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Verkauf der Liesenbrücken naht

29. Mai 2016
Die Liesenbrücken stehen zum Verkauf. Foto: Nachtschatt.
Die Lie­sen­brü­cken ste­hen zum Ver­kauf. Foto: Nachtschatt.

Der bevor­ste­hen­de Ver­kauf der Lie­sen­brü­cken war The­ma der 52. Sit­zung des Aus­schus­ses für Stadt­ent­wick­lung. Details zum Ver­kauf gab Stadt­rat Cars­ten Spal­lek (CDU) im öffent­li­chen Teil der Sit­zung am 25. Mai auf Nach­fra­ge von Frank Ber­ter­mann (Die Grü­nen) bekannt. So wür­den drei Inter­es­sen­ten bei der Bahn bie­ten, wie Frank Ber­ter­mann nach der Sit­zung berich­te­te. Ein Bie­ter wür­de bereits über einen Bau­vor­be­scheid  ver­fü­gen. Es ist zu ver­mu­ten, dass es sich dabei um den Vor­be­scheid für ein Hotel han­delt, über das der Wed­ding­wei­ser im Arti­kel “Zwei gegen­sätz­li­che Plä­ne für die Lie­sen­brü­cken” berich­te­te.

Außer­dem liegt der Schluss nahe, dass sich die­ser Vor­be­scheid aus­schließ­lich auf die Gro­ße Brü­cke bezieht. Denn Stadt­rat Cars­ten Spal­lek (CDU) habe erklärt, dass es für die Über­bau­ung der Klei­nen Lie­sen­brü­cke eine nega­ti­ve Stel­lung­nah­me der Denk­mal­schutz­be­hör­de gäbe, berich­te­te Ber­ter­mann. Gegen eine Über­bau­ung sprä­che, dass das Erschei­nungs­bild der Brü­cke durch die Über­bau­ung beein­träch­tigt wür­de. Das heißt, bei den ros­ti­gen Brü­cken han­delt es sich also offen­bar um zwei “Gebäu­de”: Die Gro­ßen und die Klei­nen Liesenbrücken.

Deutsche Bahn will Liesenbrücken verkaufen

Bieterverfahren für die Liesenbrücken läuft. Foto: Nachtschatt.
Für die Lie­sen­brü­cken läuft ein Bie­ter­ver­fah­ren. Foto: Nachtschatt.

Gis­bert Gah­ler vom Regio­nal­bü­ro Ber­lin der Deut­schen Bahn ant­wor­tet auf eine Anfra­ge: “Der­zeit befin­den wir uns im Bie­ter­ver­fah­ren.” Der Ver­kauf ist für die Bahn gesetzt, denn: “Die Brü­cke ist für die Deut­sche Bahn AG nicht mehr betriebs­not­wen­dig.” Und: “Die Brü­cke steht unter Denk­mal­schutz. Daher ist die Deut­sche Bahn AG bestrebt, die­se zu veräußern.”

Aber was wird aus der Idee einer Grün­ver­bin­dung, wenn ver­äu­ßert wird? Seit Jah­ren setzt sich die Initia­ti­ve Grün­zü­ge für Ber­lin für die Nut­zung der Brü­cken als Spa­zier­weg zwi­schen Hum­boldt­hain und Park am Nord­bahn­hof ein. Gis­bert Gah­ler: “Soweit die Belan­ge der Deut­schen Bahn AG gewahrt blei­ben, hat die Deut­sche Bahn AG grund­sätz­lich kei­ne Ein­wän­de gegen die Grünverbindung.”

Gibt es noch Hoffnung die Grünverbindung?

Nach dem Ver­kauf an einen pri­va­ten Inves­tor ist ein öffent­li­cher Fuß­weg über die Stahl­rie­sen nicht mehr mög­lich. Den­noch hofft Sven Died­rich, für die Par­tei Die Lin­ken im Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung, dass über das “Pro­gramm zum Rad­ver­kehr, das jähr­lich nicht aus­ge­schöpft wird” eine Lösung im Sin­ne des Netz­werks Grün­zü­ge für Ber­lin mög­lich wäre.

Von Mit­glie­dern der SPD ist zu hören: “Eine wich­ti­ge Bedin­gung soll­te für eine Wei­ter­ent­wick­lung der Lie­sen­brü­cken erfüllt sein: der grü­ne Durch­gang vom Park am Nord­bahn­hof zum Hum­boldt­hain soll­te Bestand­teil der Bebau­ungs­plä­ne sein.”

Nahe­lie­gend ist, dass auch die Grü­nen, wie aus der Par­tei zu hören war, sich wei­ter­hin für eine Nut­zung der Brü­cken als Park­ver­bin­dung einsetzen.

Die Idee der Grünverbindung auf den Liesenbrücken

Das “Ber­li­ner Netz­werk für Grün­zü­ge” (bekannt als Grün­zü­ge für Ber­lin) for­dert seit Jah­ren, dass die ros­ti­gen Rie­sen auf der Gren­ze zwi­schen Wed­ding und Mit­te als grü­ner Park genutzt wer­den. Der High­line­park in New York ist für die Grün­zü­ge offi­zi­ell nicht Vor­bild für die Lie­sen­brü­cken. Doch das Bei­spiel zeigt ein­drück­lich, dass ehe­ma­li­ge Bahn­stre­cken erfolg­reich als Grün­flä­chen genutzt wer­den kön­nen und zum Wahr­zei­chen eines Stadt­teils oder zumin­dest zu einer Tou­ris­ten­at­trak­ti­on wer­den kön­nen. Sol­che hoch­flie­gen­den Plä­ne hat das Netz­werk nicht, es spricht nur von einer Grün­ver­bin­dung. Aus Sicht des Netz­wer­kes ist die Grün­ver­bin­dung über die Lie­sen­brü­cken ein wich­ti­ger Bau­stein inner­halb eines gedach­ten Mau­er­grün­zu­ges “Grü­nes Band für Ber­lin” ent­lang des ehe­ma­li­gen Mauerstreifens.

Die­sen Zie­len steht ein Hotel­bau ent­ge­gen. Der Wed­ding­wei­ser hat über die­sen Plan am 11. April berich­tet unter dem Titel: “Zwei gegen­sätz­li­che Plä­ne für die Lie­sen­brü­cken”.

Eine Falschmeldung

Etwas zu früh hat ein pri­va­ter Beob­ach­ter, der den Face­book-Kanal “Lie­sen­brü­cken” betreibt, die Mel­dung gebracht: “Lie­sen­brü­cken ver­kauft”. Doch die Deut­sche Bahn ist der­zeit noch Eigen­tü­mer der Stahl­rie­sen über dem Krei­sel von Sche­ring­stra­ße, Gericht­stra­ße, Gar­ten­stra­ße, Lie­sen­stra­ße und Acker­stra­ße. Sie bestä­tigt aber: “Ein Ver­kauf ist in die­sem Jahr geplant”.

Auch das “Ber­li­ner Netz­werk für Grün­zü­ge” (bekannt als Grün­zü­ge für Ber­lin) ist von der Face­book-Mel­dung über­rascht. Ant­je Hen­ning vom Netz­werk erklärt: “Dass die Brü­cken ver­kauft wur­den, wis­sen wir nicht.”

Text: And­rei Schnell, Foto: Nachtschatt.

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

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