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Weddinger Brauerei feiert Jubiläum:
25 Jahre Eschenbräu: Bier von A-Z

Freude am ganzen Prozess des Bierbrauens - im Sinne der Vielfalt des Genussmittels

Wer mit Martin Eschenbrenner spricht, merkt schnell: Eschenbräu ist kein Konzept aus irgendeinem Businessplan, sondern eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie Bier sein sollte – und wie man diese Idee in die Tat umsetzt. Und das seit einem Vierteljahrhundert!

„Ich wollte von A bis Z alles selbst machen“, sagt er rückblickend. Brauen, verkaufen, mit den Leuten sprechen. Keine anonyme Produktion, kein Durchreichen in der Kette. Im Jahr 2001, direkt nach dem Studium des Brauwesens, macht er sich selbständig. Jobs in der klassischen Brauwirtschaft? „Die haben mich nicht interessiert.“ Stattdessen die Idee einer Hausbrauerei, wie er sie aus seiner Heimatstadt Karlsruhe kannte: klein, überschaubar, direkt am Ort des Trinkens. „Sehr transparent soll das sein, im Grunde wie eine offene Küche im Restaurant“, sagt der Badener.

Im Keller in einem Gebäude zwischen der Triftstraße und dem Sparrplatz wird diese Idee bis heute eingelöst. Wer die Treppe hinabsteigt, landet nicht nur in einer Kneipe, sondern mitten im Prozess. Tanks, Leitungen, Zapfhähne – und ein Betreiber, der sich nie ganz hinter die Kulissen zurückzieht. Gespräche gehören hier zum Betrieb. Und im Sommer ist der schattige Hof zwischen den Neubauten der perfekte Ort für das Biergarten-Gefühl.

Früh war da auch Eschenbrenners Neugier auf neue Geschmäcker. Ein amerikanischer Braustudent an der TU brachte ihn Anfang der 2010er-Jahre auf Ideen, die in Deutschland damals kaum jemand verfolgte. „Da haben wir zum ersten Mal kalt gehopfte Biere angeboten.“ Improvisiert wurde mit Kissen als Hopfenbeutel, ausprobiert, nachjustiert. „Teilweise haben wir es übertrieben“, sagt Eschenbrenner rückblickend. Während anderswo Craft Beer-Experimente immer weiter getrieben wurden, stellt er fest: „Unser Maß haben wir dann gefunden.“

Aus diesen Experimenten entsteht später das „Pankegold“, heute so etwas wie das Rückgrat der Brauerei. „Es ist das Wesen dieses Bieres, dass es viel Aromahopfen hat.“ Die Technik dahinter erklärt er fast nebenbei: Im kalten Bereich bleiben mehr der flüchtigen Hopfenöle erhalten, beim Kochen geht mehr verloren. Klingt kompliziert, aber beim Probieren schmeckt man, was er meint.

Dass die große Craft-Beer-Welle irgendwann über Deutschland hinwegrollte, hat Eschenbräu eher auf seinem klaren Kurs bestätigt. „Der Trend hat uns Aufmerksamkeit gebracht“, sagt er, „aber die deutsche Bier-Landschaft war schon immer vielfältig.“ Sorten wie Märzen, Bock, Alt, Dunkel – all das sei nie verschwunden, nur oft übersehen worden. Dass Pils so dominant wurde, sieht er pragmatisch: „Es gehört dazu, man muss es einfach auch im Angebot haben.“

Im Hof neben dem Keller sitzt man unter Bäumen, trinkt genau diese Biere und merkt schnell, wie bodenständig das Ganze geblieben ist. „Wir sind sehr lokal“, sagt Eschenbrenner. Namen wie „Roter Wedding“ oder „Weddinator“ sind keine Marketingidee, sondern fast schon eine Beschreibung des Selbstverständnisses, die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Viel hat sich in 25 Jahren verändert: weniger Bierkonsum, geringere Produktionsmengen, heute rund 20.000 Liter im Jahr. Aber das Grundprinzip ist gleich geblieben. Kein alkoholfreies Eigenbier („Das könnten wir bei unseren Mengen leider nur bei einer Sorte machen“), keine Expansion um jeden Preis. Lieber klein bleiben und nah dran. Dafür ist dann eine Obst- und Whiskybrennerei dazugekommen – für Eschenbrenner nicht nur wegen des eigenen Namens eine gute Ergänzung.

Oder, wie er es selbst zusammenfasst: Es geht nicht darum, möglichst viel Bier zu machen – sondern das richtige. Und das am besten im Wedding, wo man den Leuten dabei in die Augen schauen kann.

Eschenbräu, Triftstr. 67, täglich ab 16 Uhr

Am 25. September wird das Jubiläum mit einem eigenen Saisonbier, dem Festbier, gefeiert!

Fotos: Katharina Neubert

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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