Wedding heißt ab sofort Gesundbrunnen

Ortsteil Gesundbrunnen. Foto: Andrei Schnell.
Ortsteil Gesundbrunnen. Foto: Andrei Schnell.

Völlig überraschend wurde bekannt, dass der Ortsteil Wedding in Gesundbrunnen umbenannt worden ist. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat dies auf ihrer letzten Sitzung am 17. März beschlossen. Der Grund für diesen Schritt: Zwei unterschiedliche Namen für das Gebiet des ehemaligen Bezirks Wedding seien zu viel.In einer nicht repräsentativen Blitzumfrage des Weddingweisers im Gesundbrunnen Center waren acht von zehn Befragten trotz des eindeutigen Namens des Centers der Meinung, das Kaufhaus würde sich im Wedding befinden. Tatsächlich befindet es sich im Ortsteil Gesundbrunnen.

Mit der Umbenennung des Ortsteils Wedding will die BVV „für die Bewohnerschaft endlich Klarheit schaffen“. Statt der beiden Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gibt es nun zwei Ortsteile mit dem einen Namen Gesundbrunnen. Das dürfte bundesweit einzigartig sein, dass zwei Ortsteile den gleichen Namen tragen.

Der neue Name sollte auf gar keinen Fall das Wort Wedding enthalten, um Verwechslungen mit dem 2001 aufgehobenen Bezirk Wedding zu vermeiden. Außerdem würden Touristen durch die Bezeichnung Wedding (englisch für Heirat) verwirrt. Mitte sei ja nun mal keine „wedding chapel“. „Auch für Suchmaschinen im Internet ist die Bezeichnung Wedding suboptimal“, war zu hören.

Bahnhof Gesundbrunnen.
Heißt schon lange korrekt: Der Bahnhof Gesundbrunnen.

Wie wenig Ortsteilkenntnis die Leute haben, die in einem der beiden Ortsteile wohnen, ist zum Beispiel bei katjaberlin nachzulesen, die völlig aufgelöst schreibt: „Mir war überhaupt nicht bewusst, dass es seit der Bezirksreform einen eigenständigen Ortsteil namens Gesundbrunnen gibt, der mit Wedding gar nichts mehr zu tun hat.“ Nun hat es die Gesundbrunnerin einfach.

Große Unternehmen wissen offenbar schon seit längerer Zeit, dass eine Umbennenung anstand. So hat die Wohnungsbaugesellschaft Degewo nach neun Jahren den Modeflohmarkt Wedding Dress beendet, obwohl das zehnjährige Jubiläum zum Greifen nahe lag. Der Tagesspiegel hat seinen WeddingBlog Ende letzten Jahres eingestellt. Ob an seine Stelle ein gesunder Blog kommen wird, war bislang nicht zu erfahren.

Kleine Vereine und Initiativen trifft die Nachricht allerdings unvorbereitet. Die Basketballmannschaft Weddinger Wiesel könnte sich in „Am Korbe vor dem Tore“ umbennen. Allerdings sei die Namensfindung noch nicht abgeschlossen. Joachim Faust, Gründer des Weddingweisers, weiß noch nicht recht, wie er sein Portal umbenennen wird: „Bei unseren Treffen dachten wir zuerst an Gesundbrunner, aber es gibt schon eine gleichnamige Kneipe“, sagt er.

Bereits gegründet hat sich eine Bürgerinitiative. Sie will Aufkleber drucken und im Ortsteil Gesundbrunnen (ehemals Ortsteil Wedding) anbringen. „Und zwar überall.“ Auf den Aufklebern wird zu lesen sein: „Falsch! Hier ist nicht Gesundbrunnen! Hier ist Wedding!“

Der ehemalige Bezirk Wedding ging 2001 bei einer Zusammenlegung von drei vormaligen Bezirken im Bezirk Mitte auf (Verwaltungsreform). Dabei entstanden die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen. Viele Menschen in Mitte gingen daraufhin in die innere Emigration und behaupteten auf Partys trotzig, sie würden in Wedding wohnen.

Text: Andrei Schnell, Foto oben: Andrei Schnell, Foto mitte: Joachim Faust

11 comments

  1. Pingback: April, April – Oder: Wedding bleibt (vorerst) Wedding | Weddingweiser
  2. Ecki

    Sehr lustig! Gute Idee zum 1. April. Der Bezirk Mitte soll übrigens jetzt in Wedding umbenannt werden, als kleiner Ersatz für diese Umbenennung hier 🙂

  3. Pingback: Entdecktes zum 1. April 2016 | Bibliothekarisch.de
  4. Angelika

    Aber was wird aus dem S-Bahnhof Wedding? Da S-Bahnhof Gesundbrunnen schon vergeben ist ? Herrlicher Artikel, der bei mir das Wochenende einläutet 😊

  5. Gattto

    Noch schlimmer als Aprilscherze sind die, die darauf hinweisen müssen, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Junge junge junge…

  6. Jupp Schmitz

    Da hat sich der Verfasser aber alle Mühe gegeben (gab es Zeilenhonorar?), die Leser zum 1.4. zu veräppeln👍.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: