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Energiekrise im Wedding:
Welche Energiekosten kommen auf die Bäcker zu?

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In den letz­ten Wochen wur­de viel über Aus­wir­kun­gen der Ener­gie­prei­se gespro­chen und dabei rück­te das Bäcker­hand­werk in den Fokus. Denn die­se hän­gen stark von Gas und Strom ab. Im Wed­ding gibt es zwei tra­di­tio­nel­le Bäcker. Das sind die Bio-Bäcke­rei Buc­co und Han­sis Brot. Was der ges­tern (Don­ners­tag, 29.9.) von der Bun­des­re­gie­rung ver­kün­de­te “Dop­pel­wumms” für sie bedeu­tet, das ist noch unklar. Es bleibt dabei, dass das Bäcker­hand­werk sich in schwie­ri­gen Zei­ten befindet. 

Johan­nes Jung­ni­ckel von der Bäcke­rei “Hanis Brot”. Foto: And­rei Schnell

Beispiel Bio-Bäckerei Bucco

Johan­na Buc­co von der Bio-Bäcke­rei Buc­co in der Ravené­stra­ße 1 möch­te das The­ma Ener­gie­prei­se nicht kom­men­tie­ren. Aber sie ist offen­kun­dig alles ande­re als erfreut. Sie sagt ledig­lich, dass sie noch kei­ne Infor­ma­tio­nen von ihrem Gas­an­bie­ter erhal­ten habe. Das war Mit­te Sep­tem­ber. Was auf sie zukom­men wer­de, wis­se sie nicht. Auch zu der Fra­ge, ob es Hil­fen vom Land Ber­lin oder dem Bund geben wer­de, kön­ne sie – noch – nichts sagen. Wie dick das Ende wird, kann sie nicht abschät­zen. In der Bio-Bäcke­rei ver­brau­chen die Öfen Strom und Gas.

Beispiel Hansis Brot

Auch Johan­nes Jung­ni­ckel von der Bäcke­rei Han­sis Brot in der Kiautschoustra­ße 1 konn­te nichts zu den genau­en Prei­sen für Ener­gie sagen. Er hat­te eben­falls noch kein Schrei­ben sei­nes Anbie­ters erhal­ten. Er beheizt sei­ne Öfen aus­schließ­lich mit Strom, weil er erst ein­mal klein und mobil anfan­gen woll­te. Den strom­be­trie­be­nen Back­ofen habe er anders als einen Gas­ofen nicht fest im Gebäu­de ver­bau­en müs­sen, sagt er zu die­ser Ent­schei­dung. Das erweist sich für ihn nun mög­li­cher­wei­se als ein Glücks­fall. „Wenn die Preis­er­hö­hung kommt, wird das schon pas­sen‟, sagt er. Schließ­lich sei er kein Groß­be­trieb und habe „nicht 30 Mit­ar­bei­ter im Nacken‟, für die er Ver­ant­wor­tung tra­ge. Sei­ne Bäcke­rei sei ein jun­ges Unter­neh­men, er betrei­be sei­ne Bäcke­rei erst seit einem Jahr. In vie­len Fra­gen sei er fle­xi­bel. Aber auch Strom wird mit Sicher­heit teu­rer. Im Moment zahlt er nach eige­ner Aus­sa­ge 500 Euro an sei­nen Anbie­ter, die Natur­strom GmbH.

Antwort der GASAG

Die Brie­fe mit den neu­en Abschlä­gen ver­schi­cken die Gas­ver­sor­ger mitt­ler­wei­le. Die gesetz­li­chen Fris­ten für eine Ankün­di­gung hal­te die GASAG ein, sagt Pres­se­spre­che­rin Ursu­la Luch­ner: “Die GASAG infor­miert über die Anpas­sung der Abschlä­ge über ein geson­der­tes Infor­ma­ti­ons­schrei­ben.” Die­ses wer­de ent­we­der zusam­men mit dem Schrei­ben zur Preis­er­hö­hung oder als Ein­zel­post verschickt.

Die Not und die Hilfsversprechen 

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Bio-Bäcke­rei Buc­co in der Rave­n­e­st­ra­ße. Foto: Weddingweiser

Die Inter­es­sen­ver­tre­ter und Ver­bän­de des Bäcker­hand­werks schla­gen seit Wochen Alarm. Ihr Argu­ment: Backen sei ener­gie­in­ten­siv und Ein­spa­run­gen sei­en kaum mög­lich. “Wir for­dern daher ein­dring­lich kon­kre­te Hil­fen der Bun­des­re­gie­rung – ohne ein Ret­tungs­pa­ket für unse­re Betrie­be wird es mit der Gas­um­la­ge ab Herbst nicht gehen”, sagt Dani­el Schnei­der, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Bäckerhandwerks.

Die Lan­des­po­li­tik hat die Warn­ru­fe offen­bar gehört. Bei der 750-Jahr-Fei­er der Ber­li­ner Bäcker-Innung am 14. Sep­tem­ber sag­te Ber­lins Wirt­schafts­se­na­tor Ste­phan Schwarz: „Wir sind bereits im Gespräch mit der Bäcker-Innung Ber­lin, um pas­sen­de Maß­nah­men zu iden­ti­fi­zie­ren.‟ Und die Regie­ren­de Bür­ger­meis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey sag­te bei der Fei­er im Roten Rat­haus: „Mir ist auch wich­tig, Ihnen heu­te zu sagen, dass das Land Ber­lin das Bäcker­hand­werk mit vol­ler Kraft unter­stüt­zen wird.‟ Wie die Hil­fen kon­kret aus­se­hen sol­len, ist noch unklar. So wie die exak­te Preis­ent­wick­lung von Strom und Gas für die bei­den Hand­werks­bä­cker in Wed­ding und Gesundbrunnen.

Auch die Bun­des­po­li­tik will han­deln. Am gest­ri­gen Don­ners­tag, 29. Sep­tem­ber, ver­kün­de­te die Bun­des­re­gie­rung den “Dop­pel-Wumms” und Ener­gie­preis­de­ckel. Ein­zel­hei­ten hier­zu teilt die Regie­rung dem­nächst mit.

Der Ein­zel­han­del im All­ge­mei­nen ist auf­grund der Coro­na­fol­gen bereits unter finan­zi­el­lem Druck. Das Bäcker­hand­werk im Beson­de­ren – das nicht nur vor­ge­fer­tig­te Tief­kühl­back­wa­ren auf­wärmt – ist dar­über hin­aus seit vie­len Jah­ren in Bedräng­nis. Nach Anga­ben des Zen­tral­ver­ban­des des deut­schen Bäcker­hand­werks ist die Zahl der Betrie­be in Deutsch­land von 15.000 Betrie­ben auf 10.000 Betrie­be im Jahr 2021 gesunken.

Hin­weis: Die­ser Arti­kel ent­stand Anfang/Mitte Sep­tem­ber 2022.

Logo Weddinger Allgemeine Zeitung

Der Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag! 

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

2 Comments

  1. Schlan­ge ste­hen kann man bei Han­sis Brot ja jetzt schon, wenn der Laden mor­gens um 9 (!) Uhr auf­macht. Aber das tue ich ja ger­ne, weil das Brot so gut ist. Möch­te gar nicht dar­an den­ken, wie das wäre, wenn Brot wirk­lich Man­gel­wa­re würde.

    • Hal­lo

      tja lie­ber Herr Rolf mög­li­cher­wei­se wer­den sie und alle Ande­ren bald nicht nur für Brot lan­ge anste­hen müs­sen… und ja … sie soll­ten anfan­gen sich mal gedank­lich damit aus ein­an­der zu set­zen wenn Brot oder ande­re Waren Man­gel­wa­re werden
      Aber kei­ne Ban­ge … alles wird gut 🙂 die Ampel kriegt da hin!!

      Fröh­li­chen Feiertag

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