Neue Klasse, neue Schultische: Quinoa-Schule sucht Spender

Lehrer Christoph Trautvetter unterrichtet Naturwissenschaften an der Quinoa-Schule. Foto: Andrei Schnell.
Lehrer Christoph Trautvetter unterrichtet Naturwissenschaften an der Quinoa-Schule. Foto: Andrei Schnell.

Wer erinnert sich noch an den Aufreger, als es hieß, die Lehrer an Berliner Schulen müsste ihre eigene Kreide mit zur Arbeit bringen? Die Quinoa-Schule bittet um noch viel mehr als um Kreide. Sie sucht Spender, die einen kompletten Satz Tische und Stühle für 26 neue Schüler mitbringen. Was ist das für eine Schule? Oder: Erinnert man sich an die Klage, dass Lehrer heutzutage halbe Sozialarbeiter sein müssten? „Genau solche Lehrer suchen wir“, sagt Klara Sucher bei einem Gespräch mit dem Weddingweiser. Nur dass im Moment nicht Lehrer gesucht werden, sondern eben Tische und Stühle. Der Weddingweiser besucht aus Anlass eines Spendenaufrufs eine Schule, die nicht nur manches, sondern vieles anders macht.

Aktuell lernen an der Quinoa Schule rund 50 Schüler. Im August rücken sie eine Klasse höher, so dass die Quinoa Schule dann eine 9., eine 8. und eine neue 7. Klasse haben wird. Für die neue 7. Klasse muss ein Klassenraum hergerichtet werden. Bei einem Besuch am 20. April konnte sich der weddingweiser davon überzeugen, dass noch viel zu tun ist. Wichtig ist der Schule nicht, dass Flure, Gänge und Räme repräsentativ wirken. Der neue Klassenraum braucht neben Farbe und Tapete wirklich vor allem Schulmöbel, womit Stühle und Tische gemeint sind. Für 26 Jugendliche, die ab August die neue 7. Klasse bilden werden, sucht die Quinoa Schule im aktuellen Spendenaufruf Möbel. „Auch ein Whiteboard suchen wir“, sagt Klara Sucher, zuständig für Presse und Kommunikation.

Das Schulgebäude der Quinoa Schule macht nicht viel her, das selbstgesteckte Bildungsziel dagegen sehr. Foto: Andrei Schnell.
Das Schulgebäude der Quinoa Schule macht nicht viel her, das selbstgesteckte Bildungsziel dagegen sehr. Foto: Andrei Schnell.

Viele Wege zu spenden

Wie bei allen Schulen, die nicht staatlich sind, bezahlt der Berliner Senat immerhin den größten Teil der Personalkosten. Keine Zuschüsse gibt es allerdings für Mietkosten oder Material. Da die Quinoa Schule bewusst ein niedriges beziehungsweise bei neun von zehn Schülern kein Schulgeld verlangt, ist der Schulbetrieb auf Spenden angewiesen. Wer aktuell für die ab August neu aufgenommene Klasse 7 Tische und Stühle spenden möchte, nimmt mit Klara Sucher Kontakt auf über klara.sucher[at]quinoa-bildung.de.

Neben Sachspenden sind vor allem Geldspenden nötig. Für ein Schülerstipendium muss der Spender über vier Jahre 6000 bis 9000 Euro zahlen können. Weddinger werden wahrscheinlich eher in der Lage sein, beim Aufruf „500 x 5 Euro“ mitzumachen. „5 Euro pro Monat helfen uns im Schulalltag an vielen Stellen“, sagt Klara Sucher. Alle Spendenmöglichkeiten sind dargestellt auf der Webseite quinoa-bildung.de.

Erster Eindruck von der Schule

Nur wenige Schulen in Deutschland bieten die Fächer Zukunft und Interkulturelle Kompetenz. Foto: Andrei Schnell.
Nur wenige Schulen in Deutschland bieten die Fächer Zukunft und Interkulturelle Kompetenz. Foto: Andrei Schnell.

Die Quinoa Schule ist nicht das, was viele Menschen landläufig unter einer privaten Schule verstehen und wie es zum Beispiel der Phorms Campus im Brunnenviertel eine ist. Die Quinoa Schule ist nur insofern privat, indem sie keine staatliche Schule ist. Aber besser beschreibt das Adjektiv „frei“ oder „alternativ“, worum es dieser Schule inhaltlich geht. Das Besondere an der Quinoa Schule ist, dass sie „den Kiez in seiner sozialen Struktur abbilden möchte“, wie Klara Sucher sagt. Die Quinoa Schule wurde vor wenigen Jahren bewusst im Soldiner Kiez gegründet, weil hier die soziale Struktur besonders schwierig. „Eltern, die Transferleistungen beziehen, zahlen bei uns nur das Essensgeld von 30 Euro für ihre Kinder“, sagt Klara Sucher. Transferleistungen sind Hartz IV, BAföG oder Wohngeld. „Wir glauben, dass mit dem richtigen Konzept etwas aus den Kids im Kiez werden kann.“

Konzept

Auf den ersten Blick ungewöhnlich an dem Konzept sind die beiden Fächer und Zukunft und Interkulturelle Kompetenz. Das zweite Fach hat die Aufgabe, den Schülern zu zeigen, „dass ihre multikurelle Herkunft eine Stärke ist“, viel zu oft würde die Herkunft als Makel betrachtet, wie Klara Sucher sagt. Tatsächlich erfasst die offizielle Statistik der Bildungsverwaltung Schüler mit nicht deutscher Herkunft (ndh). Viele Eltern sehen aufgrund der Ratlosigkeit der meisten Schulen im Umgang mit dieser Quote in ihr einen Negativwert. Das andere Fach, das Fach Zukunft, dient der Berufsorientierung – aber nicht nur. Es gehe darum, die Schüler zu befähigen, am Ende der 10. Klasse ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Deshalb will die Schule nicht an der Anzahl der guten Abschlüsse gemessen werden, sondern an der Anzahl der Schüler, die ihre Berufsausbildung nicht abgebrochen haben.  Außergewöhnlich wie die beiden Fächer sind auch die häufigen Tutorengespräche. Dabei ginge es nicht einfach nur um Schulleistungen, sondern immer um persönliche Ziele. „Das kann auch sein, die Zeit fürs Computerspiel auf täglich eine Stunde zu reduzieren“, sagt Klara Sucher. Die Schüler sollen sich Ziele setzen, die „realistisch, ehrgeizig und messbar“ sind, das werde in den Gesprächen immer wieder trainiert.

Ein ausführliches Konzept bietet die Schule in einer Darstellung mit dem Titel „Innovative Schule für den Wedding„.

LINKS

Verschiedene Möglichkeiten, für die Quinoa Schule zu spenden.

Text und Fotos: Andrei Schnell

One comment

  1. Pingback: Quinoa-Schule ist ausgezeichnet | Weddingweiser

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