Ein Mann und sein Ost-West-Café

25JahreMauerfallIch gehe nicht sehr oft ins Ost-West-Café. Aber ich fahre sehr gern oft daran vorbei. Seit das Café-Restaurant vor zwei Jahren an der Brunnenstraße, Ecke Bernauer Straße eröffnete, ist der Eingangsbereich das Brunnenviertels belebt. Das ist, grob zusammengefasst, der Verdienst des Ost-West-Cafés. An schönen Tagen sitzen an den Tischen auf dem Gehweg nun immer Menschen. Auch Innen ist es meist sehr gut gefüllt und abends knipst der Besitzer oft die neongrünen Leuchten an, damit noch mehr Passanten das Café bemerken. Das ist auch ein Effekt: Die Menschen auf der anderen Seite der Brunnenstraße, in Alt-Mitte, können die grellen Lichter sehen und denken jetzt vielleicht seltener, dass hinter der ehemaligen Mauer die Stadt irgendwie abgestorben oder total gefährlich ist. Denn hier ist jetzt ein Café, hier ist Licht, hier ist ganz normales Leben, obwohl hier Wedding ist.

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Der  Besitzer: Dr. Suat Özkan las im vergangenen Jahr im Rahmen der Weddinger Lesewoche aus seinem Buch über Ehrenmord.

Um das Ost-West-Café zu verstehen, muss man über den Besitzer reden. Dr. Suat Özkan ist ein in Deutschland aufgewachsener Türke, er wohnt im Brunnenviertel. Er ist ein ehrgeiziger und vor allem ideenreicher Mensch. Und so ist es kein Wunder, dass es schwer fällt, ihm des leichteren Verständnisses wegen ein Etikett anzuschreiben. Es wären sehr viele Etiketten nötig, denn Özkan ist Autor, Jurist, Mitgründer des Online-Magazins kukksi, Quartiersrat, Mitglied der Bürgerplattform Wedding Moabit und Held. Ideen gehen ihm nie aus, das merkt jeder, der mit ihm spricht. Eine Idee ist ein Immigrationsmuseum, eine schon etwas konkreter gewordene der Ost-West-Backshop gegenüber seinem Café. Dass da nicht einfach nur Brötchen verkauft werden, ist irgendwie klar.

Die Idee beim Ost-West-Café ist es laut Özkan, ein Café-Restaurant und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Und damit ist es ihm durchaus ernst. Er lädt ganz verschiedene Kulturen und Religionen (persönlich) ein, bei ihm einzukehren.

Böse Zungen sagen, der findige Unternehmer will nur die Mauergedenkstätten- und Mauerpark-Touristen in sein Café ziehen. Für diese Theorie spricht der Trabant vor der Tür (bitte nicht anfassen!), die uniformierten Alliierten-Soldatenpuppen in den Fenstern, die Postkartenständer und ein detailverliebtes Konzept, das das Ost-West-Café selbst in vier (Besatzungs-)Zonen einteilt sowie Gerichte, die mit ihren Namen sagen: Lieber Gast, hier war die berühmte Berliner Mauer, Sie essen an einem historischen Ort! Ein Historiker hat mir neulich mal erklärt, dass es für das, was an diesem wirklich historischen Ort geschieht, einen Begriff gibt. Wildes Gedenken. Jeder soll bitte selbst entscheiden, ob das besser ist als gar kein Gedenken oder nicht. Ich persönlich finde den Trabant in Ordnung. Die Soldentenpuppen lösen in mir ein sehr ungutes Gefühl aus.

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Das Ost-West-Café in der Brunnenstaße 53.

Freunde des Ost-West-Cafés sagen mir, dass die Ecke belebt wurde, dass es eine Einkehrmöglichkeit mehr im Brunnenviertel gibt, die vielleicht auch ein Türöffner für das von Mitte, Pankow und auch vom Wedding irgendwie abgeschnittene Viertel ist. Und hier treffen sich Menschen. Touristen und türkische Großfamilien essen Tisch an Tisch. Menschen aus dem Kiez kommen Kaffeetrinken, Menschen von Irgendwoher essen Kuchen oder Burger und kaufen Postkarten. Es gibt Ausstellungen zu historischen Themen, fliegenden Tee und manchmal Facebook-Postings zu aktuellen und historischen Ereignissen.

Wenn ich es auf einen Satz bringen soll, sage ich: Das Ost-West-Café ist wie die Mischung aus Checkpoint Charlie und Familienzentrum.

Ost-West-Café, Brunnenstraße 53, www.ost-west-cafe.de

Text und Fotos: Dominique Hensel

2 Kommentare
  1. Alles nur Abzocke!!! der war zur richtigen zeit am richtigen ort!!! und macht jetzt richtig kasse!!

  2. ….und verschandelt mit seinem Palettenholz zunehmend die Kreuzung. Auch die Preise sind gesalzen und der Service meistens schlecht, da hier alles nur ungelernte Aushilfskräfte zu laufen scheint. Ständig wechselt das ungelernte Personal und ständig sucht das O/W Cafè. Das grüne Licht ist so grell, das ich da abends nicht gemütlich sitzen würde. Und auch in dem Backshop entsteht der Eindruck, das es hier nur darum geht den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wo gibt es denn noch „Ostbrötchen“ über 25 Jahre nach dem Mauerfall? und warum kosten die so viel? Eigentlich ist das nur ein Ort wo Touris ihr Geld lassen sollen. Wenn der Chef sich endlich mal gestandene Gastronomen holt um küchenmäßig das O/W Cafè nach oben zu bringen und sein Personal anzuleiten könnte es noch was werden. Wie ist denn zu erklären, das der Gastraum mit chlorhaltigem Wasser gewischt wird, während noch Gäste essen? Der Kiez wartet ab. Viele Besucher sind enttäuscht. Wann wird das Cafè eine Bereicherung werden… nicht nur für Touris?

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: