Ein Mann und sein Ost-West-Café

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Update 26.04.2022: GESCHLOSSEN Ich gehe nicht sehr oft ins Ost-West-Café. Aber ich fah­re sehr gern oft dar­an vor­bei. Seit das Café-Restau­rant vor zwei Jah­ren an der Brun­nen­stra­ße, Ecke Ber­nau­er Stra­ße eröff­ne­te, ist der Ein­gangs­be­reich das Brun­nen­vier­tels belebt. Das ist, grob zusam­men­ge­fasst, der Ver­dienst des Ost-West-Cafés. An schö­nen Tagen sit­zen an den Tischen auf dem Geh­weg nun immer Men­schen. Auch Innen ist es meist sehr gut gefüllt und abends knipst der Besit­zer oft die neon­grü­nen Leuch­ten an, damit noch mehr Pas­san­ten das Café bemer­ken. Das ist auch ein Effekt: Die Men­schen auf der ande­ren Sei­te der Brun­nen­stra­ße, in Alt-Mit­te, kön­nen die grel­len Lich­ter sehen und den­ken jetzt viel­leicht sel­te­ner, dass hin­ter der ehe­ma­li­gen Mau­er die Stadt irgend­wie abge­stor­ben oder total gefähr­lich ist. Denn hier ist jetzt ein Café, hier ist Licht, hier ist ganz nor­ma­les Leben, obwohl hier Wed­ding ist.

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Der  Besit­zer: Dr. Suat Özkan las im ver­gan­ge­nen Jahr im Rah­men der Wed­din­ger Lese­wo­che aus sei­nem Buch über Ehrenmord.

Um das Ost-West-Café zu ver­ste­hen, muss man über den Besit­zer reden. Dr. Suat Özkan ist ein in Deutsch­land auf­ge­wach­se­ner Tür­ke, er wohnt im Brun­nen­vier­tel. Er ist ein ehr­gei­zi­ger und vor allem ideen­rei­cher Mensch. Und so ist es kein Wun­der, dass es schwer fällt, ihm des leich­te­ren Ver­ständ­nis­ses wegen ein Eti­kett anzu­schrei­ben. Es wären sehr vie­le Eti­ket­ten nötig, denn Özkan ist Autor, Jurist, Mit­grün­der des Online-Maga­zins kukksi, Quar­tiers­rat, Mit­glied der Bür­ger­platt­form Wed­ding Moa­bit und Held. Ideen gehen ihm nie aus, das merkt jeder, der mit ihm spricht. Eine Idee ist ein Immi­gra­ti­ons­mu­se­um, eine schon etwas kon­kre­ter gewor­de­ne der Ost-West-Back­shop gegen­über sei­nem Café. Dass da nicht ein­fach nur Bröt­chen ver­kauft wer­den, ist irgend­wie klar.

Die Idee beim Ost-West-Café ist es laut Özkan, ein Café-Restau­rant und einen Ort der Begeg­nung zu schaf­fen. Und damit ist es ihm durch­aus ernst. Er lädt ganz ver­schie­de­ne Kul­tu­ren und Reli­gio­nen (per­sön­lich) ein, bei ihm einzukehren.

Böse Zun­gen sagen, der fin­di­ge Unter­neh­mer will nur die Mau­er­ge­denk­stät­ten- und Mau­er­park-Tou­ris­ten in sein Café zie­hen. Für die­se Theo­rie spricht der Tra­bant vor der Tür (bit­te nicht anfas­sen!), die uni­for­mier­ten Alli­ier­ten-Sol­da­ten­pup­pen in den Fens­tern, die Post­kar­ten­stän­der und ein detail­ver­lieb­tes Kon­zept, das das Ost-West-Café selbst in vier (Besatzungs-)Zonen ein­teilt sowie Gerich­te, die mit ihren Namen sagen: Lie­ber Gast, hier war die berühm­te Ber­li­ner Mau­er, Sie essen an einem his­to­ri­schen Ort! Ein His­to­ri­ker hat mir neu­lich mal erklärt, dass es für das, was an die­sem wirk­lich his­to­ri­schen Ort geschieht, einen Begriff gibt. Wil­des Geden­ken. Jeder soll bit­te selbst ent­schei­den, ob das bes­ser ist als gar kein Geden­ken oder nicht. Ich per­sön­lich fin­de den Tra­bant in Ord­nung. Die Sol­den­ten­pup­pen lösen in mir ein sehr ungu­tes Gefühl aus.

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Das Ost-West-Café in der Brun­nen­sta­ße 53.

Freun­de des Ost-West-Cafés sagen mir, dass die Ecke belebt wur­de, dass es eine Ein­kehr­mög­lich­keit mehr im Brun­nen­vier­tel gibt, die viel­leicht auch ein Tür­öff­ner für das von Mit­te, Pan­kow und auch vom Wed­ding irgend­wie abge­schnit­te­ne Vier­tel ist. Und hier tref­fen sich Men­schen. Tou­ris­ten und tür­ki­sche Groß­fa­mi­li­en essen Tisch an Tisch. Men­schen aus dem Kiez kom­men Kaf­fee­trin­ken, Men­schen von Irgend­wo­her essen Kuchen oder Bur­ger und kau­fen Post­kar­ten. Es gibt Aus­stel­lun­gen zu his­to­ri­schen The­men, flie­gen­den Tee und manch­mal Face­book-Postings zu aktu­el­len und his­to­ri­schen Ereignissen.

Wenn ich es auf einen Satz brin­gen soll, sage ich: Das Ost-West-Café ist wie die Mischung aus Check­point Char­lie und Familienzentrum.

Ost-West-Café, Brun­nen­stra­ße 53, www.ost-west-cafe.de

Text und Fotos: Domi­ni­que Hensel

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Jeden zweiten Sonntag gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil. Die gelernte Journalistin schreibt für den Blog gern aktuelle Texte - am liebsten zu den Themen Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat Dominique es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

2 Comments

  1. .…und ver­schan­delt mit sei­nem Palet­ten­holz zuneh­mend die Kreu­zung. Auch die Prei­se sind gesal­zen und der Ser­vice meis­tens schlecht, da hier alles nur unge­lern­te Aus­hilfs­kräf­te zu lau­fen scheint. Stän­dig wech­selt das unge­lern­te Per­so­nal und stän­dig sucht das O/W Cafè. Das grü­ne Licht ist so grell, das ich da abends nicht gemüt­lich sit­zen wür­de. Und auch in dem Back­shop ent­steht der Ein­druck, das es hier nur dar­um geht den Kun­den das Geld aus der Tasche zu zie­hen. Wo gibt es denn noch “Ost­bröt­chen” über 25 Jah­re nach dem Mau­er­fall? und war­um kos­ten die so viel? Eigent­lich ist das nur ein Ort wo Tou­ris ihr Geld las­sen sol­len. Wenn der Chef sich end­lich mal gestan­de­ne Gas­tro­no­men holt um küchen­mä­ßig das O/W Cafè nach oben zu brin­gen und sein Per­so­nal anzu­lei­ten könn­te es noch was wer­den. Wie ist denn zu erklä­ren, das der Gast­raum mit chlor­hal­ti­gem Was­ser gewischt wird, wäh­rend noch Gäs­te essen? Der Kiez war­tet ab. Vie­le Besu­cher sind ent­täuscht. Wann wird das Cafè eine Berei­che­rung wer­den… nicht nur für Touris?

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