Bahnhöfe im Wedding: Wollankstraße

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S Bf WollankstrSo ganz kor­rekt ist es nicht, den Bahn­hof Wollank­stra­ße dem Wed­ding oder Gesund­brun­nen zuzu­ord­nen. Denn obwohl die Sta­ti­on sogar wäh­rend der Tei­lung Ber­lins zum West­ber­li­ner S‑Bahn-Netz gehör­te, lag sie immer öst­lich der Grenz­li­nie. Ein Schild neben dem Ein­gang wies Pas­san­ten auf die­se kurio­se Situa­ti­on hin. Die Mau­er selbst ver­lief unmit­tel­bar öst­lich des Bahn­hofs und ver­hin­der­te den Zugang von Osten. Vom Bahn­steig aus konn­ten die West­ber­li­ner Fahr­gäs­te direkt auf den Todes­strei­fen sehen. Als 1962 der Bahn­steig plötz­lich absack­te, kam ein noch nicht fer­tig­ge­stell­ter Flucht­tun­nel zum Vor­schein, der durch das Bahn­via­dukt vom Wes­ten aus gegra­ben wor­den war. Wegen der vor­zei­ti­gen Ent­de­ckung hat der Tun­nel jedoch nie­man­dem zur Flucht ver­hel­fen können.

Ein Stück Pankow im Westen

S Bahnhof WollankstrDas Wed­din­ger Bahn­hofs­um­feld war ursprüng­lich Pan­kower Gemein­de­ge­biet. Die auf­stre­ben­de Vor­ort­ge­mein­de hat sich um das Jahr 1900 her­um bis zur Stadt­gren­ze nach Ber­lin erwei­tert, die sich unge­fähr dort befand, wo heu­te die Wollank­stra­ße zur Prin­zen­al­lee wird. Das neu ent­stan­de­ne Nord­bahn­vier­tel ver­fügt über eini­ge sehens­wer­te Wohn­ge­bäu­de. Beson­ders schön wur­de der qua­dra­ti­sche Platz an der Kreu­zung Sternstraße/Kattegatstraße gestal­tet. Heu­te lässt sich die eins­ti­ge Pracht allen­falls erah­nen. Nach der Ein­ge­mein­dung Pan­kow nach Ber­lin 1920 wur­den 1938 die Bezirks­gren­zen noch ein­mal berei­nigt, und das süd­west­lich der S‑Bahn lie­gen­de Nord­bahn­vier­tel gehör­te fort­an zum Bezirk Wed­ding. Dadurch kommt es, dass die­ses eigent­lich Pan­kower Vier­tel im West­teil Ber­lins lag, aber wäh­rend der Zeit der Ber­li­ner Mau­er von Pan­kow abge­schnit­ten war. Die Mau­er selbst stand in der Bahn­un­ter­füh­rung der Wollankstraße.

Wollankstraße ZugangHier erkennt man, dass die Nord­bahn Anfang des 20. Jahr­hun­derts “höher­ge­legt” wur­de – die Via­dukt­bö­gen erin­nern an die Stadt­bahn­tras­se. Da der Bahn­hof selbst trotz sei­nes Zugangs nur von West-Ber­lin im Osten lag, war er auch nach der Über­tra­gung der S‑Bahn an die BVG 1984 noch von Reichs­bahn-Auf­se­hern besetzt. Benö­tig­te ein Fahr­gast medi­zi­ni­sche Hil­fe auf dem Gelän­de die­ser Sta­ti­on, muss­te die­se in Ost-Ber­lin ange­for­dert wer­den! Am halb­run­den Platz an der Ein­mün­dung der Stern­stra­ße in die Nord­bahn­stra­ße befin­det sich das sehr ansehn­li­che Zugangs­ge­bäu­de des Bahn­hofs aus der Zeit, als hier nur die Nord­bahn fuhr. Aber auch die dem Bahn­hof gegen­über lie­gen­den Häu­ser ver­die­nen eine ein­ge­hen­de Betrach­tung. Ins­ge­samt gehört der Bahn­hof mit sei­nem Vor­platz zu einer der reprä­sen­ta­tivs­ten Anla­gen sei­ner Art.

Es lohnt sich, die Nord­bahn zu unter­que­ren. Auf Pan­kower Sei­te wur­den Kirsch­bäu­me einer japa­ni­schen Stif­tung gepflanzt – jedes Jahr ein rosa­far­be­nes Schau­spiel zur Baum­blü­te im Früh­ling! Die unan­sehn­li­chen Beton­pfäh­le der Later­nen, die hier etwas unmo­ti­viert in die Land­schaft gestellt zu sein schei­nen, dien­ten bis 1989 der Beleuch­tung des Todesstreifens.

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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