Drei Gartenanlagen östlich und westlich der Bösebrücke feiern am 8. November eine gemeinsame Mauerfallparty an der Bornholmer Straße.

Gemeinsam mit der Kleingartenanlage *Wiesengrund-Nord* und der Gartensiedlung *Sandkrug* feiert die Kleingartenanlage *Bornholm I* am kommenden Wochenende eine Mauerfallparty. Die drei Anlagen liegen östlich und westlich der Bösebrücke – direkt an der ehemaligen Grenzkontrollstelle an der Bornholmer Straße, wo am 9. November 1989 die Mauer zwischen Ost und West fiel. „Wir freuen uns, mit unseren Nachbaranlagen aus dem Gesundbrunnen ausgiebig zu quatschen und zu feiern“, sagt Robert Ide, ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender der Kleingartenanlage „Bornholm I e.V.“ in Prenzlauer Berg. „Schon seit vielen Jahren gibt es gute Kontakte zwischen den Gartenanlagen dies- und jenseits der früheren Mauer. Diese wollen wir weiter pflegen und noch vertiefen.“

Im Garten- und Vereinslokal „Bornholm’s“ findet am Sonnabend, den 8. November, ab 19 Uhr ein Ost-West-Talk mit Mitgliedern der drei Gartenvereine statt. Danach legt DJane Clärchen – bekannt aus Clärchens Ballhaus und selbst begeisterte Kleingärtnerin – zu einer Ost-West-Disco auf. Ihr persönlicher 60:40-Mix aus Songs des einstmals geteilten Landes sorgt für tanzbare Nostalgie. Der Eintritt ist frei. „Wir freuen uns, dass wir die Menschen unserer Siedlungen mit diesem Fest zu einem Tag der Erinnerung zusammenbringen können“, sagt Kordula Weber, Vorsitzende der Gartensiedlung „Sandkrug von 1925 e.V.“, die seit 100 Jahren im früheren Stadtbezirk Wedding existiert.


Die Menschen in den Gartenanlagen dies- und jenseits der einstigen Grenze erlebten die Grenzöffnung am 9. November 1989 als Erste. „Wir haben den Fall der Mauer als Ost-West-Familie gemeinsam an der Bornholmer Straße gefeiert“, erinnert sich Heidi Steinkraus, Vorsitzende der Kleingartenanlage „Wiesengrund-Nord“. In den Bornholmer Gärten erinnern heute Schautafeln an die Geschichte der Gärten in der Mauer. An der Bornholmer Straße starben mindestens vier Menschen bei Fluchtversuchen von Ost nach West, zugleich gelangten von hier auch spektakuläre Fluchten in den Westen. „Die Stadt Berlin versäumt es leider seit Jahren, den Mauerfall dort zu feiern, wo er tatsächlich geschah“, sagt Robert Ide. „Also machen wir das eben ehrenamtlich – und laden wieder den Kiez und alle Berliner:innen herzlich ein.“
Die Kleingartenanlage *Bornholm I e.V.*, gerade erst von einer Jury des Landesverbands der Gartenfreunde und der Senatsverwaltung für Umwelt zur besten Kleingartenanlage Berlins gekürt, wurde 1896 als Armengartenkolonie gegründet und ist bis heute fester Bestandteil des Prenzlauer Bergs. In den 237 Parzellen gärtnern Menschen aller Generationen und Herkünfte. Der Verein öffnet sich seit Jahren bewusst für die Stadt – mit dem Gemeinschaftsgarten „Schleifengarten“, dem Sozialgarten der *Berliner Starthilfe*, dem Gartenlokal *Bornholm’s* sowie zahlreichen Kulturveranstaltungen und Festen.
Die Kleingartenanlage *Wiesengrund-Nord* mit 92 Parzellen besteht seit 95 Jahren im früheren Bezirk Wedding. Sie betreibt einen Bienengarten und pflegt eine Patenschaft mit der Seniorenresidenz in der Grüntaler Straße.
Die Gartensiedlung „Sandkrug von 1925 e.V.“ feierte in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Der Großteil der 280 Mitglieder wohnt hier ganzjährig; Eigentümer des Geländes ist der Verein selbst. Rund 100 Parzellen werden ausschließlich kleingärtnerisch genutzt, ein Garten ist an eine Kita aus dem Soldiner Kiez verpachtet, die dort mit Kindern naturnah gärtnert.


Gibt`s nicht schon Ost-West-Mauerfall-Garenzwerge? Das wäre doch noch einen Skulpturenwettbewerb wert, oder?