Eva Högl: „Ich freue mich auf den Sprengelkiez!“

Eva Högl, seit 2009 SPD-Bundestagsabgeordnete für den Bezirk Mitte, über ihre Verbundenheit zum Wedding und ihren neuen Wohnort im Sprengelkiez.

Eva Högl, Foto: Julien Crinier
Eva Högl, Foto: Julien Crinier

Frau Högl, warum dieser Kiez? Warum ziehen Sie hier her?

Ich finde den Kiez fantastisch und wollte in den Wedding ziehen. Er gefällt mir unglaublich gut und ich vertrete ihn im Deutschen Bundestag. Als mein Mann mir von dem Grundstück in der Torfstraße erzählte, war ich sofort begeistert, da ich den Kiez schon kenne und hier im ,,Lindengarten“ meinen Stammtisch habe, sowie meinen persönlichen ,,Zitterabend“ bei der Wahl 2009. Ich verfolge die Geschehnisse hier im Kiez sehr aufmerksam und die Entscheidung, in den Wedding zu ziehen, ist sehr bewusst gefallen. Meiner Meinung nach sollte man in seinem Wahlkreis wohnen und diese Gegend ist ein toller Teil davon.

Der Wedding ist ja ein klarer Arbeiter- und Immigrationsbezirk, woher kommt Ihre Faszination?

Ich bin Sozialdemokratin und finde es gut wenn es bunt und lebendig ist. Mein Wahlkreis ist der bunteste, den es gibt. Ich vertrete nicht nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, sondern setze mich für alle ein und diese Vielfältigkeit probiere ich auch in den Bundestag zu transportieren.

Wie sehen Sie die Entwicklung der letzten Jahre gerade im Sprengelkiez?

Wir müssen sehr vorsichtig sein bei den Veränderungen, einerseits wollen und brauchen wir gerade in Wedding und Moabit eine gewisse Aufwertung um die Lebensqualität zu steigern, aber gleichzeitig müssen wir aufpassen, nicht die langjährigen Bewohnerinnen und Bewohner zu verdrängen, sodass nur noch Leute von außen kommen und die Kieze sich grundsätzlich verändern. Eine besondere Liegenschaftspolitik ist sehr wichtig. Dabei setze ich mich besonders dafür ein, dass Grundstücke des Landes nicht mehr nach dem höchsten Gebot, sondern nach der Sozialverträglichkeit vergeben werden. Die Politik muss ein gemeinschaftliches Miteinander unterstützen und eine bunte Mischung der Einwohner erhalten. Ich setze mich für ein soziales Mietrecht und eine stärkere Deckelung der Preiserhöhungen, gerade bei Neuvermietungen, ein. Hier herrschen indiskutable Zustände. Auch bei der Verknappung des Wohnraums muss sich etwas ändern, es darf keine Zweckentfremdung mehr geben. Wir dürfen es uns nicht erlauben, dass die einfachen Menschen an den Stadtrand gedrängt werden. Mein Ziel ist es, dass vom jungen Familienvater bis zur Rentnerin jeder die Möglichkeit hat hier zu wohnen und dafür arbeite ich jeden Tag.

Ist dies überhaupt möglich bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag?

Unsere Gesellschaft muss sozial gerecht gestaltet werden und gerade das Miteinander muss gleichberechtigt sein, egal welcher Herkunft oder von welchem wirtschaftlichen Stand eine Person ist. Ich weiß, wie viel gerade hier an Programmen wie der ,,Sozialen Stadt“ hängt und ich setze mich dafür ein, dass diese erhalten bleiben und Projekte wie den Sprengelpark finanziert werden können. Ich bedauere es sehr, dass gerade in Zeiten der Krise Parteien mit einem anderen Verständnis die Regierung bilden und Menschen aus genau diesen Verhältnissen enorme Gewinne schlagen, während andere alles verlieren. Eine Umverteilung ist erforderlich! Ich kämpfe dafür, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben, aber es gibt einen Unterschied zwischen dem Wedding und Steglitz. Wir sehen die Armut, die es hier gibt, und genau deswegen brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn. Das ist, glaube ich, bei vielen aus dem Blick geraten und diese Zustände finde ich unerträglich. Für diese Menschen mache ich Politik, für die alleinerziehende Mutter an der Supermarktkasse und den alten Mann, dem die Rente hinten und vorne nicht reicht.

Autor: Vincent Bruder

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kiezboten, der Stadtteilzeitung für den Sprengelkiez, Ausgabe 1/2013

2 comments

  1. Pingback: Eva Högl - Mitglied im Deutschen Bundestag
  2. Miriam

    Viel Geschwätz: ich kämpfe dafür…, ich setze mich ein…, ich bedauere es…, bla bla. Wo bleiben die konkreten Vorschläge? Einfach in den Kiez zu ziehen und sich damit brüsten, hat noch nie gereicht.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: