Auf ein Wort, Herr Politiker

Mit Politikern am runden Tisch. Foto Andrei Schnell.
Mit Poli­ti­kern am run­den Tisch. Foto And­rei Schnell.

Statt vom Podi­um her­ab, spra­chen am 8. Juli Poli­ti­ker am run­den Tisch von Ange­sicht zu Ange­sicht mit inter­es­sier­ten Bür­gern. Mot­to des Abends war “Wir kom­men wäh­len”. Dazu wur­de in der Nach­bar­schafts­E­ta­ge der Fabrik Olso­er Stra­ße die Work­shop-Metho­de World Café getes­tet. 25 Men­schen dis­ku­tier­ten mit. Vie­le der kon­kre­ten For­de­run­gen und Wün­sche lie­gen aller­dings nicht im Ein­fluss­be­reich der Bezirks­po­li­tik. Gekom­men waren aus dem Bezirk Chris­ti­an Hanke (Bezirks­bür­ger­meis­ter – SPD) und Frank Ber­ter­mann (Grü­ne). Außer­dem kamen die Direkt­kan­di­da­ten fürs Abge­ord­ne­ten­haus Mar­kus Kunz (CDU), Chris­ti­an Otto (Lin­ke) und The­re­se Leh­nen (Pira­ten).

Das war eine inter­es­san­te Idee von Demo­kra­tie in der Mit­te, Poli­ti­ker zu einem World Café ein­zu­la­den. Bet­ti­na Pinzl (Demo­kra­tie in der Mit­te) und Ruth Dit­sch­kow­ski (Nach­bar­schafts­E­ta­ge) woll­ten kei­ne übli­che Podi­ums­dis­kus­si­on, bei der die Zuschau­er wie im Kino sich unter­hal­ten oder auf­re­gen las­sen kön­nen. Statt des­sen soll­ten die Bür­ger mit den Bezirks­po­li­ti­kern “auf Augen­hö­he ins Gespräch kom­men”, wie es in der Ein­la­dung zum Dis­kus­sionabend “Wir kom­men wäh­len” hieß. World Café ist eine Metho­de, Work­shops zu struk­tu­rie­ren. Wich­tigs­tes Merk­mal die­ser Metho­de ist, dass in klei­nen Grup­pen ver­schie­de­ne Mei­nun­gen zu Wort kommen.

Ver­schie­den waren die Mei­nun­gen der Bür­ger. Zumin­dest war es ein bun­ter Strauß an The­men, die sie vor­tru­gen. Am Tisch zum The­ma Mie­ten ging es natür­lich um die stei­gen­den Miet­prei­se. Frank Ber­ter­mann (Grü­ne), der im Bezirk dem Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung vor­sitzt, gab zu Beden­ken: “Allein um das Instru­ment Milieu­schutz-Gebiet ein­zu­rich­ten, muss­ten wir vier Jah­re mit dem zustän­di­gen Stadt­rat Cars­ten Spal­lek rin­gen.” Die Kör­per­spra­che der Leu­te am Tisch schien aus­zu­drü­cken, dass sie sich vom “Instru­ment Milieu-Schutz” nicht viel erhoff­ten. Und grund­sätz­lich kann beim The­ma Mie­ten das Land oder der Bund viel mehr Ein­fluss neh­men als der Bezirk.

Frank Bertermann am runden Tisch. Foto Andrei Schnell.
Frank Ber­ter­mann am run­den Tisch. Foto And­rei Schnell.

Auch beim Tisch zum The­ma Armut und Exis­tenz­si­che­rung kamen Fra­gen auf, bei denen der Bezirk nur wenig Ein­fluss hat. Chris­ti­an Hanke (SPD) kam mit den Bür­gern den­noch ins Gespräch, indem er ruhig und zuge­wandt Grün­de für bestimm­te Ent­schei­dun­gen anführ­te. So ent­sprann sich ein Für-und-Wider. Ist es rich­tig, dass Hartz-IV-Emp­fän­ger für Anschaf­fun­gen wie Kühl­schrank und Co eine monat­li­che Abschlags­pau­scha­le erhal­ten oder ist wie frü­her die Bedarfs­prü­fung der rich­ti­ge Weg?

Am Tisch Bil­dung und Fami­lie ging es neben vie­len ande­ren, auch um die Fra­ge, wie bereits im Kin­der­gar­ten ver­schie­de­ne Kul­tu­ren gleich­be­rech­tigt mit­ein­an­der zusam­men sein können.

Am 18. Sep­tem­ber 2016 kön­nen die Ber­li­ner das Abge­ord­ne­ten­haus und gleich­zei­tig im Bezirk die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung wäh­len. Chris­ti­an Hanke kan­di­diert für die SPD und ist Bezirks­bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat. Frank Ber­ter­mann steht auf Platz 6 der Bezirks­lis­te der Grü­nen. Mar­kus Kunz für die CDU, Chris­ti­an Otto für die Lin­ken und The­re­se Leh­nen für die Pira­ten tre­ten im Wahl­kreis 6 Gesund­brun­nen als Direkt­kan­di­da­ten für die Wahl ins Abge­ord­ne­ten­haus an.

Das Pro­jekt Demo­kra­tie in der Mit­te orga­ni­sier­te am Frei­tag, 8. Juli, in der Nach­bar­schafts­E­ta­ge den Dis­kus­si­ons­abend als Teil der Akti­on “Wir kom­men wäh­len” der Lan­des­ar­muts­kon­fe­renz Berlin.

In der Mitte Christian Hanke (SPD) beim Abend: "Wir kommen wählen". Foto Andrei Schnell.
In der Mit­te Chris­ti­an Hanke (SPD) beim Abend: “Wir kom­men wäh­len”. Foto And­rei Schnell.

Wiki­pe­dia erklärt die Work­shop-Metho­de World-Café.

Text und Fotos: And­rei Schnell.

Andrei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.