„Oh! Calcutta“: Bar mit einem Ausrufezeichen

Oh Calcutta cocktail“Sind das da Gurkenscheiben in dem Drink?”, frag ich Natalie, als sie sich zu mir im Oh!Calcutta an den Tisch setzt. “Klar”, sagt sie, “Sie gehören in einen Moscow Mule.“ Ich kaschiere meine Ungläubigkeit mit einem freundlichen Lächeln und glaub’s ihr gerne. Schließlich sind gute Longdrinks ein Aushängeschild ihrer Bar “Oh!Calcutta”.

Nathalie-ImaoDie Bar ist ein gastronomischer Lückenschluss zwischen Uferstudios und Koloniestraße. Hinter der Scheibe, auf die mit Tape “Oh!” geklebt ist,  trifft Belgisches “Leffe”-Bier auf Tannenzäpfle. Die Longdrink-Karte ist gerade so groß, dass außergewöhnliche Mischungen sie ausfüllen, ohne sie durch Mainstream und Billigshots zu überfrachten.

Natalie, die Barkeeperin, mag es, spontane Ideen auch mutig umzusetzen. Wenn sie ihre Wohnzimmererweiterung nahe der Kreuzung Osloer Straße von Donnerstag bis Samstag für Gäste öffnet, dauert es nicht lange, bis sich der 60-Quadratmeter-Raum füllt. Unter dem Schummerlicht von China-Lampions beginnt für die Freundinnen und Freunde von Natalies ganz eigenem Geschmack eine Reise durch das Kalkutta Berlins – den Wedding.

Wir haben uns mit Natalie unterhalten, die das “Oh!Calcutta” betreibt – mit viel Begeisterung für ihren Traum.

Wie kamst du auf die Idee einer eigenen Bar?

Oh!CalcuttaIch hatte den Wunsch, einen ganz kleinen Teil von Berlin mitzugestalten. Es ist schön, einen Raum zu haben, in dem sich Menschen treffen, Gespräche und Freundschaften entstehen. Ich mag den Bereich um die Gerichtstraße mit der PANKE, dem KiKiSol und dem Forsberg, ebenso aber auch das Umfeld der Uferhallen – die Analog Bar, F-Bar und das Studio 8. Irgendwo dort wollte ich meine eigene Bar eröffnen. Ich suchte über Immoscout und fand hier die Räume, die meinen Vorstellungen entsprachen.

Was ist das Besondere am “Oh!Calcutta”?

Oh!CalcuttaMein Vater ist zwar Japaner, aber die Bar sollte nichts Japanisches an sich haben. Mir schwebte eher vor, der Bar einen chinesischen Touch zu geben, was ich dann auch umgesetzt habe, denn ich liebe chinesischen Kitsch. Die Bar soll kein Motto und keine stilistische Eindeutigkeit haben, das finde ich langweilig. Viele fragen als Erstes nach dem Namen – “Oh!Calcutta!” war eine skandalträchtige Broadway-Revue aus den Siebzigern, die im Grunde nichts mit der indischen Metropole zu tun hat, sondern eine Verballhornung eines französischen Satzes ist. Egal. Für mich klingt der Name – mit dem Ausrufezeichen nach dem Oh! – nach einem sehnsuchtsvollen Seufzer nach Indien, einem Land, das ich sehr liebe.

Woher kommst du denn ursprünglich?

Oh!CalcuttaMein Geburtsort ist zwar Tokio, ich bin aber in Aachen aufgewachsen. Als ich vor 1 1/2 Jahren nach Berlin kam, war es mir wichtiger, eine große Wohnung zu haben, als in einem hippen Kiez zu wohnen.  So hat es mich in den Wedding verschlagen. Mittlerweile bin ich sehr glücklich, hier zu wohnen. Ich habe hier viele Freunde gefunden und gemerkt: hier ist noch Luft, hier kann man noch eine Bar aufmachen!

Welche Leute dürften sich von der Bar angesprochen fühlen?

Oh CalcuttaIch richte mich schon in erster Linie an die Weddinger. Nach vier Monaten Barbetrieb muss ich sagen: aus dem Wedding kommt auch mein Wunschpublikum! Hier gibt es viele Künstler und Studenten. Ich will jedoch nicht das “Oh!Calcutta” als Künstlerbar bezeichnen. Das würde alle anderen zu sehr ausgrenzen,  alle sind willkommen. Auch mit den Hausbewohnern hier verstehe ich mich super, das ist alles hier sehr familiär. Man hilft sich hier und der Umgang ist herzlich. Ich merke: hier kann ich mich entfalten, hier ist alles im Umbruch. Und was meine Sehnsucht nach der Ferne angeht: irgendwie ist der Wedding ja auch das Kalkutta von Berlin….

 

Oh!Calcutta

Oh!Calcutta, Koloniestraße 9 (nahe Uferstudios), Di bis Sa ab 20 Uhr geöffnet, bei Facebook

Text: Marcus Bauer/Joachim Faust

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