Der Sommer brachte im Wedding eine Mischung aus Ärgernissen, Aufbruchstimmung und ziemlich viel Programm – von Müllrealität bis Denkmaltüren, von Kulturaktionen am Leo bis zur Frage, wie viel ein Sprung ins Wasser vom Steilufer des Plötzensees inzwischen kostet.


Im Juli wurde ein Thema wieder sehr sichtbar, das eigentlich nie ganz verschwindet: Vermüllung und Zuständigkeiten. Ein illegal aufgestellter Container in der Transvaalstraße entwickelte sich zum Sperrmüll-Magneten – mit Sofas, Reifen, Matratzen und Müllsäcken als Dauer-Deko. Besonders bitter: Der ohnehin schmale „Radweg“ war praktisch weg, Radfahrende mussten auf die Tempo-50-Fahrbahn ausweichen. Die BSR räumte mehrfach, doch der Müll kam sofort zurück – und das Ordnungsamt erklärte „erledigt“ teils nur als „weitergeleitet“. Immerhin: Nach dem Artikel wurde eine Woche später komplett beräumt.
Im August blieb der Leopoldplatz ein Ort für große Symbole: Am 2. August zog eine stille Parade mit leeren Umzugskartons vom CittiPoint zum Karstadt – „Karstadt Einzüge“ stand drauf. Die Aktion der Operation Himmelblick markierte den Leerstand als offene Wunde, aber auch als Chance nach dem SIGNA-Kollaps: Forderungen nach Transparenz, Mitbestimmung und einer gemeinwohlorientierten Zukunft wurden sichtbar in den öffentlichen Raum getragen. Kurz darauf wurde es am Leo noch einmal ganz anders – performativ, verspielt und sehr öffentlich: Das Duo Plastique Fantastique verwandelte den Rathausvorplatz Ende August in eine begehbare Kunst- und Performance-Landschaft rund um Beziehung, Hochzeit und Scheidung, inklusive Musik, Mitmachen und nächtlichen Projektionen.


Ebenfalls im August: der Plötzensee – und die Frage, was ein Regelverstoß kosten sollte. Der Bezirk zog die Bußgelder fürs Wildbaden deutlich an (228,50 Euro, alternativ Verwarnungsgeld bei Sofortzahlung). Gleichzeitig stand die Duldung am „Steingarten“ unter Vorbehalt: Wenn es zu voll wird oder der Naturschutz alarmiert, soll konsequenter geahndet werden. Unterm Strich: Der See blieb Sehnsuchtsort – aber mit mehr Kontrolle, mehr Zäunen, mehr Strafzettel-Risiko.
Sportlich und infrastrukturell gab es Licht am Ende einer langen Baustellenröhre: Beim Erika-Heß-Eisstadion kam im Spätsommer eine Wende in Sicht. Die Sanierung der Dachtragkonstruktion ist abgeschlossen, die Tragfähigkeit der Zugstangen wurde nach aufwendigen Prüfungen (inklusive neuer Röntgentechnik) bestätigt. Die Freigabe erfolgte Mitte Oktober – nur die Außenbahn-Eröffnung für die Öffentlichkeit klappte 2025 trotzdem nicht mehr. Parallel dazu zeigte sich: Sport und Freizeit bleiben Wachstumsthema – etwa durch die Revitalisierung des Schillerpark Centers, das Schritt für Schritt zum Sport- und Freizeitzentrum umgebaut wird (mit neuen, langfristigen Mietern und der Rückkehr der Bowlingbahn).



Im September wurde der Wedding dann wieder sehr „kiezklassisch“: viel Geschichte, viel Gegenwart, viel los. Der Tag des offenen Denkmals brachte an einem Wochenende Führungen, Turmbesteigungen, Atelierbesuche und Einblicke in Orte vom Krematorium (silent green) bis zur Moderne im Schillerpark, von Uferhallen/Uferstudios bis zur St.-Joseph-Kirche. Und auch kulturell ging es weiter: Ausstellungen und Preisverleihungen (inklusive Publikumsvoting) beim Kunstwettbewerb Mein Wedding zeigten, wie viel künstlerischer Blick im Wedding steckt – vom Wintermotiv am S-Bahnhof Wedding bis zu lokalen Fotografien und Malerei.
Dazu kam noch ein Thema, das das ganze Jahr trägt, aber im Sommer besonders praktisch wird: Ordnung, Entsorgung, Mitmachen. Die BSR-Kieztage zogen eine Halbjahresbilanz und kündigten weitere Termine an – inklusive Abholhilfe für alle, die Sperrmüll nicht selbst transportieren können. Sommer im Wedding heißt eben auch: hoffen, dass nicht wieder über Nacht der nächste Haufen wächst.


