Die Weddinger Spuren des Architekten Jean Krämer

"Jean Krämer - Architekt. Und das Atelier von Peter Behrens." - Grafik: Verlagshaus Römerweg.
„Jean Krämer – Architekt. Und das Atelier von Peter Behrens.“ – Grafik: Verlagshaus Römerweg.

Das Cover zeigt die Uferhallen. Jean Krämer hat sie von 1926 bis 1931 als Straßenbahnbetriebshof entworfen und gebaut. Krämer (1886 – 1943) war ein Architekt, der heute fast vergessen ist. Das Buch“Jean Krämer – Architekt. Und das Atelier von Peter Behrens“ dokumentiert nun das Werkt des Baumeister, der viele Spuren in Berlin hinterlassen hat – wichtige davon im Wedding. Der Band ist aber noch mehr als ein vollständiges Werksverzeichnis. Den Autoren ist es gelungen, dass Inge Fernando, die Tochter Krämers, ihre Erinnerungen an ihren Vater aufschreibt. Am Rande weist das Buch darauf hin, dass es Krämer war, der die erste Berliner Ampel – am Potsdamer Platz – entworfen hat (heute steht dort eine Nachbildung der historischen Ampel).

Jean Krämer als Architekt im Wedding

Zwei gr0ße Gebäude-Komplexe von Jean Krämer liegen im Wedding. Zum einen das Straßenbahndepot in der Müllerstraße und und zum anderen der Straßenbahnbetriebshof in der Badstraße (heute Uferhallen). „Vor allem aber Krämer der Architekt der Berliner Straßenbahn-Betriebsgesellschaft, er prägte jenes Unternehmen mit seiner Architektur so wie Richard Brademanns Entwürfe die S-Bahn oder Alfred Grenander die Berliner Untergrundbahn“, schreibt deshalb Karen Grunow in ihrem Aufsatz im Buch.

Beide Gebäude fallen noch heute im Straßenbild auf. Die BVG nutzt in der Müllerstraße Teile der Anlage als Betriebshof für Busse. Wer ist heute Eigentümer der angrenzenden Wohnungen? Jean Krämer hat das Depot und die Wohnhäuser als Einheit geplant. Markant ist sie durch den Bau mit Backsteinen und den klaren Linien – auf Jugendstil-Ornamentik wurde bewusst verzichtet.

Heute die Uferhallen. Früher Straßenbahnbetriebshof. Foto Joachim Faust.
Heute die Uferhallen. Früher Straßenbahnbetriebshof. Foto Joachim Faust.

In der Badstraße liegen heute die Uferhallen. Dieser ebenfalls markante Bau wurde ebenfalls im Backstein-Bauweise errichtet und diente als Straßenbahn-Betriebshof.

Über den Architekten

Der Architekt war zunächst Atelierleiter für den berühmten Peter Behrens. In den 1920er Jahre machte er sich mit einem eigenen Büro selbsständig. Während andere Namen von Architekten des Büro Behrens wie Walter Gropius, Mies van der Rohe oder Le Corbusier bis heute klangvoll sind, ist Jean Krämer heute nur noch Experten bekannt. Vielleicht weil er zu früh starb? Moderne Bauten wie die anderen Behrensschüler konnte der 1943 verstorbene Architekt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht erschaffen.

Die Tochter Inge Fernando beschreibt die behütete Kindheit in Berlin, die der wohlhabende Krämer der Familie ermöglichte. Und sie beschreibt, wie sie ihren Vater durch die Dokumente und die Forschung erneut kennenlernte. Stolz beschreibt sie, warum nur sie auf die Annonce in der Zeitung stieß, dass die Deutsche Botschaft in St. Petersburg ein Bau von Krämer war.

Über das Buch „Jean Krämer. Architekt. Und das Atelier von Peter Behrens“

Das Buch versteht sich als „erste historische Untersuchung zum CEuvre“, das sein „gesamtes gebautes Werk dokumentiert“. Neben den oben bereits erwähnten Erinnerungen der Tochter enthält das Buch einen Text von Stanford Anderson über das Atelier Peter Behrens, Karen Grunow schreibt über den Architekten Jean Krämer und Carsten Krohn verfasst „Die Stadt in der Stadt – Jean Krämers Städtebau“.

BVG Busbetriebshof. Entworfen von Jean Krämer. Foto Joachim Faust.
BVG Busbetriebshof. Entworfen von Jean Krämer. Foto Joachim Faust.

Die 313 Fotos und Abbildungen seiner Bauwerke machen das Buch noch lebendiger als die gut lesbaren Texte. Historische Fotos und aktuelle Fotos wechseln sich dabei ab.

Das Buch ist zweisprachig auf deutsch und englisch verfasst.

Das Buch erschien 2015 im Hardcover in der Weimarer Verlagsgesellschaft und kostet 58 Euro.

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Eigendarstelung der Weimarer Verlagsgesellschaft.

Autor: Andrei Schnell. Fotos: Joachim Faust. Grafik: Weimarer Verlagsgesellschaft.

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