Wer heute durch die Tür des Pamfilya tritt, betritt nicht nur ein Restaurant, sondern eine Berliner Gastronomielegende. Denn die Geschichte dieses Hauses beginnt nicht mit einem Lokal, sondern mit einer Stimme: laut, markant, geübt darin, Menschen anzusprechen. Fikri Arslan, heute 65 Jahre alt, stand in den 1970er-Jahren als Marktschreier auf Wochenmärkten. Wer ihn damals hörte, erkennt den Ton bis heute wieder – nur dass er inzwischen Gäste begrüßt statt Ware anzupreisen.


Eine Idee, die blieb
1996 eröffnete Arslan in der Luxemburger Straße zunächst einen kleinen Imbiss mit gerade einmal 40 Quadratmetern. Sein Ansatz war damals ungewöhnlich schlicht: das bekannte Dönerprinzip nicht neu erfinden, sondern weiterdenken. Aus der Türkei kannte er den dünnen Dürüm-Fladen, in Berlin dominierte das aufgeschnittene Brot. Die Kombination aus beidem („zerschmelzender Teig, zerschmerzelndes Fleisch“) erschien ihm naheliegend – heute ist der Dürüm Döner kaum mehr aus Berlin wegzudenken.



Der Kreuzberger Arslan, der aus einer der ersten türkischen Gastarbeiterfamilien in Berlin stammt, beschreibt sein Konzept gern mit einfachen Worten: Fleisch, Brot, Geschmack – mehr brauche es nicht. Deshalb steht bis heute ein Gericht auf der Karte, das diese Idee besonders deutlich zeigt: der sogenannte Nomaden-Teller. Das gegrillte Kalbfleisch wird pur serviert, dazu Fladenbrot, Beilagen und Saucen. Wer möchte, kombiniert selbst. Dafür greift man das Fleisch ganz klassisch nur mit einem Fetzen Brot. Die Präsentation wirkt fast minimalistisch, ist aber Ausdruck einer klaren Haltung: Das Produkt soll im Mittelpunkt stehen. Und tatsächlich, das mit einem eigenen Rezept gewürzte Kalbfleisch schmeckt zart und knusprig zugleich.


Vom Schnellimbiss zum großen Gastraum
Drei Jahrzehnte später ist aus dem kleinen Laden ein Restaurant mit rund 280 Quadratmetern und etwa 120 Sitzplätzen geworden. Die offene Grilltheke, an der Gäste ihr Fleisch auswählen können, gehört ebenso dazu wie die langgestreckten Räume mit Backsteinwänden, naturbelassenem Holz und dekorativen Wurzeln, Ästen und Küchengeräten. Der Gastraum wirkt wie eine Mischung aus Werkstatt, Grillstation und stilisierter anatolischer Bauernstube – bewusst fern von standardisierten Dönerketten. Gestaltet hat es der Holzkünstler Cool Design Art.


Das Angebot reicht inzwischen deutlich weiter als klassische Sandwiches: Grillspezialitäten, Pide, Manti sowie mehrmals täglich frisch gekochte Suppen und Eintöpfe gehören selbstverständlich dazu. Gerade traditionelle Suppen, etwa Joghurt-, Linsen- oder Bohnensuppe, werden von vielen Gästen gezielt bestellt – für manche sind Innereien wie Pansen- oder Lammkopfsuppe ein vertrautes Frühstücksgericht, für andere eine gewöhnungsbedürftige kulinarische Entdeckung.


Stammgäste, Empfehlungen und tägliche Präsenz
Ein Großteil der Gäste kommt seit Jahren regelmäßig, viele auf Empfehlung. Diese Kontinuität ist kein Zufall: Arslan steht weiterhin selbst täglich im Restaurant, schmeckt ab, organisiert, spricht mit Gästen und koordiniert rund 20 Mitarbeitende. Qualität beginne für ihn bei den Zutaten, sagt er, deshalb kenne er viele Produzenten persönlich und überprüfe Waren und Zubereitung konsequent selbst.


Dass das Pamfilya längst kein klassischer Imbiss mehr ist, zeigt sich nicht nur an der Größe, sondern auch an der Haltung des Betreibers. „Nur verkaufen, was mir selbst schmeckt“ – dieser Satz begleitet das Restaurant seit seiner Gründung. Gleichzeitig blickt Arslan nach vorn: In den kommenden Jahren sollen stärker vegetarische und vegane Varianten der türkischen Küche ins Angebot aufgenommen werden, ein Feld, für das es in Anatolien traditionell zahlreiche Rezepte gibt.


Ein Ort, der mitgewachsen ist
Der Leopoldplatz mag sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal verändert haben, doch einige Adressen sind geblieben. Das Pamfilya gehört zu jenen Lokalen, die nicht allein wegen ihres Essens bekannt sind, sondern wegen der Menschen dahinter – und wegen der langen Kontinuität, die im schnelllebigen Gastronomiegeschäft selten geworden ist.


So steht Fikri Arslan auch nach 30 Jahren weiterhin täglich hinter dem Tresen, ruft Bestellungen aus, begrüßt Gäste und hält den Laden in Bewegung – fast wie früher auf dem Markt.
Pamilya Restaurant, Luxemburger Str.1, tgl. 8 – 24 Uhr


Ich gehe dort immer wieder gerne essen, meist Pansensuppe. Dazu gibts einen Tee und jede Menge Geschäftigkeit. Dabei verlieren die Mitarbeitenden nie die Ruhe und sind sehr freundlich. Das liegt vielleicht auch daran, dass einige Frauen dem Kellner zuarbeiten. Sie bringen manchmal auch das Essen, putzen die Tische ab und sind ein wenig mütterlich. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass ich da so gerne hingehe.
Hallo an Alle, auch an die, die nicht gegrüßt werden wollen!
Als Kunde seit der ersten Stunde (und ja, ich bin Ü50!),
habe ich Fikri Bey Marketing Ruf aus dem Jahr 1996
noch live in meinem Ohr:
“Endlich, das WAHRE! Döner in Berlin.
Das Ladengeschäft war ein kurzer schmaller Schlauch,
rechts vom jetzigen “Flagship Store”.
Qualität hat immer, wirklich immer, eine Zukunft!
Afiyet Olsun!
Angebote für Allergiker (z.B. glutenfrei) wären noch super, die gibt es in der türkischen Küche in Berlin kaum bis gar nicht. Eindeutig eine Marktlücke. 😉