„Naveena Path“: Tamilisch für Anfänger

Foto: L.Tilly

Das Naveena Path liegt an der Tegeler Straße im Sprengelkiez, den man gewissermaßen als den Prenzlauer Berg des Wedding bezeichnen kann: Eine relativ abgeschlossene, sanierte Wohnungsstruktur mit vielen Altbauten, dazu Kindergärten und Gebrauchtwagen, Bio- Cafés, verkehrsberuhigte Zonen und Einbahnstraßen, engagierte Anwohner (neuerdings wohnt hier auch Peer Steinbrück). Man kennt sich, wir kennen das, all das ist ein bisschen beneidenswert.

Doch auch ein solches Viertel hat seine dunklen Seiten: Einige Straßen heißen nach ehemaligen, mehr oder weniger blutgetränkten deutschen Kolonien, und gegenüber dem Naveena Path, an der Ecke eben jener Kiautschoustraße/ Tegeler Straße, befand sich in den dreißiger Jahren ein berüchtigtes SA- Lokal. Zweifellos hat das nur wenig mit dem Restaurant zu tun, in das ich, hungrig auf indisches Essen, gerne einkehre. Ich möchte nur zur Vorsicht mahnen, es präzise zu nehmen, und das Naveena Path nicht einfach als indisches Restaurant zu bezeichnen, denn die Küche ist vor allem tamilisch. Die Tamilen sind eine südasiatische Volksgruppe, die circa so viele Menschen umfasst wie Deutschland Einwohner. Sie lebt vor allem in Südindien und im gegenüberliegenden Sri Lanka – dort wiederum im Norden und Osten des Landes. Seit gut 30 Jahren kämpfen einige der Tamilen in Sri Lanka als sogenannte Tamil Tigers für einen unabhängigen, tamilischen Staat, was dazu führte das eine tamilische Diaspora stattfand und stattfindet.

Foto: L.TillyDas wiederum führt uns zurück in den Sprengelkiez und ins Naveena Path, denn hier kocht ein Tamil für uns, seit Jahren schon. Die Besitzerschaft des Restaurants wechselte – er blieb. Und wie er kocht: In einer offenen Küche, die jeden, der schon einmal in Asien gewesen ist (also quasi fast jeder Sprengelkiezbewohner) sofort an die zahllosen Garküchen an den Straßenrändern und –schluchten von Delhi, Bangkok oder Shanghai erinnert- nur, dass es im Naveena Path viel sauberer zugeht. Die Zutaten hingegen sind genauso frisch wie der frühabendliche Wind, der jetzt noch über die kleine Terrasse vor dem Restaurant weht. Auf die Tische kommen dann, drinnen (ältere, dunkle Holzmöbel) wie draußen (Bierbänke), hervorragende Curries tamilischer und südindischer Machart, in verschiedenen Schärfegraden, auf jeden Fall aber europäisiert. Die Auswahl an vegetarischen oder veganen Gerichten ist beeindruckend. Ansonsten gibt es Hühnchen oder Lamm, süßlich oder auch nussig. Dazu gesellen sich Lassis und Tees als Getränke, und Suppen wie Teigtaschen als kleine Vorspeisen- egal zu welcher Tageszeit (Mittagskarte, den ganzen Tag für Studenten!). Wer mehr als 15 Euro für Vor- und Hauptspeise plus Getränke im Naveena Path gelassen hat, hat irgendetwas falsch gemacht.

Tamilisches Essen (Foto: L.Tilly)Über das Design des Ganzen, die Gast- Freundlichkeit des Kochs oder die Toiletten kann man nun anderer, schlechterer Meinung sein – aber in einem Restaurant sollte das Essen im Mittelpunkt stehen, man muss ja nicht ewig bleiben.

Warum ich so viel über den Sprengelkiez, seine Geschichte, die Politik und die Tamilen geschrieben habe? Nun, das ist Bildung, die ich durchaus im Naveena Path hätte erlangen können. Denn es gibt ein hervorragendes Zeitschriftenangebot.

Autor / Fotos: Leon Tilly

älterer Beitrag über das Naveena Path

Tegeler Straße 22,
Geöffnet täglich 11.30 bis 23 Uhr.

4 comments

  1. Rolf Sinnen

    Lecker Essen. Schlecht gelauntes Personal. Widerliche sanitäre Anlagen… Hmmm.
    Ein halbes Sternchen von sechs möglichen Sternchen.

  2. goyls

    juhu, ich muss nicht googlen. letztens saßen mein kind zusammen und er sagte, er wolle indisch probieren. na dann schlepp ich ihn doch gleich mal dahin 🙂 danke für den bericht 🙂

  3. Pingback: Tegeler Straße: Weddings neue Flaniermeile? | Weddingweiser

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