bi’bak: Über das Schicksal der Kofferkinder

Screenshot von der Webseite des bi'bak-Projektraums.
Screenshot von der Webseite des bi’bak-Projektraums.

Sie heißen Kofferkinder, Pendelkinder oder auch Eurowaisen. Es handelt sich dabei um Kinder, die mindestens ohne ein Elternteil aufwachsen oder von ihren Tanten und Großeltern großgezogen werden, weil die Eltern im Ausland arbeiten. Der Projektraum bi’bak in der Prinzenallee 59 befasst sich im Februar mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Zurückgelassen, entwurzelt, versteckt: Eltern- und Kinderschicksale der Arbeitsmigration“ mit den Schicksalen der Gastarbeiter und ihren Kindern. In fünf Filmen und drei Lesungen (in Anwesenheit von Regisseuren und Betroffenen) werden Geschichten von zerrissenen Familien beleuchtet.

 

Arbeitsmigration: Woher die Familien kamen

Außenansicht des bi'bak-Projektraums in der Prinzenallee.
Der bi’bak-Projektraum in der Prinzenallee. Foto: Charlotte Bolwin

In den 60er und 70er Jahren sollen allein rund 700.000 Kinder türkischer Arbeitsmigranten ihre Kindheit zwischen Deutschland und der Türkei verbracht haben, dazu kommen zahlreiche Fälle aus Griechenland, Italien, Portugal, Marokko, Spanien, Tunesien oder Jugoslawien aus der Zeit der Anwerbeabkommen. Heute sind es gerade die osteuropäischen EU-Länder, aus denen ein beachtlicher Teil der Bevölkerung im Westen arbeitet, weil es im eigenen Land keine Möglichkeit gibt, genug Geld für die Familie zu verdienen. Aber auch in anderen Ländern auf der ganzen Welt ist dieses Schicksal der zurückgelassenen Kinder Realität.

Veranstaltungsreihe mit Filmen und Lesungen

Mit diesem Thema beschäftigt sich das Team von bi’bak. Bei zwei Filmvorführungen werden dabei die Regisseure Alexandra Gulea aus Rumänien („Matei Child Miner“, 16. Februar) sowie Alvaro Bizzarri aus Italien („Lo Stagionale“, 9. März) anwesend sein. Im Anschluss an die Filme wird es die Gelegenheit geben, gemeinsam mit den Filmschaffenden zu diskutieren.

Can Sungu, bi'bak, Projektraum, Malve Lippmann
Can Sungu (links) mitMalve Lippmann im bi’bak-Projektraum. Can Sungu ist eine der Kuratorinnen der aktuellen Reihe. Foto: Charlotte Bolwin

Neben der Filmreihe im bi’bakino wird es drei Lesungen zum Thema geben: Aus der Anthologie „Skype Mama“ lesen die Herausgeberinnen Lydia Nagel und Sofia Onufriv am 8. März ukrainische Kurzgeschichten. Ok-Hee Jeong ist am 10. März mit ihrer szenischen Lesung „6x Frau Kim“ zu Gast. Die Gruppe Daughters and Sons of Gastarbeiters verarbeiten am 24. März in ihren Texten eigene Erfahrungen von zerrissenen Familien.

Auch das Format bi’bakaudio wird sich im Februar dem Thema der Arbeitsmigration widmen: Der griechische Klangarchäologe Panos Panopoulos analysiert am 9. Februar selbstbespielte Platten griechischer Migranten, die diese sogenannten Klangpostkarten an Verwandte in der Heimat schickten.

Das volle Programm der Reihe über die Kinder der Gastarbeiter steht auf der bi’bak-Website.


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