Inventar des Wedding: Das Antiquariat Mackensen & Niemann

Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun
Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun

Das Antiquariat Mackensen & Niemann ist im Malplaquetkiez eine Institution. Schon seit dem Herbst 1981 können dort,  zuerst in der Utrechter Straße und nun in der Malplaquetstraße 13 – 13a, antiquarische Bücher erstanden werden.

Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun

Das Antiquariat wird heute von Tom Niemann und Nicole Rittstieg geführt. Der zweite Namensgeber, Joachim Mackensen, stieg vor mehr als 15 Jahren aus dem Geschäft aus und eröffnete in Schöneberg einen Buchladen. Weil das Antiquariat schon bekannt war, blieb der Name aufgrund des Wiedererkennungswerts erhalten.

Umzug in die Malplaquetstraße vor 15 Jahren
Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun
Foto von Susanne Haun

Der Umzug von der Utrechter in die Malplaquetstraße war für Tom und Nicole ein Glücksfall. Die Vermieter des Ladens gaben sich sehr große Mühe, den Verkaufsbereich so zu renovieren, dass er auf die Bedürfnisse eines Buchladens zugeschnitten ist. Das große Schaufenster wurde neben einem Durchbruch in den dahinterliegenden Bereich geschaffen, um mehr Platz für die antiquarischen Kostbarkeiten zu erhalten. Platz war auch der Grund für den Umzug, Toms Leidenschaft für Bücher ließ das Angebot immer größer werden und es mussten mehr Regale her, um alles unterzubekommen. Noch heute fällt es Tom schwer, Angebote von gut erhaltenen Büchern der verschiedensten Kategorien abzulehnen. Er kann keinem Anruf bei Sammlungsaufgaben widerstehen. Er freut sich immer wieder, abseitige und rare Buchexemplare zu entdecken. Einzig Lexika-Werke nimmt er nicht mehr an. Durch Google sind starre Nachschlagewerke nicht mehr gefragt.

Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun
Tom Niemann, Foto von Susanne Haun

Das Antiquariat strahlt Ruhe und Gemütlichkeit aus. Auch wenn schon mal die eine oder andere Bücherkiste am Rand steht, so sind doch die Bücher gut sortiert. Links die Philosophie, rechts die Kunst, durch den Gang die Belletristik und dazwischen die anderen Kategorien. Als Anekdote erzählt Tom von den beiden jungen Frauen, die nach einem zweistündigen Besuch fragten, wie die Bücher denn sortiert wären und erstaunt zur Kenntnis nahmen, dass alles alphabetisch geordnet ist. Heute, wo für Suchergebnisse nur noch das passende Schlagwort im Computer eingegeben werden muss, erscheint es wie eine neumodische Erfindung, etwas alphabetisch zu sortieren.

Für jeden ist etwas dabei

Es gibt Bücher in allen Preisklassen, vom Dreigroschenroman, der gerade die Bestsellerlisten erobert, bis zum antiken Folianten. Vor dem Laden befinden sich preiswertere Bücher, dort ist schon einmal ein kleiner Schatz versteckt. Auch im Laden ist Lesestoff für den schmalen Geldbeutel erhältlich. Ungefähr 20.000 Bücher finden sich in den Regalen des Antiquariats, darunter Taschen- wie gebundene Bücher. Die gemütlichen Sessel laden zum Hinsetzen und Blättern ein. So können sich die Lesehungrigen bei der Auswahl Zeit lassen, und überlegen, welches Buch ins heimische Regal wandern soll. Trauer empfindet Tom nicht, wenn er seine Schätze verkauft. Er berichtet, dass es in seiner Wohnung aussieht wie im Laden und nur die Bücher, von denen er sich auch trennen kann oder die er doppelt hat, wandern in den Verkauf.

 

 

Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun
Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun

Das Schmuckstück der Ladeneinrichtung ist ein alter sehr großer Bücherschrank mit eigens vom vorigen Besitzer entworfenen Intarsien und elfenbeinverzierten Schlössern. Tom und Nicole haben den Schrank von einem Kunstlehrer-Ehepaar geschenkt bekommen. Als der Mann verstarb, verkaufte seine Witwe die Bücher, verschenkte ihren restlichen Besitz und ging ins Kloster. Neben dem Schrank gibt es viele andere Dinge zu entdecken, so auch eine Dante-Büste, die den Philosophiebereich bereichert.

Auch online präsent
Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun
Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun

Wer Lust hat, kann auch online im Katalog des Antiquariats stöbern. Sowohl beim Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher, kurz zvab.com , als auch bei booklooker werden über 8.000 gebundene Bücher des Antiquariats angeboten. Im heutigen Computerzeitalter gibt es immer weniger Läden dieser Art. Tom berichtet, dass vor allem die unmittelbare Nachbarschaft bei ihm Bücher kaufe, Studenten, Schüler, geflüchtete Familien, Vater, Mutter, Kind und Rentner, einfach du und ich. Die Frage, ob Bücher aus der Mode kommen, wird von Tom verneint. Lesen im Bett bleibe aktuell und es gibt immer noch viele Menschen, die ihre Bücherregale liebevoll befüllen.

Antiquariat Mackensen u. Niemann, Foto von Susanne Haun
Foto von Susanne Haun

 

Antiquariat Mackensen & Niemann
An- und Verkauf von Büchern fast aller Gebiete
Malplaquetstr. 13 – 13a
13347 Berlin
Garantierte Öffnungszeiten:
Mo-Fr 13 – 18 Uhr, Sa 12 – 16 Uhr
Hausbesuche nach Vereinbarung

Autorenfoto Susanne Haun

 

Susanne Haun kennt das Antiquariat noch von der Utrechter Straße und hat viele kunsthistorische Fachbücher für ihre Masterarbeit bei Tom und Nicole erstanden.

Susanne Haun studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Seit 2002 ist sie als Bildende Künstlerin und Autorin in Berlin aktiv. Von 1993-2005 arbeitete sie als Systemanalytikerin und Entwicklerin für verschiedene ARD Sendeanstalten. Als Autorin veröffentlicht sie seit März 2009 täglich Beiträge zur eigenen Kunst und Kunstgeschichte in ihrem Blog www.susannehaun.com und interagiert dort sowie auf weiteren Social Media Plattformen mit über 12.000 Follower. Zudem unterhält Susanne Haun einen Kunstsalon in ihrem Atelier. Hier werden regelmäßig aktuelle Themen zur Kunst von geladenen Gästen referiert und diskutiert.

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