Unverblümt-Kulturexpedition im Mai

Das Plakat zur unverblümt-Kulturexpedition im Mai. Grafik: georg+georg
Das Plakat zur unverblümt-Kulturexpedition im Mai. Grafik: georg+georg

Alles neu macht der Mai – und so steht auch am 19. des Wonnemonats schon die nächste niegelnagelneue unverblümte Kulturexpedition ins Haus.

Singer Songwriter Mellie Meteors auf der Panke-Terrasse

Mellie Meteors: © Mellie Meteors
Mellie Meteors. © Mellie Meteors

Los geht es diesmal mit Mellie Meteors. Der niederländische Singer Songwriter, der klingt wie „Jeff Buckley trifft Jens Lekman an einer Bar in einem 50er-Jahre-Film“, tritt gegenüber der Wiesenburg auf, umgeben von idyllischer Flusslandschaft und graffitibesprühtem Fabrikcharme. Eigentlich wohnt er in Amsterdam, sieht sich aber selbst in der Tradition eines „Wandering Musician“. Nachdem er mehr als drei Jahre mit seiner Elektro-Rock-Band „Mannen Met Snorren“ niederländische Clubs und Festivals spielte, verabschiedete er sich 2015 von Schnurrbart, anrüchigen Songtexten und seiner (nicht mehr ganz so) weißen Lederjacke. Er trampte nach Kopenhagen und Malmö mit seiner Gitarre im Gepäck und trat mit neuen, sehr persönlichen Songs vor einem kleinen Publikum auf. Seit dieser Zeit wandelt er nun durch Nordeuropa und spielt und schreibt auf den Straßen und Clubs von Paris, London und natürlich auch Berlin – alleine oder zusammen mit anderen Musikern, „making friends and seranading life“.

Zu einem Mann mit Gitarre gehört zwangsläufig was? Richtig – ein Grill! Leckere vegetarische und  fleischliche Snacks sowie köstliche Drinks erwarten die Zuhörer am Fuße der Panke-Terrasse. Die Ausrede: “Sorry, ich habs nicht früher geschafft, weil ich noch essen musste!”, zählt also diesmal nicht.

Bewegung auf dem Trimm-Dich-Pfad

Auf dem Weg zur nächsten Station der Kulturexpedition werden die Baufachfrauen den mit Grillgut gefüllten Körper der Besucher auf dem „Panke Parcours“ etwas Bewegung verschaffen. Ganz im Sinne der Trimm-Dich-Bewegung der 1970er Jahre, die seit einiger Zeit mit alten und neuen Trimm-Dich-Pfaden ein Comeback feiert, wurden im letzten Jahr entlang der Panke Tafeln errichtet, die dazu einladen, sich sportlich zu betätigen. Und zwar so, dass wirklich alle daran teilnehmen können – vom Kleinkind bis zur Greisin. Es sind einfache Bewegungs- und Dehnübungen, die das Gefühl für den eigenen Körper steigern und die Freude an Bewegung wecken sollen.

Lesung über der Panke

Die binooki-Verlagsgründerinnen Inci Bürhaniye (links) und Selma Wels. © Stephan Pramme
Die binooki-Verlagsgründerinnen Inci Bürhaniye (links) und Selma Wels. © Stephan Pramme

Belohnt wird die Anstrengung anschließend mit einer Lesung auf der kleinen Brücke über der Panke. 2011 gründeten die beiden Schwestern Selma Wels und Inci Bürhaniye aus Liebe zur türkischen Literatur den unabhängigen Verlag „binooki“. Er widmet sich ausdrücklich der Übersetzung türkischer Literatur ins Deutsche. Einer der ersten Autoren im Verlagsprogramm der beiden Schwestern war Emrah Serbes. Er ist nicht nur einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Türkei, sondern gilt seit den Gezi-Protesten im Sommer 2013 durch seine aktive Teilnahme am Widerstand und seine öffentliche freie Meinungsäußerung gegen den Premierminister auch als „Schriftsteller und Stimme des Volkes“. Elisabeth vom binooki-Verlag wird aus seinem Erzählband „junge verlierer“ zwei Geschichten vorlesen. Es geht um Jungs, die alle irgendwie die gleichen Sehnsüchte in sich tragen: endlich erwachsen zu werden, Respekt zu bekommen, cool zu sein und sich zu verlieben. Sie sind gleichzeitig männlich, stolz, kindlich und sensibel.

Besuch im Baumhaus in der Gerichtstraße

Das Baumhaus in der Gerichtstraße. Foto: Hensel
Das Baumhaus in der Gerichtstraße. Foto: Hensel

So richtig erwachsen ist man aber eigentlich nie und deshalb ist der nächste Ort auf der unverblümt-Tour das Baumhaus in der Gerichtstraße. Baumhaus? Ja, Baumhaus! Das Baumhaus ist ein offenes soziokulturelles Projekt im Wedding, eine selbstorganisierte Graswurzelinitiative, die aus der Nachbarschaft heraus gewachsen ist. Seit 2012 haben, zusammen mit den beiden Baumhaus-Gründern Karen und Scott, über 300 Leute das Projekt mitentwickelt, Veranstaltungen und Treffen organisiert, neue Gruppen initiiert, ein Ladenlokal renoviert und zu einem einzigartigen Projektraum ausgebaut. Aber was hat das alles mit einem Baumhaus zu tun? Vorbeikommen und es heraus finden!

Crashkurs im Beatboxing

Moritz Eickworth: © Riders Connection
Moritz Eickworth. © Riders Connection

Neben einer kurzen Führung durch das Baumhaus kan man auch an einem Crashkurs im Beatboxen teilnehmen. Beatboxing ist die Kunst, allein mit Mund und Stimme Drumcomputerbeats, Scratches oder Schlagzeug- und andere Perkussionsrhythmen zu imitieren und dabei außer einem Mikrofon keine weiteren Hilfsmittel zu verwenden. Der Fokus liegt hierbei auf den verschiedenen Klangmöglichkeiten der Konsonanten, im Gegensatz zu anderen Gesangskünsten, die sich vor allem mit Vokalen befassen. Human Beatboxing wird auch als die „fünfte Säule“ oder das „fünfte Element“ der HipHop-Kultur bezeichnet und ist damit eines ihrer Wesensmerkmale. Das gesamte Spektrum der Mundmusik reicht heute von HipHop über Club, Latin, Drum’n’ Bass bis hin zu Jazz oder Weltmusik. Die Künstler ersetzen in Bands den Drummer oder Bassisten oder erzählen teilweise Geschichten mit Geräuschuntermalung. Mit etwas Geduld, Zeit und Kreativität kann jeder zur Beatbox werden. Wie das geht, zeigt Moritz Eickworth, Human Beatbox der Berliner Band Riders Connection.

Stippvisite mit Klaviermusik im neuen französischen Bistro

Weiter geht es zum Nettelbeckplatz. Dort wird Mitte Mai in einem ehemaligen Friseursalon das französische Bistro Mirage eröffnen (der Weddingweiser berichtet in Kürze!). Neben einer Frühstücks- und Mittagskarte mit landestypischen Produkten, gibt es eine große Auswahl an Weinen und Cocktails. Ähnlich wie unverblümt haben es sich die Macher zum Ziel gesetzt, Leute aus der Anonymität der Großstadt herauszuholen und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl zu fördern. Hinter dem Projekt stehen Jochen Küpper (ehemaliger Initiator und Betreiber des Stattbades), Damien Kamil Sahri und Stepan Kusmitschow. Sie alle kommen aus unterschiedlichen Teilen der Welt, aber haben eine Sache gemeinsam – sie leben und lieben den Wedding!

Mischa Blanos. © Mischa Blanos
Mischa Blanos. © Mischa Blanos

Auch kulturelle Aktivitäten wie zum Beispiel französische Filmabende, Lesungen, Vinyl-Flohmarkt und Live-Konzerte sind geplant. Anlässlich der unverblümt Kulturexpedition spielt im Mirage der in Berlin lebende rumänische Pianist Mischa Blanos. Er studierte Musik und darstellende Kunst an der Universitatea Naţională de Muzică Bucureşti und der University of Kent und komponiert, performt und transformiert Klavierklänge in neue Klangerlebnisse durch die Beigabe elektronischer Elemente. Seine Musik öffnet einen neuen Zugang zur aktuellen neoklassischen Bewegung, der zum Beispiel auch Nils Frahm angehört. Es geht um eine Feier des Innigen, des Wahren, des Sublimen.

Zeitplan
18.45 Uhr Mellie Meteors, Panke-Terrasse (zwischen artloft und Wiesenburg)
19.50 Uhr Lesung binooki-Verlag (Emrah Serbes), Brücke über der Panke (Zugang auch über Gerichtstraße)
20.30 Uhr Beatbox-Workshop und Baumhaus-Führung, Das Baumhaus (Gerichtstraße 23, Vorderhaus Erdgeschoss)
21.15 Uhr Mischa Blanos, Mirage (Reinickendorfer Straße 110/Nettelbeckplatz)

Weitere Infos gibt es auf der unverblümt-Facebookseite: https://www.facebook.com/unverbluemt.kulturexpeditionen

Weitere unverblümt-Termine 2017: 30. Juni, 25. August, 20. Oktober

Text: georg+georg, Fotos: Promo, georg+georg (Credits direkt bei den Fotos)

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