Quinoa: Privatschule im Brennpunktkiez eröffnet

Schulleiter Christian Schwenke im Klassenraum. Foto: Hensel
Schulleiter Christian Schwenke im Klassenraum. Foto: Hensel

Kein Tag wie jeder andere: Um 8 Uhr hat für 24 junge Weddinger der Unterricht in einer neuen und sehr besonderen Schule begonnen. Die Siebtklässler sind die ersten Schüler in der neuen Quinoa-Schule, die ihren Betrieb im zweiten Obergeschoss in der Osloer Straße 25/26 aufgenommen hat (Aktualisierung 2016: die Schule ist inzwischen umgezogen).

Unter dem Dach der Montessori Stiftung Berlin und mit Unterstützung vieler Partner wollen die Gründer mit ihrem beispiellosen Konzept einen Impuls in der Weddinger Bildungslandschaft geben und haben ihre Schule ganz bewusst im Soldiner Kiez, einem so genannten Brennpunktkiez eröffnet. Im Umfeld der neuen Schule gibt es viel Zuspruch, aber auch kritische Stimmen.

Quinoa-Gründer Stefan Döring (r.) und Fiona Bunk mit Schulleiter Christian Schwenke. Foto: Hensel
Quinoa-Gründer Stefan Döring (r.) und
Fiona Bunk mit Schulleiter Christian Schwenke. Foto: Hensel

Stefan Döring ist einer der beiden Gründer der Schule. Er umreißt die Grundidee der Schulgründung: „Wir wollen die Bildungslandschaft im Wedding gestalten. Die Aufgabe ist es, das Netz so zu knüpfen, dass kein Kind verloren geht“. Das Nachdenken über die praktische Umsetzung führte die Gründer zu einem ehrgeizigen Ziel: Alle Schüler sollen vier Jahre nach Abschluss der 10. Klasse eine Ausbildung beendet oder das Abitur geschafft haben. Als zentral empfinden Döring und Mitgründerin Fiona Brunk den Glauben an das Potenzial jedes einzelnen Kindes. Unerträglich findet Weddingerin Fiona Brunk es, dass im Stadtteil die Hälfte der Kinder die Schule ohne Abschluss verlässt und dass auch die, die einen Abschluss bekommen, kaum berufliche Perspektiven haben. Genau das soll die Quinoa-Sekundarschule ändern.

Einen Schwerpunkt setzt die Schule mit dem Interkulturellen Unterricht. Im Rahmen dieses Faches sollen die Kinder nicht nur gute deutsche Sprachkenntnisse erlangen und Englisch sprechen, sie sollen auch ihre Familiensprache lernen. Das Fach Zukunft dient der Berufsorientierung. Er bringt die Schüler in jede Woche in einen anderen Betrieb und hilft ihnen, einen passenden Beruf zu finden. Alle Unterrichtsstunden sollen stets mindestens zwei Lehrer betreuen. Ein Mal pro Woche nimmt sich zudem ein Tutor in einem Einzelgespräch Zeit für jeden der 24 Schüler; auch nach den vier Jahren Schulausbildung an der Sekundarschule soll der Tutor die Schüler begleiten.

Das Team der Quinoa-Schule sucht den Kontakt Schulen und Einrichtungen im Wedding. Trotzdem gibt es kritische Stimmen. Sie befürchten vor allem, dass es sich bei der freien Schule um eine elitäre Einrichtung handele, die nicht in den Soldiner Kiez passe. Das Team um Fiona Brunk und Stefan Döring hofft, dass sich herumspricht, dass hier jeder eine gute Bildung und individuelle Betreuung erhalten kann, unabhängig von der Höhe des Familieneinkommens. Denn obwohl es sich um eine Privatschule handelt, ist der Schulbesuch für Hartz IV-Empfänger, Bafög-Empfänger, Wohngeldempfänger, Aufstocker und Asylbewerber bis auf das Essensgeld in Höhe von 30 Euro monatlich kostenlos. Für die Finanzierung der Stipendien sorgt vor allem die Vodafone Stiftung, aber auch andere Förderer und Paten.

Von den 24 Schülern, die heute ihren ersten Tag an der Schule haben, müssen 21 kein Schulgeld bezahlen, drei bezahlen einen kleinen Betrag. „Ganz viele sprechen eine andere Familiensprache. Nur sechs Schüler sprechen zuhause deutsch“, sagt Döring. „Unsere Mischung bildet den Wedding ab“, sagt Stefan Döring. Um langfristig Stipendien anbieten zu können, kümmert sich das Quinoa-Team ganzjährig darum, weitere Förderer zu finden. „Das ist eine ganz große Aufgabe“, sagt Stefan Döring. Eine Patenschaft für einen Schüler über die kompletten vier Jahre kostet 24.000 Euro.

Im Moment sind es nicht die Finanzen oder die Umsetzung des ambitionierten Konzeptes, die dem Quinoa-Team Sorgen machen. Stefan Döring: „Die Räume hier können wir für ein Jahr nutzen. Eine Verlängerung ist nicht möglich“. Die Schule möchte gern in das leer stehende Schulgebäude in der Gotenburger Straße, das sich in Sichtweite zum jetzigen Standort befindet, einziehen und dauerhaft im Soldiner Kiez bleiben. Der Bezirk will das Gebäude jedoch an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin abgeben. Ob die Quinoa-Schule zum Zuge kommen kann, ist ungeklärt. „Ob wir in die Gotenburger Straße können ist vor allem eine politische Entscheidung. Wir brauchen jetzt die Unterstützung des Senates“, sagt Stefan Döring.

Infos: www.quinoa-bildung.de

Text und Fotos: Dominique Hensel

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