„Beer4Wedding“ heißt jetzt Berliner Bierfabrik

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Julian Schmidt beer4weddingDeutschland ist weltweit bekannt für seine Biere – häufig beruft man sich hier auf das Reinheitsgebot von 1516, wonach nur Gerste, Hopfen und Wasser für die Bierherstellung erlaubt sind. „Davon wollen wir uns aber nicht einschränken lassen“, sagen drei Studenten der Brauereitechnologie. Sie haben die Firma „Beer4Wedding“ gegründet und loten mit ihren Kreationen die Grenzen des Biergeschmacks aus. Die Zutaten jedenfalls bestehen aus mehr als nur Hopfen und Malz…

Hopfenanbau im Soldiner Kiez
Hop­fen­an­bau im Sol­di­ner Kiez

(Bei­trag aktua­li­siert am 17.7.14) Damit fol­gen Sebas­ti­an Mer­gel, André Schley­pen und Juli­an Schmidt einem glo­ba­len Trend: „Craft Beer“ ist kei­ne indus­tri­el­le Mas­sen­wa­re, son­dern von Hand her­ge­stell­tes Bier mit einem spe­zi­el­len Geschmacks­pro­fil. „Die hohe Qua­li­tät der Roh­stof­fe ist für uns beson­ders wich­tig“, erklärt Sebas­ti­an Mer­gel. „Daher haben wir den Hop­fen auf einer Dach­ter­ras­se im Sol­di­ner Kiez ange­baut – so hat­ten wir genü­gend Son­nen­stun­den.“ Die Wär­me, die das Haus abstrahlt, tat dem Hop­fen eben­falls gut, wenn­gleich die Anbau­men­ge natür­lich nicht für die gesam­te Pro­duk­ti­on ausreichte.

Logo_ManufakturenEs ist sicher kein Zufall, dass ange­hen­de oder diplo­mier­te Braue­rei­in­ge­nieu­re gera­de im Wed­ding ihre ers­ten Geh­ver­su­che unter­neh­men. Schließ­lich befin­det sich in der See­stra­ße 15 seit 1891 das Insti­tut für Gärungs­ge­wer­be und Bio­tech­no­lo­gie, das von der 1883 gegrün­de­ten Ver­suchs- und Lehr­an­stalt für Braue­rei (VLB) betrie­ben wird. Dort koope­riert man eng mit dem Stu­di­en­gang Braue­rei- und Geträn­ke­tech­no­lo­gie an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät. „Wegen die­ses Stu­di­en­gangs, den es ansons­ten nur an der TU Mün­chen gibt, sind wir aus Bay­ern und dem Rhein­land nach Ber­lin gekom­men“, sagt Sebas­ti­an. Die Viel­falt des Wed­dings zog den gebür­ti­gen Münch­ner und sei­ne bei­den Freun­de eben­falls an. Ganz allein mit ihrer Lei­den­schaft sind sie hier nicht, schließ­lich ver­fügt der Orts­teil bereits seit 2001 mit dem Eschen­bräu über eine Kleinst­braue­rei, die von einem Diplom-Brau­in­ge­nieur betrie­ben wird.

Im Wedding sind Hopfen und Malz nicht verloren

André Schleypen von beer4wedding
André Schley­pen von beer4wedding

Zurück zu den drei Bier-Enthu­si­as­ten. Die von ihnen zu Hau­se aus­ge­tüf­tel­ten Bier­sor­ten wer­den im Lohn­brau­ver­fah­ren in der Brew­Baker-Braue­rei in Moa­bit her­ge­stellt. Die ers­te Bier­sor­te ist ein India Pale Ale, das unter dem Namen „Wed­ding Pale Ale“(WPA) ver­mark­tet wird. „Die­ser Bier­typ wur­de im 19. Jahr­hun­dert in Eng­land ent­wi­ckelt, als die Ver­schif­fung in die indi­schen Kron­ko­lo­nien eine lan­ge Halt­bar­keit erfor­der­lich mach­te“, erklärt der Braue­rei­stu­dent Sebas­ti­an. Dafür wur­de extra viel Hop­fen bei­gege­ben. Das Wed­din­ger Pale Ale erhält sei­nen Geschmack durch eine Schüt­tung aus sechs ver­schie­de­nen Mal­zen und sie­ben ver­schie­de­nen Bit­ter- und Aro­mahop­fen. Doch das allein reich­te den drei expe­ri­men­tier­freu­di­gen Stu­den­ten nicht aus: „Um es geschmack­lich abzu­run­den, ver­brau­en wir zusätz­lich noch Reis“, ver­rät Sebas­ti­an Mer­gel. Ins­ge­samt schmeckt das WPA bit­te­rer als ein Pils.

Bier aus Austern und Kaffee

Sebastian Mergel
Sebas­ti­an Mergel

Voll­ends aben­teu­er­lich wird es bei der neu­es­ten Bier-Krea­ti­on. „Unser Oys­ter Stout ist ein dunk­les Bier, ähn­lich einem Guin­ness“, erklärt Sebas­ti­an. Wie der Name schon sagt, ent­hält es Aus­tern, die man dank ihres hohen Eiweiß­ge­halts aber nicht her­aus­schmeckt. Den­noch besitzt das Bier eine beson­de­re Geschmacks­no­te – was auch an der bei­gemisch­ten dunk­len Scho­ko­la­de und Kaf­fee lie­gen könn­te, den die Wed­din­ger Bier­brau­er selbst­re­dend aus der Kaf­fee­rös­te­rei „Cof­fee Star“ an der Mül­ler­stra­ße bezie­hen. Das Ergeb­nis ist ein Aro­ma, das Anklän­ge von Kaf­fee und Kakao besitzt.

Auch wenn das Aus­tern­bier noch nicht im Han­del erhält­lich ist, ist es schon den Inter­na­tio­na­len Stu­den­ti­schen Brau­wett­be­werb in Ham­burg aus­ge­zeich­net wor­den. Auch die loka­le Her­stel­lung in Ber­lin-Mit­te machen die bei­den Bier­sor­ten zu etwas ganz Besonderem.

Rotbier ist neueste Sorte

Das Rot­bier erhält sei­ne Far­be durch die Ver­wen­dung von drei ver­schie­de­nen Spe­zi­al­mal­zen. Neben klas­si­schem Pil­se­ner Malz wur­den zum Brau­en die­ses Bie­res die Malz­sor­ten Cara­red, Mela­no­idin­malz und Caraam­ber ein­ge­setzt. Das unter­gä­ri­ge Lager wur­de nach einem Rezept der gypsy bre­we­ry in der Klos­ter­braue­rei Neu­zel­le umge­setzt –  gypsy bre­wer ist die Bezeich­nung für einen Brau­er, der kei­ne eige­ne Braue­rei besitzt und sich frei­er Kapa­zi­tä­ten ande­rer Braue­rei­en bedient, um die von ihm ent­wi­ckel­ten Bie­re zu brau­en. Erhält­lich ist das Rot­bier übri­gens auch in der Rei­chelt-Filia­le in der Müllerstraße.

Nun hal­ten die drei Brau­er den Zeit­punkt für gekom­men, um einen eige­nen Pro­duk­ti­ons­stand­ort zu betrei­ben.  Die neue Anla­ge befin­det sich aller­dings in Mar­zahn, so dass die Spe­zi­al­bie­re zukünf­tig unter dem Namen “Ber­li­ner Bier­fa­brik” ver­mark­tet werden.

„Bier kann mehr sein als Hop­fen und Malz“, sagen die drei Bier­ex­per­ten. Und weil sich über Geschmack bekannt­lich nicht strei­ten lässt, ist ihr Mot­to: schme­cken muss es. Aber eben nicht jedem.

(C) beer4wedding
© beer4wedding

Web­site Ber­li­ner Bierfabrik

Erhält­lich sind die Bie­re im Oh!Calcutta, Studio8 (Grün­ta­ler Stra­ße 8, Gesund­brun­nen), im Bier­fach­han­del “Hopfen&Malz” in der Trift­stra­ße 57, im Pub Off­side Wed­ding in der Jüli­cher Str. 4, in der WG Bar (Malplaquetstr./Nazarethkirchstr.) sowie im Absin­th­de­pot.

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

10 Comments

  1. Bier ist gut. Was die­ser Arti­kel sehr gut bei­be­hält, aber die freund­lich zuge­reis­ten Neu­brau­er aus Süb- und West­deutsch­land beher­zi­gen könn­ten, auch auf ihrer schö­nen Web­sei­te, ist, dass es “aus _dem_ Wed­ding” heisst – “hand­werk­lich gebrau­tes Bier aus Ber­lin Wed­ding” ist gut gemeint, aber schlicht­weg kaputt: “hand­werk­lich gebrau­tes Bier aus dem Wed­ding” möge es heis­sen, das “Berlin”-Ding kann man getrost anhän­gen, wenn man denn muss, denn die Ver­wechs­lungs­ge­fahr ist gering, hat man von “Bay­ern-Wed­ding” oder gar “Rhein­land-Wed­ding” doch bis­her kaum etwas gehört.

    Wün­sche viel Erfolg im Wed­ding! c(_)!

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