Ein Blickfang in der Brunnenstraße

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Das bunte Fliesenbild zog viele Blicke auf sich – und Fotoapparate.

Ein buntes Mosaik aus 504 bemalten Fliesen zieht in einem Durchgang in der Brunnenstraße 64 die Blicke auf sich. Ende Mai ist dort das zweite Fliesenbild im Brunnenviertel enthüllt worden. Es ist ein Kunstwerk aus Kinderhand. Schüler der Vineta-Grundschule und Kinder der Kita „Omas Garten“ haben die Fliesen im Rahmen eines Demokratieprojektes bemalt. Doch bei dem Projekt des Quartiersmanagements Brunnenviertel-Brunnenstraße geht es eigentlich nur nebenbei um das Fliesenbild. Eigentlich geht es darum, dass die Kinder „Demokratie lernen und gestalten“.

Das Projekt wurde von der Agentur Brodersen.Dammann begleitet, alle Aufgaben lagen jedoch in den Händen der Kinder. Sie baten bei der degewo und beim Quartiersmanagement um Unterstützung, suchten die Hauswand, berechneten die nötige Menge Farben, bemalten das Bild, organisierten die Eröffnungsfeier und luden die Gäste ein und hielten die Eröffnungsreden. Ihr Ehrengast war degewo-Vorstand Frank Bielka. Der lobte die Kinder: „Hallo Kinder, ihr habt das ganz toll gemacht“, rief ihnen der Ehrengast zu und hielt seine Rede ganz bewusst kurz: „Ich fand diesen Durchgang immer so hässlich. Wie gut, dass er jetzt so schön ist!“ Dann wurde das große Fliesenbild in der Brunnenstraße 64 (gleich neben dem Supermarkt) enthüllt.

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Der Durchgang in der Brunnenstraße 64: hier wurde das bunte Kunstwerk angebracht.

Mehr als 500 Fliesen haben die Kita- und die Grundschulkinder gemeinsam bemalt. Als gemeinsames Thema hatten sie sich „Insel und Meer“ ausgesucht. Leuchttürme sind zu sehen, Fische, Palmen, Sandstrände, lachende Sonnen und natürlich ganz viel Meeresblau. „Es ging darum, dass die Kinder Verantwortung übernehmen und ihren Kiez mitgestalten“, erklärt Ingke Brodersen von der Agentur Brodersen.Dammann.

Das Kunstwerk entstand unter ihrer Anleitung und im Rahmen des Projektes „Demokratie lernen und gestalten“. Das Demokratie-Projekt begann im Dezember 2012 und endet im kommenden Dezember. Es wird mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ (Quartiersfond 3) im Gebiet Brunnenviertel-Brunnenstraße gefördert. Im September vergangenen Jahres war im Durchgangsbereich an der Stralsunder Straße 1-5 bereits ein erstes Fliesenbild enthüllt worden.

Auch wenn die Moasikfliesen ein öffentlichkeitswirksamer Blickfang sind, ist Ingke Brodersen der zweite Teil des Projektes nicht weniger wichtig. In vier Klassen der Heinrich-Seidel-Grundschule begleitet sie die Bildung von Klassenräten. Der Klassenrat soll ein Mal in der Woche in einer festen Unterrichtsstunde zusammen kommen, sich selbst Themen setzen und diese besprechen. „Kinder und Lehrer sind dabei gleich gestellt. Die Lehrer haben nur eine Stimme in dem Gremium“, erklärt sie das Prinzip. Besprochen werden ganz alltägliche Probleme: Wer ärgert wen? Warum machen wir nicht mehr Klassenfahrten? Wie spricht man Probleme richtig an? Welche Regel wollen wir haben? „Dabei geht es wieder darum, Verantwortung zu übernehmen und es gemeinsam zu schaffen, dass eine Lösung gefunden wird“, erklärt Ingke Brodersen. „Der Klassenrat in den Schulen viel zu wenig bekannt, aber er ist ein gutes Mittel, um Selbstverantwortung und Selbstbestimmung zu lernen“.

Text und Fotos: Dominique Hensel

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