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Der Kampf gegen die Trockenheit

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In den Innen­hö­fen und Parks im Wed­ding las­sen der­zeit die Sträu­cher die Blät­ter hän­gen, Bäu­me wer­fen wegen der Tro­cken­heit die Blät­ter ab, Rasen­flä­chen sind teils kom­plett ver­trock­net. Der feh­len­de Regen setzt der Stadt­na­tur sicht­lich zu. Beson­ders in den sozia­len Medi­en kur­sie­ren diver­se Auf­ru­fe, die Stra­ßen­bäu­me zu gie­ßen. Auch der Bezirk Mit­te ruft die Bür­ger dazu auf, zur Gieß­kan­ne zu grei­fen. Gele­gent­lich wird genau das kri­ti­siert. Nach Mei­nung man­cher Men­schen tun öffent­li­che Stel­len nicht genug, gie­ßen nicht und wür­den die Auf­ga­be an die Bür­ger diri­gie­ren wür­den. Doch stimmt das? Eine Nach­fra­ge beim Bezirks­amt Mit­te gibt Aufschluss.

Die große Wiese im Humboldthain leidet wie alle Grünflächen unter der Trockenheit. Foto: Hensel
Die gro­ße Wie­se im Hum­boldt­hain lei­det wie alle Grün­flä­chen unter der Tro­cken­heit. Foto: Hensel

„Zur­zeit wer­den alle ver­füg­ba­ren Kräf­te für die Bewäs­se­rung ein­ge­setzt“, schreibt Chris­ti­an Ziel­ke von der Pres­se­stel­le des Bezirks auf Nach­fra­ge. „Neben­her müs­sen die lau­fen­den Pfle­ge­maß­nah­men und die Müll­be­sei­ti­gung in den Grün­an­la­gen eben­falls gema­nagt wer­den. Denn die Nut­zung des öffent­li­chen Grüns ist gera­de in den Som­mer­mo­na­ten sehr hoch“, ergänzt Ziel­ke. Der Bezirk set­ze der­zeit vier Bewäs­se­rungs­fahr­zeu­ge im Stra­ßen­raum ein, wei­te­re vier Fahr­zeu­ge wäs­sern in den Pfle­ge­re­vie­ren. Pfle­ge­re­vie­re sind zum Bei­spiel der Volks­park Hum­boldt­hain oder die Reh­ber­ge. „Dabei wer­den vor allem Neu­an­pflan­zun­gen, Schmuck­bee­te und Son­der­gär­ten bewäs­sert“, so Chris­ti­an Ziel­ke. Ein sol­cher Son­der­gar­ten ist zum Bei­spiel der Rosen­gar­ten im Humboldthain.

Auch im Schillerpark ist das Gras vertrocknet. Foto: Joachim Faust
Auch im Schil­ler­park ist das Gras ver­trock­net. Foto: Joa­chim Faust

Wo er Bezirk im Wedding gießt

Im Par­la­ments- und Regie­rungs­vier­tel wer­den laut dem Pres­se­spre­cher alle Grün­an­la­gen bewäs­sert, teil­wei­se mit auto­ma­ti­schen Bereg­nungs­an­la­gen. Im Bezirk Mit­te gibt es ins­ge­samt 32 sol­cher Bereg­nungs­an­la­gen. Aber auch im Wed­ding gießt der Bezirk Bäu­me und Parks. „Auf dem Loui­se-Schroe­der-Platz wer­den die Bee­te mit Sprüh­schläu­chen und die Rasen­flä­chen mit Kreis­reg­nern gegos­sen. An den Bäu­men befin­den sich Gieß­sä­cke, die regel­mä­ßig befüllt wer­den“, erklärt Chris­ti­an Ziel­ke. Im Schil­ler­park wer­den Kreis­reg­ner auf­ge­stellt; hier wird sogar die Wie­se gegos­sen. „Wir gehen davon aus, dass auch die Bäu­me von den Was­ser­ga­ben pro­fi­tie­ren“, so Ziel­ke und ergänzt: „Bei frei­en Kapa­zi­tä­ten wird der Bereich um die Plan­sche bewäs­sert“. Auch das Beet an der Kita Edin­bur­ger Stra­ße wer­de gewässert.

Der Grün­flä­chen­amt unter­stüt­ze auch das Sport­amt auf Sport­flä­chen, die kei­ne Bewäs­se­rungs­an­la­gen haben, so in der Oslo­er Stra­ße und in der Kolo­nie­stra­ße. In der Wie­sen­stra­ße, Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße und Wollank­stra­ße wer­den ein Mal in der Woche die Pflanz­bee­te gegos­sen, alle zwei Wochen wer­de der Brun­nen­platz von dem Amts­ge­richt und der Max-Josef-Metz­ger-Platz aus­gie­big gewäs­sert. Alle Neu­pflan­zun­gen im Goe­the­park und in den Reh­ber­gen wer­den eben­falls mit einer Was­ser­ga­be bedacht. „Bei Stra­ßen­bäu­men wer­den alle Bäu­me bis zum 15. Lebens­jahr gewäs­sert“, erklärt Chris­ti­an Ziel­ke. Neu geplanz­te Bäu­me bekom­men pro Woche 1000 Liter Wasser.

Wie die Bezirk das Wasser verteilt

„Bei der der­zeit herr­schen­den extre­men Tro­cken­heit muss nicht nur beach­tet wer­den, wo gewäs­sert wer­den kann, son­dern auch wie“, gibt Chris­ti­an Ziel­ke zu Beden­ken. Wo es mög­lich ist, wer­de in den frü­hen Mor­gen­stun­den oder nachts gewäs­sert – ins­be­son­de­re bei auto­ma­ti­schen Bereg­nungs­an­la­gen. „Bei der star­ken Son­nen­ein­strah­lung macht es kaum noch Sinn, Rasen­flä­chen zu wäs­sern, da die­se in kur­zer Zeit wie­der aus­trock­nen“, so Zielke.

Wo das Gießwasser herkommt

Auch Zah­len zum bezirk­li­chen Gie­ßen nennt der Pres­se­spre­cher, denn das Was­ser für die Bewäs­se­rung des Stadt­grüns in Mit­te kommt aus ver­schie­de­nen Quel­len. Der größ­te Anteil wird vom Pump­werk Tier­gar­ten aus dem Land­wehr­ka­nal ent­nom­men. 1,37 Mil­lio­nen Kubik­me­ter sind das pro Jahr, das Nass wird für die Bewäs­se­rung des Gro­ßen Tier­gar­tens ver­wen­det. 42.000 Kubik­me­ter Was­ser kom­men pro Jahr aus der Spree in Mit­tes Grün­an­la­gen. 35.000 Kubik­me­ter wer­den den Stadt­was­ser­an­schlüs­sen ent­nom­men und 25.000 Kubik­me­ter stam­men aus Tiefbrunnen.

Fazit bezirkliches Gießen

Dass der Bezirk nicht gießt, ist also nicht rich­tig. Aber ange­sichts der gro­ßen Tro­cken­heit und der Anzahl von Grün­flä­chen und Stra­ßen­bäu­men bleibt es der­zeit trotz­dem der sprich­wört­li­che Trop­fen auf den hei­ßen Stein.

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Der Text ent­stand in Koope­ra­ti­on mit der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von Domi­ni­que Hen­sel. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag!

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Jeden zweiten Sonntag gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil. Die gelernte Journalistin schreibt für den Blog gern aktuelle Texte - am liebsten zu den Themen Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat Dominique es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

14 Comments

  1. Wenn ich die gro­ße Wie­se im Hum­boldt­hain auf dem obe­ren Bild sehe, bezweif­le ich, dass der Zustand nur durch Tro­cken­heit zu begrün­den ist. Das spär­li­che Gras, was man dort sehen kann, sieht noch halb­wegs grün aus. Die tote Flä­che scheint mit eher durch Über­nut­zung ent­stan­den zu sein – zu vie­le Men­schen, die trotz Tro­cken­heit auf der Wie­se pick­ni­cken, Fuß­ball spie­len, son­nen­ba­den… Ver­ste­he die Igno­ranz der Men­schen nicht: Alle schrei­en nach “mehr Stadt­grün”, aber dann wird der Rasen tot­ge­tram­pelt. Ein­fach mal nicht in Mas­sen auf der Wie­se rum­ren­nen, beson­ders nicht im hei­ßes­ten, tro­ckens­ten Som­mer seit Jahr­zehn­ten, dann über­lebt das Gras auch.

    • Hal­lo Fal­ko, inter­es­sant, dass man ein Foto so unter­schied­lich deu­ten kann. Ich sehe auf dem Bild (und auch in echt), dass der Rasen dort grün ist, wo die Bäu­me an einem Teil des Tages Schat­ten wer­fen. Da, wo kein Schat­ten ist, ist der Rasen ver­brannt, ver­trock­net und zur Sand­wüs­te gewor­den. Die Leu­te saßen und sit­zen nach mei­ner Beob­ach­tung auch eher im Schat­ten in der Nähe der Bäu­me, also auf dem grü­nen Rasen, was ihm offen­bar nicht gescha­det hat. Das wäre auch ver­wun­dert­lich, denn genau dafür ist der Rasen ja auch gezüch­tet worden.

      Es ist so, dass Parks stark genutzt wer­den. Jeder möch­te hat gern ins Grü­ne. Ich glau­be aber kaum, dass der Rasen dadurch so gelit­ten hat. Das ist wohl eher die Tro­cken­heit. Ich kann Dir ja mal ein Foto von mei­nem Klein­gar­ten-Rasen schi­cken. Der sieht etwa genau­so aus und der ist ganz sicher nicht übernutzt.

  2. Nuja. Der Lui­se-Schrö­der-Platz wird in der größ­ten Mit­tags­hit­ze mit Was­ser besprengt. Da fra­ge ich mich auch, was das soll. Was­ser ist ja gut, aber nicht, wenn es gleich ver­duns­tet und wie wir ja wis­sen, Son­ne auf Was­ser­trop­fen?????? Nicht gut, da ver­bren­nen die Blät­ter und Gräser.

    • Da hast Du natür­lich recht. Das Bezirks­amt sagt ja auch selbst, dass sie bevor­zugt in den frü­hen Mor­gen­stun­den gie­ßen. Im Schil­ler­park habe ich sie auch schon zu der Zeit gese­hen, nahe des Nord­bahn­hofs auch. Ich weiß es natür­lich nicht genau, aber ich ver­mu­te, dass es an der Anzahl der Gieß-Mit­ar­bei­ter liegt. Die kön­nen ja mor­gens nicht über­all gleich­zei­tig sein. Auch wenn sie früh anfan­gen, sind sie ver­mut­lich bis Mit­tag nicht fer­tig. Bei auto­ma­ti­scher Bewäs­se­rung ist das einfacher.

  3. Prak­ti­ka­bi­li­tä­ten!
    Nicht alle Nach­barn spre­chen all­täg­lich mit­ein­an­der, obwohl nur dort die Lösung zum Stra­ßen­baum­gie­ßen vor dem Wohn­haus liegt.
    Vllt ist es nütz­lich – und mir fehlt das bis­her bei all die­sen Auf­ru­fen -, alle Model­le, also Ideen, Ter­mi­n­op­tio­nen und Mög­lichkkei­ten des Bäu­me­gie­ßens zu bespre­chen oder wenigs­tens vie­le, denn eine ein­zi­ge Lösung gibt es nicht wegen der per­sön­li­chen Beson­der­hei­ten der Nach­bar­schaf­ten ‑und anzubieten. -
    Letzt­lich trumpf­te eine jun­ge Frau auf nebenan.de damit, dass sie ein Schlauch­sys­tem über ihren Bal­kon auf­ge­baut hat und froh war, den Baum vor ihrem Fens­ter täg­lich bequem von oben mit dem kost­ba­ren Nass glück­lich machen zu kön­nen. Wer meckert dann? Oder meckert dann niemand?
    Bes­ser ist es, sich gemein­sam auf Stra­te­gien und Wir-machen-das-so zu eini­gen, oder?
    Und wo sind eigent­lich die Pinn­wän­de in den Haus­flu­ren, die man für sol­che Aktio­nen prak­ti­scher­wei­se benötigt?

    • Ich habe mei­nen Nach­barn qua­si erst durchs Bäu­me­gie­ßen ken­nen­ge­lernt. So geht es auch. Inzwi­schen tra­gen wir bei­de bei http://www.giessdenkiez.de ein, wann jeder wie­viel gießt, um uns zu koor­di­nie­ren. Die Sei­te wird zur Koope­ra­ti­on unter Nach­barn zu recht fast über­all emp­foh­len. Da steht auch viel inter­es­san­tes zu jedem Stadt­baum in Berlin.

      Ansons­ten gibt es zum Bäu­me­gie­ßen einen sepa­ra­ten Bei­trag. In dem hier geht es mal aus­nahms­wei­se nicht um Eigen­in­itia­ti­ve, son­dern um den Anteil des Bezirks an der gro­ßen Gießaufgabe.

  4. Die Mei­nung, dass doch nicht die Auf­ga­be jedes ein­zel­nen Bür­gers ist zu gie­ßen, passt aktu­ell in die Zeit. Im wei­te­ren Sin­ne bestä­tigt sich wie­der ein­mal “man­geln­de Sozi­al­kom­pe­tenz”. Etwas für die All­ge­mein­heit zu tun ist eben nicht ange­sagt. Wenn einem etwas dar­an liegt, dass der Baum vor der eige­nen Tür grünt und blüht, soll­te es doch nicht zu viel sein, ihn in die­sen was­ser­ar­men Zei­ten zu gießen.

    • Das ist ver­mut­lich wie gera­de bei vie­len The­men: ins­be­son­de­re die Men­schen mit wenig sozia­ler Kom­pe­tenz sind auf den sozia­len Medi­en unter­wegs und dort sehr laut. Daher wir­ken sie mehr, als sie sind. Man ver­schätzt sich da schnell. Ich per­sön­lich gie­ße den Baum vor mei­ner Tür und mein Nach­bar tut es auch. 😊

    • Da bin ich ganz dei­ner Meinung!
      Mir blu­tet das Herz, wenn ich die ver­trock­ne­te Wie­se im Schil­ler­park sehe. Sie wur­de erst letz­tes Jahr neu ausgesät.
      Ich freue mich zu hören, dass sie gegos­sen wird.
      Wie­sen und Parks sind eine ande­re Dimen­si­on als der Baum vor der Haustür.

  5. Viel­leicht soll­te man nicht nur an das nahe­lie­gen­de Gie­ßen und Näs­sen den­ken, son­dern vor­ge­la­gert und grund­sätz­lich auch für mehr Schat­ten sor­gen. Das ist schwie­rig auf gro­ßen Flä­chen, müss­te für prak­ti­ka­ble Lösun­gen noch bedacht wer­den, im wahrs­ten Sin­ne des Wortes.

    • Da hast Du natür­lich total recht. Ich ergän­ze: ans Ent­sie­geln den­ken, damit das Was­ser nicht in der Kana­li­sa­ti­on ver­schwin­det und die Bäu­me wach­sen kön­nen. Da hat auch der Bezirk noch einen Lern­pro­zess vor sich.

  6. Dan­ke für die­se Recher­che, Domi­ni­que. Ich hat­te auch ver­mu­tet, dass der Bezirk zu wenig gießt, da ist es gut, mal ein paar Zah­len zu lesen.
    Einen schö­nen Tag von Susanne

    • Der Schluss ist ja auch sehr nahe­lie­gend, wenn man sich Bäu­me, Sträu­cher und Rasen ansieht. Aus mei­nem Klein­gar­ten (und der ist wirk­lich klein im Ver­gleich zu ganz Mit­te) weiß ich, dass man der­zeit mit dem Schlauch eigent­lich im Beet ste­hen­blei­ben müss­te. Es ist eine unlös­ba­re Auf­ga­be. Es müss­te halt regnen.

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