Clint Lukas ist der letzte der Cowboys

Nie wieder Frieden. Buch von Clint Lukas. Grafik Verlag Periplaneta.
“Nie wie­der Frie­den”. Buch von Clint Lukas. Gra­fik: Ver­lag Periplaneta

Clint Lukas kann gut schrei­ben. Clint Lukas kann auf der Lese­büh­ne gut sei­ne Tex­te vor­le­sen. Clint Lukas kann gut zeich­nen. Die Zeich­nun­gen ent­deckt man nicht, wenn er mitt­wochs ab 21 Uhr bei den Mau­er­seg­lern liest. Die fin­det man in sei­nen Büchern. Zum Bei­spiel in “Nie wie­der Frie­den”. Erschie­nen ist das Buch im Früh­jahr 2016 im Peri­pla­ne­ta-Ver­lag. In die­sem Werk bekennt er, ein Cow­boy zu sein. Wir blät­tern mal durch sei­ne Texte.


Ein Cowboy ist doch kein Ich-Protagonist

Ver­blüf­fend ist es schon. Im ame­ri­ka­ni­schen Kino ist der Cow­boy in den letz­ten Jah­ren auf den Hund gekom­men. Clint East­wood gab noch den ehr­ba­ren, treu­en, vor­bild­li­chen Cow­boy. Kein Wun­der, dass Ade­nau­er sich für West­bin­dung ent­schied. Doch dann ging es berg­ab. Zuletzt wur­de der Cow­boy von Taran­ti­no, den ja manch einer gut fin­det, roh abge­knallt. Und dann schreibt Clint Lukas 2016 ” ‘Ich bin ein Cow­boy’. ‘Dass Du ein Cow­boy bist, weiß ich’, sag­te er, ‘Ich glau­be, ich bin auch ein Cow­boy.’ Wir schwie­gen in unse­rem Ein­ver­ständ­nis.” Ein­fach so schreibt er das hin.

Na schön, bei Lese­büh­nen-Autoren muss man auf der Hut sein. Viel­leicht mei­nen sie es genau anders­her­um. Oder irgend­wie anders­her­um. Doch wer noch Hoff­nung in sich hat, der hält sich lie­ber am Glau­ben fest, Lukas sei ein Cow­boy. Wer ein hoff­nungs­lo­ser Fall ist, der hält sich am Klap­pen­text fest, wo es heißt: “Sein Ich-Prot­ago­nist kämpft gegen den Stumpf­sinn einer auf Kon­sum und Kon­for­mi­tät getrimm­ten Gesellschaft”.

Worüber – nicht worum – es geht in “Nie wieder Krieg”

Das gäbe fast schon wie­der einen schö­nen Clint-Lukas-Text ab: Wie ein Autor durch die Klap­pen­tex­te sei­ner Bücher stirbt. Oder kre­piert. In “Nie wie­der Frie­den” schaut man einem Loo­ser zu. Der aber immer­hin um die gan­ze Welt kommt. In Prag trifft man ihn, in Thai­land oder in Bit­ter­feld. Mal ist er Koch, mal Film-Aus­stat­ter, mal ein­fach “druff” (Mes­ca­lin). Aber immer sind die Tex­te so geschrie­ben, dass man denkt: Das ist doch jetzt kein Ich-Prot­ago­nist, das ist doch der Clint selber.

Am Ende muss – wie bei allen guten Büchern – der Leser selbst her­aus­fin­den, was Clint Lukas eigent­lich meint. Mit sei­nen Tex­ten. Die da hei­ßen: “Wir legen Feu­er ans Fun­da­ment eurer Stadt”, “Die Bal­la­de der Tram­pel”, “Das Lied der Kome­ten”. Aber den Tipp gibt es noch: Haydn und Mah­ler gehö­ren in die Höl­le, aber “Ich mag Bruck­ner. Und Mahler”.

Und der Text “Spiel mir das Lied vom Tod” spielt in den Rega­le-Gas­sen eines Wed­din­ger Supermarkts.

Die Zeichungen

War­um kön­nen man­che Leu­te alles? Schrei­ben. Kann nicht jeder, aber Clint Lukas. Vor­le­sen. Kann nicht jeder, aber Clint Lukas. Zeich­nen. Kann nicht jeder, aber Clint Lukas. Er hat ja auf den Lese­büh­nen viel Zeit, die Autoren dort absit­zen müs­sen. Sei­ne auf der Büh­ne ent­stan­de­nen Kugel­schrei­ber-Bil­der wären auch mal eine Aus­stel­lung wert.

Mit CD

Auf der Büh­ne über­zeug Clint Lukas sofort mit sei­ner mini­ma­lis­ti­schen Art des Vor­trags. Hand in der Hosen­ta­sche, kei­ne künst­li­che Dra­ma­tik in der Stim­me, den Text ein­fach wir­ken las­sen. Kommt sei­ne Stim­me aus der hei­mi­schen Box, fragt man sich, war­um dem Buch eine CD bei­gelegt wur­de. Vor­teil: Es zwingt einen nie­mand, die CD ein­zu­le­gen. Man darf auch sel­ber lesen.

Zum Titel “Nie wieder Frieden”

Rela­tiv berühmt ist die Zei­le “Nie wie­der Frie­de” durch Ernst Tol­lers Komö­die von 1934. Es kann auch als Umkeh­rung des berühm­ten Pla­kats von Käthe Koll­witz “Nie wie­der Krieg” genom­men wer­den. Oder soll an Kants Zum ewi­gen Frie­den gedacht wer­den? Wer so denkt, merkt hof­fent­lich sel­ber, dass er zu den Lang­wei­lern gehört. “Es gibt kein fried­li­ches Leben im fal­schen. / Die Waf­fen wer­den nie wie­der schwei­gen. / Nie wie­der Frieden.”

Clint Lukas

Clint Lukas sagt, er habe nichts stu­diert und nichts gelernt. Das Mot­to sei­ner Web­sei­te heißt “Für die Lie­be, für die Kunst”, wobei im Hin­ter­grund Bier- und Champanger­fla­schen zu sehen sind.

Als Pro­du­zent des 30-minü­ti­gen Films Cokes and Tar­ts (2010) wird er auf imdb.com als Domi­nik Lukas genannt. Bis­her sind drei Bücher erschie­nen: “Für die Lie­be, für die Kunst”(2011); “Das schwe­re Erbe von Gus­tav-Mah­lers-Sarg” 2013; “Nie wie­der Frie­den” (2016). Clint Lukas wohnt im Wedding.

Angaben zu “Nie wieder Frieden”

Voll­stän­di­ger Titel: Nie wie­der Frie­den. Geschich­ten vom süd­li­chen Ende des Wahn­sinns. März 2016. Mit CD. Hard­co­ver. 20 Euro. ISBN 978–3‑95996–006‑9.

LINKS
Er über sich selbst: clintlukas.wordpress.com.
Sein Ver­lag über sein Buch: Peri­pla­ne­ta.

Autor: And­rei Schnell. Cover: Periplaneta-Verlag.

 

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

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