Zusammen gegen die „großen Drei“

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Es ist Samstagnachmittag, das Wetter ist nasskalt. In einer Weddinger Seitenstraße stehen die Mieterinnen einer Weddinger Wohnung vor dem Haus mit einer mobilen Kochplatte und trinken Glühwein, essen Spekulatius und hören Weihnachtsmusik. Parallel dazu warten sie auf vorbeikommende Mieter, die genau wie sie und wir wissen: Es sind mittlerweile viele, die von ihren Vermietern über den Tisch gezogen werden. Sei es durch zu hohe Nebenkosten, durch Nichtreagieren auf Schadensmeldungen, oder die vielleicht gerade von einer der „großen Drei“ Akelius, Deutsche Wohnen oder Vonovia aufgekauft wurden.

Das Motto:  *****schön trinken.
Das Ziel: sich austauschen, sich vernetzen.

Warum ich den richtigen Namen nicht schreibe?
Weil das Misstrauen und die Angst, sich den Zorn seiner Vermieter auf sich zu ziehen, anscheinend groß ist und Sternchen in diesem Beitrag ebenso für alle diese Vermieter benutzt werden kann und für viele andere. Angekündigt war die Aktion im Netz und per Flyer im Haus und natürlich ohne diese ominösen Sternchen. Die Entscheidung habe ich jetzt für mich getroffen.

Zusammenhalt ist das beste Rezept

Da steht man nun, kennt das Problem der einen, hat von den Problemen der anderen gehört. Nebenkosten zu hoch, urplötzlich. Reaktion auf Nachfragen beim Vermieter: Meist erst nach langer Zeit. Was ist, wenn man nicht zahlt, weil man genau weiß, dass es nicht korrekt sein kann, aber man immer noch keine Einsicht bekommen hat in die Unterlagen, etc.
Die Probleme sind meist ähnlich, besonders bei den großen Drei.
Dass das kein reines Wedding-Problem ist, braucht hier nicht extra erörtert zu werden. Dennoch ist es erstaunlich, dass sich aus dem Haus nur eine Person dazugesellt. Dafür drei andere Mieter aus den Nebenstraßen, eine Frau aus Moabit und ein Mieter aus Schöneberg. Vielleicht lag es auch am Wetter oder am Tag, aber das sei hier erst mal zweitrangig.

Aber was kann man mitnehmen, außer einem angetütelten Kopf nach 4 Stunden Glühwein? Gefühlt ist die Vernetzung zwischen den Mieterinitiativen groß, aber die Mieter, die noch nicht dabei sind, lassen auf sich warten.

Warum aber sollten sie? Nun ja, zum einen kann man sagen: Die Mieten sind bezahlbar, denn ich kann sie ja zahlen. Halt, Stopp. Das stimmt bis zum nächsten Verkauf, das stimmt genauso lange, bis zur nächsten fehlerhaften Abrechnung, gegen die man sich vielleicht dann nicht korrekt juristisch wehrt und rausfliegt. Oder bis zum nächsten xyz-Grund.

Und folglich kann es jeden treffen. Nun wird ein Prozentteil der Leser sagen: Die Vermieter müssen ja auch Gewinne machen, niemand hat das Recht, in der City zu wohnen. Das sind großartige Argumente. Aber niemand hat das Recht, mit Betrug reich zu werden, nicht mit Wucher und auch nicht mit Abzocke; es gilt immer noch der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“. Auch von Gewinnmaximierung steht nichts im Grundgesetz. Die Genossenschaften schaffen es ja auch, Gewinne und moderate Mieten zu vereinen. Und so ist es nur ratsam für jeden, wenn das Haus verkauft wurde, wenn die Nebenkosten plötzlich völlig verrückt spielen oder andere Dinge passieren: Mieterschutzbund, Anwalt aufsuchen, Mietinitiativen besuchen.

Im Fall der Weddinger Seitenstraße geht es um eine Wohnung, die jedes Jahr 300 € Nebenkosten zurückbekam. Nun sollen sie knapp 500 € nachzahlen. Eine Veränderung von sage und schreibe 800 €. Seitdem die neuen Vermieter… ach egal, wer es ist.

Das erinnert stark an diesen Weddinger Fall: https://weddingweiser.de/2018/10/27/mieter-bei-vonovia-im-wedding-verbuenden-sich/

Und dazu ergänzend: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-wedding-vonovia-mieter-wehren-sich-gegen-fehler-bei-nebenkostenabrechnung/23659926.html

Das Muster ist gleich und es wiederholt sich tausendfach in dieser Stadt.

Misstrauen ist groß

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Als ich gehe, sagt man mir noch, es wurde am Anfang gefragt, wer dieser Typ da in der blauen Jacke ist, der gerade ein Foto macht. Vielleicht gehöre ich ja zum Vermieter. Das Misstrauen und die Angst ist also wirklich da.

Aber trotz allem, der Zusammenhalt wird stärker in dieser Stadt. Und auch die Mieter der Weddinger Seitenstraße werden ihr „vor dem Haus Glühwein“ wiederholen. Zwar erst 2019, dann vielleicht mit Wein und Eiswürfeln, aber das Thema wird auch dann Bestand haben. Und aus den großen Drei wurden vielleicht leider schon vier, aber auch die Mieter werden mehr. Fortsetzung folgt.

Andaras Hahn ist seit 2010 Weddinger. Er kommt eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern. Schreibt assoziativ, weiß aber nicht, was das heißt und ob das gut ist. Macht manchmal Fotos: @siehs_mal


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