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Über das Mehrgenerationenhaus im Wedding:
Miteinander bewegt: Jung und Alt

7. Januar 2026

Interview mit M. Sahin, dem Koordinator der Seniorenarbeit im Zukunftshaus Wedding und mit dem Tanzlehrer Stefan Scholz

Das Mehrgenerationenhaus (MGH) ist Teil des Zukunftshaus Wedding (ZHW), das sich auf dem Gelände des Paul-Gerhardt-Stifts (PGS) befindet. Dort gehen täglich viele Menschen ein und aus und nutzen die sozialen Angebote.

Weddingweiser Wie gliedert sich das Zukunftshaus Wedding (ZHW)?
M. Sahin Das Zukunftshaus Wedding mit dem Stadtteilzentrum, der Mobilen Stadtteilarbeit, dem Familienzentrum und eben dem Mehrgenerationenhaus (MGH) ist ein offener Begegnungsort, an dem Menschen verschiedener Altersgruppen zusammenkommen.

Weddingweiser Was ist das Intergenerationelle an den Angeboten des MGH für Seniorinnen und Senioren?

Sie begegnen jüngeren Nachbarinnen, Familien und Ehrenamtlichen in einem natürlichen, ungezwungenen Rahmen.
Im Alltag zeigt sich das Intergenerationelle durch gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Kurse, offenes Frühstück, Digitalpatenschaft oder Sprachcafé. Es gibt aber auch Kurse, die von Ehrenamtlichen unterschiedlichen Alters geleitet werden, und offene Treffpunkte, die bewusst alle Generationen willkommen heißen.
Ältere Menschen erleben dadurch Gemeinschaft, Austausch und das Gefühl, weiterhin aktiv Teil des Kiezes zu sein. Das schafft einen Zusammenhalt innerhalb des Stadtteils.

Gibt es weitere Ideen und Wünsche für Kurse oder Themen? Wie ließe sich das wann umsetzen?

Stark nachgefragt sind selbstverständlich die Bewegungsangebote und niedrigschwellige digitale Bildungsangebote. Die Kürzungen in den sozialen Projekten bilden ein starkes Hindernis für die Arbeit mit Menschen und das macht sich passiv oder aktiv in allen Bereichen stark bemerkbar. Zwar kommen die Menschen auch für eine Entlastung aus dem Alltag, aber bringen dennoch ihre Probleme mit dem Amt, Versicherung, o.ä. mit. Wegen fehlender finanzieller Mittel können wir nicht immer allen helfen.

Wie viel profitieren die Alten?

Seniorinnen und Senioren profitieren auf mehreren Ebenen: Sie knüpfen neue Kontakte und erleben Gemeinschaft statt Einsamkeit. Bewegungsangebote wie „Tanzen im Sitzen“ oder Gymnastik fördern Mobilität, Balance und Kraft. Der Austausch stärkt Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit. Nicht zuletzt erleichtern Digitale Unterstützung, Hilfen im Alltag und niedrigschwellige Beratungsangebote das tägliche Leben.

Viele berichten, dass das MGH für sie ein „zweites Wohnzimmer“ geworden ist – ein Ort, an dem sie gesehen werden und willkommen sind.

Wir sehen ja den gesellschaftlichen Rechtsruck. Hier ist es besonders wichtig, eine offene und verbindende Arbeit im Zukunftshaus zu machen und Menschen zusammenzubringen für den Zusammenhalt in den Nachbarschaften.

Wie viele kommen regelmäßig?
Unser gesamtes Haus hat täglich etwa 100 Besucher*innen, die auf alle Angebote und Bereiche verteilt sind.

Wie viele Mitwirkende haben Sie vor Ort?

Etwa insgesamt 70 Freiwillige sind bei den MGH-Angeboten aktiv. Bei den digitalen Patenschaften, die wir arrangieren, sind es oft von der Natur der Sache her Junge und Alte, die zusammenfinden. Mittlerweile haben wir bereits 6 digitale Patenschaften mit etwa 15 Älteren.

Was bietet sich in der intergenerationellen Tätigkeit noch an?

Wir bieten diese Begegungen für Jung und Alt hier im Haus an, wir möchten jedoch keine Projekte forcieren, in denen verschiedene Altersgruppen nach allen möglichen wünschenswerten Vorstellungen zusammenkommen, weil wir das als nicht unbedingt gelingend ansehen.

Gibt es auch offene Treffs für die Seniorinnen und Senioren?

Ja. Das MGH bietet mehrere offene Formate, die speziell für Ältere geeignet sind – aber bewusst generationenoffen bleiben. So sind umgekehrt auch etliche der Ehrenamtlichen im Sprachcafe auch ältere Unterstützerinnen.

Aus dem Wochenplan (siehe Fotogalerie) geht hervor, wie umfangreich und gut terminiert die Angebote beieinander liegen.

Welche Angebote zur Beweglichkeit und Fitness gibt es im MGH?

Das MGH hat dabei mehrere Angebote zur körperlichen Fitness der Alten wie Stürzen vorbeugen und Fit im Alter mit Frau Oya Ramadan; das sind Gruppentreffen mit Übungen für 60 Minuten.

Bewegungsangebote

Tanz im Sitzen und Tanzen mit Schwung, hält jung sind die wöchentlichen Kurse von Herr Stefan Scholz.

Ich befragte Herr Stefan Scholz, Tanzlehrer, zu seinen Bewegungsangebot im MGH

Gibt es gymnastische Angebote mit Musik?

Seit 10 Jahren gebe ich diesen Kursus. Manche sehr alte Bürgerinnen sind seit 7 Jahren dabei. Wir hatten sogar eine über Hundertjährige in dem Kursus Sitztanz, leider ist sie mittlerweile verstorben.

Wie wird das Tanzen auf dem Stuhl geübt?
„Tanzen im Sitzen“ besteht aus leicht verständlichen Bewegungsfolgen, die Schritt für Schritt aufgebaut werden. Die Teilnehmenden sitzen auf stabilen Stühlen, oder nutzen den Stuhl stehend als Stütze. Das ist den Teilnehmenden selbst überlassen. Jede Übung beginnt mit kleinen Aktivierungen von Armen, Schultern, Beinen und Rumpf. Danach werden rhythmische Bewegungsabläufe eingeübt, die einem klassischen oder modernen Tanz ähneln. Der Fokus liegt darauf, Spaß zu haben, den eigenen Körper zu spüren und Beweglichkeit wiederzuentdecken, ohne ihn zu überlasten.

Welche Art Musik gibt es zur Begleitung?
Die Musik ist bewusst abwechslungsreich gewählt: klassische Tanzmusik, oder internationale Rhythmen. Wichtig ist ein klarer, gut spürbarer Takt, der das Mitmachen erleichtert. Viele Teilnehmende verbinden die Musik mit positiven Erinnerungen an jüngere Jahre, was motivierend wirkt und die Stimmung hebt.

Auch Paartanz?
Nein, das Angebot ist komplett solotänzerisch aufgebaut. Wir tanzen gemeinsam in der Gruppe, aber jede Person für sich – ohne Partnerin oder Partner. Dadurch ist es inklusiv: niemand bleibt „übrig“, Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen können in ihrem eigenen Tempo teilnehmen, und niemand muss körperliche Nähe eingehen, wenn sie nicht gewünscht ist.

Welche Muskeln trainiert man?
Tanzen im Sitzen arbeitet mit dem ganzen Körper. Viele Muskeln werden aktiviert und schließlich sogar die Lachmuskeln. Die Bewegungen sind gelenkschonend und für alle Fitnesslevel geeignet.

Es macht allen Teilnehmenden Spaß und alle gehen glücklich nach Hause.

Bringt der Stuhltanz auch mehr Balance?

Ja, im Stehen und im Sitzen. Viele Übungen stärken gezielt den Rumpf, der entscheidend für Gleichgewicht und Stabilität im Alltag ist. Außerdem verbessert das koordinierte Bewegen von Armen und Beinen die Körperwahrnehmung. Das hilft besonders älteren Menschen, sicherer beim Aufstehen, Gehen und Treppensteigen zu werden.

Wie oft und wie findet der Sitztanz statt?

Es ist völlig unkompliziert. Ich sage es so: Kommt einfach vorbei, dann und wann und bringt 5 € mit oder kommt regelmäßig zu den wöchentlichen Terminen.

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Hinweise und Links

https://www.paulgerhardtstift.de/seniorinnen


·  Der offene Treff:
                Jeden Mittwoch von 12:30 Uhr bis 20 Uhr. Wobei ab 17 Uhr gemeinsam gekocht und gegessen wird. Dieses Angebot ist offen für alle.

·  Das offene Frühstück
 
               Jeden Donnerstag 10:30 Uhr bis 12:30 Uhr. Hier gibt es ein Mitbring-Frühstück. Wir stellen einfache Sachen zur Verfügung und freuen uns darüber, wenn alle etwas Kleines mitbringen können. Falls nicht, ist das auch in Ordnung. Man kann einfach immer vorbeikommen und mitmachen.

Renate Straetling

Renate Straetling

Jg 1955, aufgewachsen in Hessen; ab 1973 Studium an der FU Berlin, Sozialforschung, Projekte und Publikationen.
Selfpublisherin seit 2011 bei epubli.com, u.a. Kinder_SciFi
www.renatestraetling.wordpress.com
Im Wedding seit 2007.
Mein Wedding-Motto:
Unser Wedding: ein großes lebendiges Wimmelbild ernsthafter Menschen!

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