungs­kur­se, vie­le Com­pu­ter­ar­beits­plät­ze und jugend­ge­rech­te Ange­bo­te zur Lese­för­de­rung. Als die Schu­le 2011 aus dem Kiez weg­zog und das Gebäu­de auf­ge­ge­ben wur­de, zog die Hugo-Hei­mann-Biblio­thek vor­über­ge­hend in ein viel klei­ne­res Nebenhaus.

Mit dem Dies­ter­weg-Gym­na­si­um ver­schwand auch der größ­te Teil der Biblio­theks­nut­zer. Den­noch blieb die Biblio­thek für vie­le Fami­li­en ein wich­ti­ger Ort im Kiez, der nun ganz weg­fällt. „Für die­ses Gebiet ist es ein­fach grau­en­haft. Mit der Biblio­thek geht die letz­te sicht­ba­re Bil­dungs­ein­rich­tung im Bereich Swi­ne­mün­der Stra­ße. Wir ver­lie­ren einen wich­ti­gen Lern- und Begeg­nungs­ort“, sagt Kat­ja Niggemeier.

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In die­sem Neben­ge­bäu­de des inzwi­schen weg­ge­zo­ge­nen Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums ist die Biblio­thek der­zeit untergebracht.

Kin­der und Jugend­li­che aus dem Gebiet wer­den nun wei­te­re Weg in Kauf neh­men müs­sen, mit Bus oder U‑Bahn fah­ren, um in die Schil­ler­bi­blio­thek zu kom­men. Oder sie müs­sen auf die Phil­ipp-Scha­ef­fer-Biblio­thek nahe dem Rosentha­ler Platz in Mit­te oder die Biblio­thek am Lui­sen­bad im Sol­di­ner Kiez aus­wei­chen. „Für Jugend­li­che ist das viel­leicht kein Pro­blem, aber Kin­der, die noch nicht in die Schu­le gehen, kön­nen nun nicht mehr ein­fach so über die Stra­ße in die Biblio­thek gehen“, sagt Quar­tiers­ma­na­ge­rin Nad­ja Franze.

Das Quar­tiers­ma­nage­ment will nun ein Pro­jekt aus­schrei­ben, das den Ver­lust der Biblio­thek zumin­dest ein wenig auf­fängt. „Wir wol­len die Fami­li­en auf die ver­blie­be­nen Mög­lich­kei­ten hin­wei­sen, mobi­le Lese­för­de­rung instal­lie­ren und Koope­ra­tio­nen für Lern­un­ter­stüt­zung anschie­ben“, sagt Kat­ja Nig­ge­mei­er. Beim Kiez­floh­markt am 9. Mai vor der dann ehe­ma­li­gen Biblio­thek in der Swi­ne­mün­der Stra­ße 80 soll ein Fly­er ver­teilt wer­den, auf dem auf die nun erreich­ba­ren Biblio­the­ken hin­ge­wie­sen wird.

 Text und Fotos: Domi­ni­que Hensel

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Sonntags gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil, fotografiert dort für unseren Instagram-Kanal (Freitag) und hat hier und da einen aktuellen Text für uns - gern zum Thema Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat sie es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

4 Comments

  1. Wie scha­de! Es ist ein­fach nicht zu ver­ste­hen .Unglaub­lich .Biblio­the­ken sind Bildungsstätten.Sie gehö­ren zur Grund­aus­stat­tung für Bürger.Das schürt bei mir erneut das Unver­ständ­nis war­um Mil­lio­nen und aber Mil­lio­nen in die Luft geschos­sen werden.

  2. Erst das Gym­na­si­um, dann die Biblio­thek. Es ist ein wei­te­res Puz­zle­stück der Ber­li­ner Arm­se­lig­keit – dafür gibt es dann das pom­pö­se neue Stadt­schloss. Als ob eine Repu­blik eine Schloss­at­trap­pe braucht …

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