Im Wedding lohnt sich manchmal ein zweiter Blick. An der Ecke Afrikanische Straße / Swakopmunder Straße erinnert, etwas zurückgesetzt, ein schlichter Stein mit einem Portraitrelief an Friedrich Ebert, den ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Der Standort gehört zur denkmalgeschützten Friedrich-Ebert-Siedlung, einem Wohnquartier der späten 1920er und frühen 1930er Jahre.

Einordnung und Hintergrund
Die Siedlung entstand zwischen 1929 und 1931 als moderner kommunaler Wohnungsbau. Kurz darauf wurde am 25. September 1932 ein Gedenkstein für Ebert eingeweiht, geschaffen von Eberhard Encke – mit Portraitrelief und Inschrift, im Beisein seiner Witwe Luise Ebert. Der Stein markierte bewusst den Eingang zur neuen Siedlung, die seinen Namen trug.

Eingriff durch die Nationalsozialisten
Bereits wenige Monate später änderte sich die Situation: Nach der Machtübernahme im Frühjahr 1933 wurden zahlreiche Gedenkorte für demokratische Persönlichkeiten entfernt. Auch der Ebert-Gedenkstein im Wedding verschwand zu dieser Zeit aus dem Straßenbild – wie auch der Rathenaubrunnen von Georg Kolbe im Volkspark Rehberge. Dieser stand nur drei Jahre, bevor die Bronzeskulptur eingeschmolzen wurde. Damit reiht sich der Wedding in viele Beispiele ein, in denen die neue Regierung demokratische Erinnerungskultur zurückdrängte. Außerdem wurde die Friedrich-Ebert-Siedlung in „Eintracht“ umbenannt.
Nachkriegszeit und heutiger Zustand


Nach dem Krieg wurde die Siedlung wieder rückbenannt, doch es sollte noch bis 1970 dauern, bis der Standort wieder einen Gedenkstein mit Inschrift erhielt. Er steht an der gleichen Stelle wie das ursprüngliche Denkmal. Die Nachbildung wurde von Gertrud Bergmann geschaffen. Auch der Rathenaubrunnen kehrte zurück, als Neuguss aus dem Jahr 1987 von Harald Haacke.


Rathenaubrunnen, Foto rechts: Katja Witt
Bedeutung für den Wedding
Der Stein ist eines der eher unscheinbaren, aber geschichtlich wichtigen Zeugnisse im Afrikanischen Viertel. Er zeigt, wie der Wedding bereits in der Weimarer Zeit gesellschaftliche Entwicklungen abbildete und wie das NS-Regime solche Zeichen zu tilgen versuchte.




EBERT WOLLTE EIGENTLICH DIE MONARCHIE
BEHALTEN .
IN SEINEN AUFTRAG WURDEN TAUSENDE ARBEITER ABGESCHLACHTET 1919.
EIN DENKMAL BRAUCHT MAN FÜR IHN NICHT.
FÜR SEINE OPFER SCHON.
Hallo
wat is den dit für’n selsamer Kommentar…
@blog Hallo, ich bin ein blinder Leser von Ihnen und interessiere mich sehr für die Politik und Architektur der Zwischenkriegszeit. Könnten Sie bitte die Zeit finden, Ihren Alt-Text ein wenig zu erweitern, damit die Bilder für mich zugänglich sind? Vielen Dank. #blind #AltText
????? Ein Blinder der den Blog liest und nun auch Bilder anschauen möchte !?!?!?!?
Gruß
Wie schön, dass der Gedenkstein für Friedrich Ebert wieder gepflegt wird.
Ganz viele Jahre war diese Anlage total von Gebüsch überwuchert, dass man nichts mehr davon sah.
So ein bisschen peinlich war Friedrich Ebert vielen Linken in der SPD deshalb, da er gemeinsam mit dem SPD-Wehrminister Gustav Noske den Spartakusaufstand hat blutig niederschlagen lassen.
Ganz rätselhaft finde ich bis heute, dass es in Berlin für den ersten Reichspräsidenten kein Denkmal gibt.
Immerhin diesen Stein im Wedding; halten wir ihn in Ehren!
@blog Hello, I'm a blind reader of yours and very much interested in the politics and architecture of the interbellum. Could you please find the time to expand your alt text a little, so that the images are accessible to me? Thank you. #blind #AltText
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