Bundestagswahl 2017: Im Gespräch mit Eva Högl

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Eva Högl
Eva Högl (SPD)

Inter­view Das Gespräch mit Eva Högl beginnt mit den Wor­ten: “Den Wed­ding­wei­ser lese ich täg­lich”. Die erfah­re­ne Abge­ord­ne­te der SPD bit­tet, für das Inter­view Platz zu neh­men und beginnt umge­hend zu reden. Sie will viel unter­brin­gen in den weni­gen Minu­ten, es sind sehr vie­le poli­ti­sche The­men, die sie umtrei­ben. Doch am Ende bleibt sie rea­lis­tisch: “Na, sehen Sie mal zu, was Sie dar­aus machen.” Hier die Ant­wor­ten, die einem Gespräch mit Eva Högl zu ihrer Arbeit im Bun­des­tag ent­stam­men. (Hier zum Inter­view mit Özcan Mut­lu von den Grü­nen vom 22. März und zum Inter­view mit Ste­phan Rau­hut von den Lin­ken vom 8. Mai).

Frau Högl, wel­che The­men trie­ben Sie als stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der SPD im aktu­el­len Bun­des­tag beson­ders um?

Eva Högl: Für mich als Abge­ord­ne­te ist es wich­tig, mich für Ber­lin-Mit­te kom­pe­tent und enga­giert ein­zu­set­zen. Ich will den Wahl­kreis im Bun­des­tag gut ver­tre­ten, was in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode beson­ders gut gelingt, weil die Din­ge, die in Mit­te pas­sie­ren, typisch für das gan­ze Land sind.

Ein wich­ti­ges Stich­wort ist für mich der sozia­le Zusam­men­halt und die Viel­falt in unse­rer Gesell­schaft. Ich den­ke dabei auch an die vie­len Men­schen, die bei uns Schutz und Sicher­heit suchen. Es geht hier um die Fra­ge, wie orga­ni­sie­ren wir ein gutes Zusam­men­le­ben mit denen, die schon lan­ge hier leben und denen, die neu zu uns kom­men. Ich ste­he für eine huma­ni­tä­re Flüchtlingspolitik.

Die SPD ist auf Bun­des­ebe­ne – auch auf­grund Ihrer Mit­ar­beit – das The­ma Miet­stei­ge­run­gen ange­gan­gen. Was bleibt noch zu tun?

Eva Högl
Eva Högl (SPD) im Inter­view mit dem Wed­ding­wei­ser 2013. Foto: Juli­en Crinier.

Eva Högl: Wir müs­sen noch viel mehr für Mie­te­rin­nen und Mie­ter tun. Ich set­ze mich dafür ein, die Miet­preis­brem­se zu schär­fen. Zum Bei­spiel: Ver­mie­ter müs­sen die neu­en Mie­ter über das Miet­ver­hält­nis der Vor­mie­ter infor­mie­ren. Die­ser Punkt war mit der Frak­ti­on von CDU/CSU nicht mög­lich. Ein Pro­blem ist auch, dass Ver­mie­ter häu­fig Moder­ni­sie­run­gen nut­zen, um ein­fach Miet­erhö­hun­gen durch­zu­set­zen. Hei­ko Maas, der Jus­tiz­mi­nis­ter, und ich haben dafür maß­geb­lich das Mie­ten­pa­ket II aus­ge­ar­bei­tet. Ich hof­fe, hier in einem neu­en Bun­des­tag mit ande­ren Mehr­hei­ten die­ses Mie­ten­pa­ket II durchzubringen.

Aber es gibt da noch etwas.

Was wäre das?

Eva Högl: Wir müs­sen auch an die sozia­len Trä­ger den­ken. Wenn die­se zum Bei­spiel Woh­nun­gen an betreu­te Jugend­li­che, an psy­chisch Kran­ke oder an Woh­nungs­lo­se ver­mie­ten, dann greift im Moment das regu­lä­re Gewer­be­miet­recht. Aber damit wir es schaf­fen, im Bezirk Mit­te sozia­le Trä­ger zu hal­ten, brau­chen wir im Miet­recht beson­de­re Rege­lun­gen für sozia­les Gewer­be – vor allem einen stär­ke­ren Kün­di­gungs­schutz. Aber auch dafür brau­chen wir ande­re Mehr­hei­ten im deut­schen Bundestag.

Wer­den Woh­nungs­bau-Genos­sen­schaf­ten beim The­ma Mie­ten vergessen?

Eva Högl: Klar ist: wir brau­chen mehr Woh­nun­gen. Vor allem brau­chen wir weni­ger anony­me groß­ka­pi­ta­lis­ti­sche Inves­to­ren und dafür viel mehr Selbst­ver­wal­tung oder kom­mu­na­le Unter­neh­men. Die­se brau­chen güns­ti­ge Kre­di­te. Mein Kol­le­ge Klaus Min­drup aus Pan­kow, seit 2013 für die SPD im Bun­des­tag, arbei­tet sehr inten­siv am The­ma Genos­sen­schaft. Genos­sen­schaf­ten sind ein gutes Modell.

Bau­grup­pen sind an die­ser Stel­le auch zu nen­nen. Die wer­den oft von Men­schen mit nor­ma­len Ver­diens­ten gegrün­det, das sind nicht alles Großverdiener.

Auch kol­lek­ti­ve Bau­for­men wie die nicht gewinn­ori­en­ter­te Initia­ti­ve ps.wedding, die im Brun­nen­vier­tel aus dem Dies­ter­weg-Gym­na­si­um ein sozia­les Zen­trum machen will, fin­de ich interessant.

Wel­che poli­ti­schen The­men ver­fol­gen sie, auch wenn die es nicht immer die Schlag­zei­len schaffen?

Eva Högl
Eva Högl (SPD) auf einer Par­tei­ver­an­stal­tung 2015. Foto: And­rei Schnell

Eva Högl: Ein The­ma, das mich nicht mehr los­lässt, ist der Rechts­ex­tre­mis­mus. Das ist mein The­ma – pri­vat und poli­tisch. Men­schen­feind­lich­keit und Ras­sis­mus gehö­ren nicht in unse­re Gesell­schaft. Als enga­gier­te Frau­en­recht­le­rin set­ze ich mich zudem für die Lohn­gleich­heit zwi­schen Män­nern und Frau­en ein. Auch bes­se­re Rech­te für Schwu­len und Les­ben sind mir sehr wich­tig. Die Ehe für alle ist längst über­fäl­lig. Poli­tik lebt von Ver­trau­en. Und Ver­trau­en setzt Trans­pa­renz vor­aus. Des­we­gen set­ze ich mich ein für mehr Trans­pa­renz – dazu gehört ein ver­bes­ser­tes Lob­by­re­gis­ter und die Offen­le­gung der Ein­künf­te und Neben­ver­diens­te von Abgeordneten.

Hintergrundinformationen

Eva Högl ist stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD. Sie führ­te den Vor­sitz im Unter­su­chungs­aus­schuss zum Fall Sebas­ti­an Edathy. Im NSU Unter­su­chungs­aus­schuss war sie stell­ver­tre­ten­des Mit­glied. Sie ist Mit­glied in zahl­rei­chen Organisationen.

Eva Högl wur­de 1969 in Osna­brück gebo­ren. Dort stu­dier­te und pro­mo­vier­te sie Jura. Heu­te lebt sie im Spren­gel­kiez. Über die Arbeit im Vor­stand der Jusos (Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der SPD) rück­te sie in den Bun­des­vor­stand der SPD auf.

Bei der Wahl 2013 nahm Eva Högl für die SPD 28,2 Pro­zent der Wäh­ler für sich ein. Damit gewann sie das Direkt­kan­di­dat für den Deut­schen Bun­des­tag. Aktu­ell ist der Wahl­kreis 75 durch Eva Högl (SPD), Phil­ipp Lengs­feld (CDU) und Özcan Mut­lu (Grü­ne) ver­tre­ten; die bei­den letzt­ge­nann­ten zogen über die Lis­te in den Bun­des­tag ein.

Ter­min für die Bun­des­tags­wahl 2017 ist der 24. Sep­tem­ber. Der Wahl­kreis 75 ist iden­tisch mit dem Bezirk Mitte.

Wahl­er­geb­nis­se 2013: Eva Högl für SPD 28,2 Pro­zent, Phil­ipp Lengs­feld für CDU 23,9 Pro­zent, Özcan Mut­lu für Grü­ne 18,4 Pro­zent und Klaus Lede­rer für Lin­ke 16,7 Prozent.
Wahl­er­geb­nis­se 2009: Eva Högl für SPD 26 Pro­zent, Chris­ti­an Bur­holt für CDU 22 Pro­zent, Wolf­gang Wie­land für Grü­ne 21,5 Pro­zent und Klaus Lede­rer für Lin­ke 19,1 Prozent.
Wahl­er­geb­nis­se 2005: Jörg-Otto Spil­ler für SPD 41,9 Pro­zent, Vol­ker Lie­pelt für CDU 23,2 Pro­zent, Wolf­gang Wie­land für Grü­ne 13,9 Pro­zent und Tobi­as Schul­ze für Lin­ke 13,8 Prozent.

Diagramm Wahlergebnisse
Ergeb­nis­se der Bun­des­tags­wah­len im Wahl­kreis 75 (Ber­lin Mit­te). Gra­fik: And­rei Schnell

Wei­te­re Inter­views: Den Wahl­kreis 75 direkt gewin­nen will auch Özcan Mut­lu: Gespräch mit Özcan Mut­lu am 22. März, und Ste­phan Rau­hut: Gespräch mit Ste­phan Rau­hut am 8. Mai.
Inter­view und Fotos: And­rei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

2 Comments

  1. Gab es nicht so etwas wie ” fake news ” ??,:-) lie­ber Andrej

    Und jetzt auch fake news im Weddingweiser:

    Eva Högl wur­de 1969 in einer Klein­stadt in der Nähe von Olden­burg geboren. 

    Osna­brück eine Klein­stadt bei Oldenburg ??

    Eva Alex­an­dra Ingrid Irm­gard Anna Högl[1], gebo­re­ne Kamp­mey­er, (* 6. Janu­ar 1969 in Osna­brück) ist eine Poli­ti­ke­rin der SPD, seit 2009 Mit­glied des Deut­schen Bun­des­ta­ges und zur­zeit stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der SPD-Bundestagsfraktion

    aus:http://neu.blog.eva-hoegl.de/lebenslauf/

    Was das Lob­by­re­gis­ter betrifft, wie lan­ge hat es gedau­ert bis die SPD Bun­des­tags­frak­ti­on der not­wen­di­ge Trans­pa­renz bei den Besu­cher­aus­wei­sen der Lob­by­is­ten im Bun­des­tag zuge­stimmt hat ??

    http://www.tagesspiegel.de/politik/zugang-zum-parlament-die-staerksten-lobbyisten-im-bundestag-sind-die-parteien/12659964.html

    Und da muß­te erst der Tages­spie­gel klagen:
    http://www.tagesspiegel.de/politik/lobbyismus-bundestag-legt-inhaber-von-hausausweisen-offen/12651324.html

    Das Eva Högl maß­geb­lich am Lob­by­is­ten Geset­zes­ent­wurf betei­ligt ist ist super, aber viel­leicht kann sie es auch errei­chen, dass die SPD Abge­ord­ne­ten sich auch trans­pa­ren­ter dar­stel­len, denn sie ist eben­falls trans­pa­ren­cy Mitglied

    Sie­he:

    Ulrich Kel­ber:

    http://www.ulrich-kelber.de/glaesernermdb/index.html

    der sogar sei­ne Lob­by­is­ten Gesprä­che veröffentlicht!!!

    Und hier noch etwas aus dem Jahr 2008:

    https://www.bundestag.de/blob/412418/f0db72d3e2f6c7b651aadd0751b4541d/wd‑3–252-08-pdf-data.pdf

    Nun ja in eini­gen Län­dern wie Deutsch­land muß man fast Jahr­zehn­te Löcher in die Bret­ter boh­ren, damit man irgend­wann Licht sieht.
    Dem­zu­fol­ge hat unser Land die schwächs­te und kür­zes­te Lob­by­is­ten­re­ge­lung im Ver­glich zu den ande­ren im Ver­zeich­nis aud´fgeführten Ländern.

    Was für ein Glück, dass es noch den Tages­spie­gel gibt, wie auch bereits 2012:

    http://www.tagesspiegel.de/politik/informationsfreiheit-bundestag-klagt-gegen-transparenz/6106300.html

    oder auch hier:

    http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/01/berlin-brandenburg-ovg-entscheid-zu-auskunftspflicht-ueber-boehmermann.html

    Und was uns als Bür­ger betrifft, da gibt es zum Glück auch noch:

    https://fragdenstaat.de/
    https://transparenzklagen.de/
    https://transparenzklagen.de/hintergrund/

    Las­sen wir uns ein­mal überraschen!!

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