Ach, Reinickendorf!

Reinickendorf! Du fängst an, wo der Wedding aufhört. Und bis zur Berliner Landesgrenze kommst nur du. Auch wenn der 1920 gebildete Bezirk in Wirklichkeit aus vielen früheren Dörfern wie Tegel, Heiligensee, Hermsdorf oder Wittenau besteht. Du heißt als Bezirk so wie das Dorf, das als einziges direkt an die Stadt Berlin grenzte. Später hatten wir Weddinger sogar etwas gemeinsam mit Dir: Wir bildeten den französischen Sektor und standen beide für den eher uninteressanten Teil West-Berlins. Bei uns wohnten eben die Arbeiter (Wedding) und bei Dir die Vorstadtspießer (Reinickendorf).

Das Flop-Café: Kiez trifft syrische Feinkost

Flop Café innen

Es ist gar nicht so leicht, einen gastlichen Ort an der etwas unwirtlichen Otawistraße zu finden. Aber die Zeiten, als die Hälfte der Läden leerstand, dürften inzwischen wohl vorbei sein. Und 2015 hat an Stelle eines Nagelstudios das feine Flop Café eröffnet. Fein – vor allem in Bezug auf den guten Kaffee, den Kuchen und vor allem: die hervorragenden syrischen Spezialitäten.

Die Weddinger Kieze auf einen Blick

Das Erste, was neue Bewohner oder Besucher unseres Stadtteils feststellen werden: Den einen Wedding gibt es gar nicht. Hat man beispielsweise ein Bild von endlosen tristen Mietskasernen vor Augen, von mit Spielcasinos, türkischen Gemüseläden und Wettbüros überbordenden Straßen oder langweiligen Gewerbegebieten mit Döner-Produktionsstätten, so blendet man den größten Teil des Weddings aus. Der ist nämlich grün (Parks!) und blau (Panke! Schiffahrtskanal! Plötzensee!). Außerdem unterscheiden Bürokratie-Fans seit 2001 zwischen den beiden Ortsteilen Wedding (der westliche Teil des ehemaligen Bezirks Wedding) und Gesundbrunnen (rund um den gleichnamigen Bahnhof). Den Unterschied im Lebensgefühl beider Ortsteile hat noch keiner wissenschaftlich erforscht, daher lassen wir das einmal beiseite.

prime time: Wie es wurde, was es ist

Oliver Tautorat hat sich nach einer Vorstellung eigens die Zeit für ein Gespräch mit dem Weddingweiser genommen. Es ist jetzt genau 15 Jahre her, dass das PrimeTime-Theater gestartet ist. Dass es vor allem mit der Theater-Soap „Gutes Wedding Schlechtes Wedding“ (GWSW) so erfolgreich werden würde, konnte keiner ahnen, als maximal 30 Zuschauer in einem Ladenlokal im Soldiner Kiez bei der ersten Folge dabei waren. Auf der Bühne: Constanze Behrends als Ayse und Nicole, Oliver Tautorat als Murat und Mahmud. Die Mitgründerin und langjährige Autorin der Folgen ist inzwischen nicht mehr dabei, und so erinnert sich der heutige Theaterchef Tautorat für uns, wie alles angefangen hat.

KUSH: Brücke zwischen Orient und Afrika

An der oberen Müllerstraße ist außer dem tosenden Verkehrslärm nicht viel los. Wer würde da etwas ganz Besonderes vermuten? Hier hat sich eine Filiale des Kreuzberger sudanesischen Imbisses Basmah angesiedelt. Und wer glaubt, alle im Wedding bekannten Varianten von Falafel, Halloumi & Co. ausprobiert zu haben, sollte sich einmal auf die exotische, sudanesische Spielart dieser Küche einlassen.

Ganz selbstverständlich vegan: veg.room

Smoothie Foto: veg.room

„Wir sind Veganer ohne Kompromisse“, sagt Aga. Mit ihrem Café „geh.veg“ in der Moabiter Birkenstraße beweist die gebürtige Polin, dass man Erfolg hat, wenn man seiner Linie treu bleibt. Doch der Laden in Moabit leidet unter Platzmangel. „Meine große Liebe gehört sowieso dem Wedding, wo ich seit 15 Jahren wohne“, sagt Aga. Sie hat dort auch nach einem leerstehenden Laden für eine Filiale gesucht. Gefunden hat sie ihn in der ehemaligen Schwäbischen Bäckerei in der Triftstr. 37 nahe der Torfstraße. Der in dunklen Tönen gehaltene „veg.room“ soll die Erfolgsgeschichte jetzt auch im Wedding weiterschreiben, wo viele Stammgäste des Moabiter Ladens herkommen.