Kategorie: Kolumne

Stille Post

Keine Bange, die Soldiner Straße wird nicht umbenannt. Foto Andrei Schnell.
Keine Bange, die Soldiner Straße wird nicht umbenannt. Foto: Andrei Schnell

Das kann nicht ohne Kommentar seitens des Weddingweisers bleiben. „Paketdienst stellt im Wedding nicht mehr zu.“ Problemkiez, Gewaltkiez, No-go-Area in der Soldiner Straße beziehungsweise in der Prinzenallee. Diese Schlagzeilen wirft einem Google-News dieser Tage aus, wenn man nach Nachrichten mit dem Stichwort DHL sucht. Nicht nur die Berliner Medien überschlagen sich in Panikmache, sogar Chip titelt „DHL hat die Schnauze voll von Berlin“. Dabei sollte der Weddinger die Schnauze voll haben. Und zwar von dem irren Stille Post-Spiel, das da vor seinen Augen abgeht.

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Parken in zweiter Reihe ist erste Wahl auf der Badstraße

Parken nach Gusto auf der Badstraße. Foto Andrei Schnell.
Parken nach Gusto auf der Badstraße. Foto: Andrei Schnell

Ist das noch Berliner Lässigkeit oder schon provinzielle Arroganz? Die Nutzer der Badstraße lassen die Bereiche verschwimmen. Wo ist noch mal die Fahrspur, wo die Parkfläche  – und wo eigentlich der Fahrradweg? Was ist los auf einer der quirligsten (oder der rücksichtslosesten?) Straßen Weddings? Weiterlesen

Zum Tag der Deutschen: Wie wird man eigentlich deutsch?

Wie Maja Lasić Deutsche wurde. Foto Andrei Schnell
Wie Maja Lasić Deutsche wurde. Foto Andrei Schnell

Gastautorin Maja Lasić kam mit 14 Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. Zwischen Ankunft und Ankommen liegen 15 Schritte. Der Text ist eine gekürzte Version ihrer Beschreibung vom 27. Februar 2013.

„Schritt 1:
Du reist mit 14 ein. Du sprichst kein Wort Deutsch außer „Halt“, „Achtung“ und was sonst noch in Partisanenfilmen vorkommt. Du fühlst Dich fremd und willst nur zurück in Deine Heimat.

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Nachbarschaft

Searching for the Grey. Grafik Lisa Blum.
Searching for the Grey. Grafik Lisa Blum.

Es ist selten, dass sich jemand die Mühe macht, einen unbekannten Stadtteil ohne vorgefertigte Meinung zu erkunden. Lisa Blum, die nicht im Wedding wohnt, hat den Soldiner Kiez auf sich wirken lassen. Zur Methode des ziellosen Umherschweifens hat sie sich von der Situationistischen Internationalen inspirieren lassen und ihre Eindrücke in einem Booklet gesammelt. Hier ein Auszug aus dem Text „Nachbarschaft“:

„Ich laufe die Tromsöer Straße entlang. Die Straße endet in einer Sackgasse. Dahinter erstreckt sich ein lang gezogener Parkplatz. Ich biege rechts ab und folge einem Fußweg, der mich auf ein ehemaliges Industrieareal führt. Kinder spielen vor einer Moschee. Ein Junge, um die sieben Jahre alt, fragt einen anderen Jungen „Hast Du eine Zigarette bekommen“? Sie klettern an einem Treppengeländer hoch, das zu einer Lagerhalle hinaufführt.

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Goodbye Stattbad, und danke für den Fisch

Stattbad Wedding, alles ruhig auf der Gerichtstraße?
Stattbad Wedding, alles ruhig auf der Gerichtstraße?

Jetzt sollte es auch wirklich der allerletzte Insasse unserer kleinen Kiez-Anstalt mitbekommen haben: Der Wedding verändert sich. Und das Dragoner-Areal in Kreuzberg? Das wird bebaut. Vorher wird jedoch erst einmal heimlich, still und leise abgerissen, und zwar genau jenes Gebäude, welches von der Straße aus derzeit noch fast völlig intakt aussieht. Die Rede ist vom Stadtbad Wedding. Als ehemaliger Anwohner war ich aus ganz unterschiedlichen Gründen nie wirklich ein großer Freund dieser Einrichtung. Doch hat es solch ein schändliches Ende wirklich verdient? Einfach mit dem Kran von hinten erdolcht und abgerissen zu werden? Ich sage, Goodbye Stattbad, und danke für den Fisch.

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Zeugnis für den Wedding

Ein Zeugnis für den Wedding. Grafik Andrei Schnell.
Ein Zeugnis für den Wedding. Grafik Andrei Schnell.

Wir meinen, das ist ungerecht: die lieben Kleinen bekommen von der Schule ein Zeugnis, damit die lieben Großen jubeln, loben und zum Eis einladen. Und alle anderen? Sollen die nur am Valentinstag ausgeführt werden? Nix. Heute ist Zeugnistag für den Wedding. Wer im Wedding wohnt, lebt und gedeiht, der darf nebenstehendes Zeugnis ausdrucken, damit zu einem freigiebigen Nachbarn seiner Wahl gehen und fragen: Heute ist Zeugnistag, lädst Du mich ein ins Punkt, Punkt, Punkt (hier darf ein Ort eigener Wahl eingetragen werden)? Denn heute ist Zeugnistag für den Wedding.
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Die Kinder vom Zeppi

Kinderspielplatz Zeppelinplatz mit Liegewiese
Kinderspielplatz Zeppelinplatz mit Liegewiese

Wer sich dem Zeppelinplatz nähert, kann sie schon von Weitem hören: Kinder! Viele, viele Kinder! Und ganz viel Spaß scheinen die Großen und Kleinen zudem zu haben. Dass Teile des Platzes noch immer mit Bauzaun abgeriegelt sind, das stört sie nicht im Geringsten. Auch nicht, dass der Zeppi bis vor kurzem noch den zweifelhaften Charme des Heruntergekommenen verströmte. Mit der Neugestaltung ist der tatsächlich als Landeplatz für Luftschiffe erbaute Platz ganz unverhofft zum Familien-Hotspot geworden.

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Wedding heißt ab sofort Gesundbrunnen

Ortsteil Gesundbrunnen. Foto: Andrei Schnell.
Ortsteil Gesundbrunnen. Foto: Andrei Schnell.

Völlig überraschend wurde bekannt, dass der Ortsteil Wedding in Gesundbrunnen umbenannt worden ist. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat dies auf ihrer letzten Sitzung am 17. März beschlossen. Der Grund für diesen Schritt: Zwei unterschiedliche Namen für das Gebiet des ehemaligen Bezirks Wedding seien zu viel. Weiterlesen

Gezielte Provokation

Baustadtrat Carsten Spallek - Foto: Andrei Schnell
Baustadtrat Carsten Spallek – Foto: Andrei Schnell
Das Café Leo und seine Rettung

Es besteht aus einem schon etwas in die Jahre gekommenen Imbisswagen und einem länglichen Zelt, unter das sich ein paar schrabblige Plastikstühle und –Tische drängen. Fast scheint es so, als ob der Kampf, der in und außerhalb des benachbarten Rathauses Wedding um seine Zukunft tobte, auch äußerlich Spuren hinterlassen hat. Die Rede ist vom Café Leo. Und von seiner– vorläufigen Rettung. Doch nicht die soll an dieser Stelle interessieren.

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