Blau-weißer Wedding: Hertha-Treff im Kugelblitz

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Die Fra­ge Her­tha oder Uni­on beant­wor­tet die brei­te Mehr­heit der fuß­ball­in­ter­es­sier­ten Wed­din­ge­rin­nen und Wed­din­ger ein­deu­tig, trug doch Her­tha BSC sei­ne Heim­spie­le ab 1923 über knapp vier Jahr­zehn­te im „Sta­di­on am Gesund­brun­nen“, Plum­pe genannt, aus, bis die­ses im Jahr 1974 abge­ris­sen wurde.

Nun stellt sich für vie­le Wed­din­ger die Fra­ge, wo man im Kiez gut Fuß­ball gucken kann. Die Ant­wort: Zum Bei­spiel im offi­zi­el­len Her­tha-Treff „Kugel­blitz“ in der Lie­ben­wal­der Straße.

Knapp 20 Jah­re steht Chris­tia­ne hier schon hin­term Tre­sen, seit vier Jah­ren führt sie die Knei­pe zusam­men mit Freund Klaus. Der Laden ist eine typi­sche Ber­li­ner Eck­knei­pe. Schult­heiß vom Fass, nikotin­ver­han­ge­ne Luft – der per­fek­te Ort also, um sams­tag­nach­mit­tags Bun­des­li­ga oder unter der Woche Cham­pions League zu schauen.

Vie­le die­ser Läden gibt es nicht mehr im Wed­ding. Nach­dem vor kur­zem „Frit­ze“ in der Mal­plaquet­stra­ße schlie­ßen muss­te, sogar noch einen weni­ger. Stei­gen­de Mie­ten und höhe­re Kos­ten machen es den Gas­tro­no­men schwer im Kiez. Allei­ne 700 Euro im Monat wer­den für die sky-Lizenz fäl­lig. Da muss man schon vie­le Schult­heiß‘ für sehr fai­re 2,50 Euro pro hal­ben Liter zap­fen, damit allei­ne die­ses Geld ver­dient ist.

Dazu stän­dig Angst vor der Sanie­rung. Das Haus hät­te sie nötig, der Kiez ändert sich rasend schnell. Miet­ver­trä­ge gibt es nur noch für ein Jahr. Immer die Hoff­nung, dass es noch ein Jahr wei­ter­geht. 2017, so glaubt Klaus, rol­len hier spä­tes­tens die Bau­krä­ne an. Die Hoff­nung, dass es nach der Sanie­rung mit dem Kugel­blitz wei­ter­geht, hat er aufgegeben.

Doch bis dahin lohnt sich das Kom­men. Zu den Spie­len ist der Laden voll und das Publi­kum sehr gemischt. Stu­den­ten sit­zen zwi­schen Rent­nern und Fami­li­en­vä­tern. Zu jedem Her­tha-Tor gibt es eine „Alte Dame“, einen selbst kre­ierten Schnaps aus Blue Cura­cao und Sah­ne. Klingt furcht­bar, schmeckt aber sehr gut.

Es gibt aber nicht nur Fuß­ball aus der Röh­re, son­dern 2014 fand hier das „Lese­der­by“ statt. Die Buch­au­toren, Knut Bey­er mit „111 Grün­de Her­tha BSC zu lie­ben“ und Frank Nuss­bü­cker mit sei­nem Buch „111 Grün­de 1. FC Uni­on zu lie­ben“, lie­fer­ten sich eine lite­ra­ri­sche 3. Halb­zeit und lasen aus ihren Kult­bü­chern vor. Auch Sin­gle­par­tys und Dis­ko­aben­de sind in der fuß­ball­frei­en Zeit im Angebot.

Der Fan­club „65er Bären“ hat mit dem Kugel­blitz zusam­men, ein sozia­les Pro­jekt mit dem Deut­schen Kin­der­schutz­bund Ber­lin gegrün­det, mit dem das ers­te Kin­der und Fami­li­en­zen­trum des Lan­des­ver­ban­des „uffn Wed­ding“ unter­stützt wird. Als Spen­de konn­te seit April die stol­ze Sum­me von 959,87 Euro dem Lan­des­ver­band über­reicht wer­den. Im übri­gen, Spen­den sind immer gern gese­hen http://65erbaeren.de/projekte.html

Kei­ne Fra­ge, dass die­se herz­li­che Eck­knei­pe unlängst zum Schult­heiß-Kiez­kul­tur­er­be gekürt wur­de. Das Kom­men lohnt sich – nicht nur als Hertha-Fan.

Kugel­blitz
Lie­ben­wal­der Stra­ße 46 (Ecke Gro­nin­ger), 13347 Berlin

Sonn­tag – Don­ners­tag: 10 bis min­des­tens 22 Uhr
Frei­tag und Sams­tag: 10 bis open end
Rau­cher­lo­kal, Zutritt ab 18 Jahren

http://kugelblitz-wedding.de/

https://www.facebook.com/KugelblitzWedding?fref=ts

Text: Dani­el Gollasch

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