Ziemlich nah am Prenz’lberg: das „Gemischtwaren“

Das "Gemischtwaren" in der Eulerstraße
Das „Gemischtwaren“ in der Eulerstraße

Designertaschen und Kinderkleidung im Wedding?

Schon seit neun Jahren wohnt Kerstin Janssen in der Eulerstraße, eine sehr ruhige Wohngegend zwischen der schneisenartigen Osloer Straße und dem Gesundbrunnencenter. Die Designerin, die mit Tita Berlin auch ein eigenes Taschen-Label besitzt, nutzt das Ladenlokal im Erdgeschoss seit einigen Jahren als ihr Atelier und hat die Veränderungen im Kiez hautnah miterlebt. „In den letzten Jahren sind hier in unmittelbarer Nähe sieben Kindergärten entstanden“, sagt die 43-Jährige, die selbst zwei Kinder hat. Die Eltern, oft aus Pankow oder Prenzlauer Berg, finden hier am Gesundbrunnen einen Kindergartenplatz für ihre Kleinen und entdecken dadurch den Kiez. „Die Leute ziehen ihrem Kindergartenplatz hinterher“, erzählt Kerstin Janssen. Schon jetzt ist es schwieriger geworden, eine bezahlbare Wohnung in diesem Teil des Wedding zu finden.

Nicht nur Kinderklamotten
Nicht nur Kinderklamotten

Rasant schnell verändert sich die Bewohnerschaft

Der Kiez ist in Bewegung geraten, das Straßenbild hat sich durch die vielen Kinder gewandelt. Und Kerstin Janssen ist Teil davon: „Ich bin ein Freund von Veränderungen“, sagt die Designerin, die früher selbst im bachbarten Prenzlauer Berg gewohnt hat. „Im Atelier zu arbeiten kann eine einsame Arbeit sein, und da habe ich die Idee gehabt, aus dem Raum einen Laden zu machen.“ So ist das „Gemischtwaren“ entstanden. In dem freundlich gestalteten Laden gibt es neben den Taschen, die Kerstin Janssen unter ihrem Label vermarktet, auch Kinder-Second Hand-Kleidung und Produkte anderer Designer.

Das Erstaunliche ist nicht, dass die Produkte natürlich ihren Preis haben, sondern, dass sie der Ladeninhaberin aus den Händen gerissen werden. „Das Geschäft, das ich im August 2011 eröffnet habe, läuft sehr gut“, sagt Kerstin Janssen. „Es ist so ein Tante-Emma-Effekt: die Leute schreiben hier an, man kennt sich und die Kinder.“ Der Laden, das Umfeld und das Publikum erinnern an den Prenzlauer Berg Mitte der 1990er Jahre. Viele Kreative scheinen den nahe gelegenenen Ortsteil Gesundbrunnen mit noch niedrigen Mieten und schöner Altbausubstanz in rasender Geschwindigkeit für sich zu entdecken. Wenn aber junge türkische Mütter ab und zu auch mal ins „Gemischtwaren“ hereinschauen, ist das der Beweis, dass sich dieser Kiez immer noch im Wedding befindet. Das lässt hoffen, dass nicht eines Tages alle alteingessenen Mieter verdrängt werden, sondern eine gute Mischung erhalten bleibt.

Kerstin Janssens Kunden kommen gezielt in ihren Laden, auch von weit her – nichts Ungewöhnliches für Menschen, die gutes Design schätzen. Dass es aber auch Laufkundschaft für einen Designerladen im Wedding gibt, zeigt das Ausmaß der Veränderungen.

Gemischtwaren (mit Online-Shop)

Eulerstr. 18 (nahe S+U Gesundbrunnen)

geöffnet Di – Fr 11-16 Uhr

Mehr zum Thema: Montagehalle – Handgemachte Mode-Unikate aus dem Wedding

5 comments

  1. Pingback: Kein Valentinsdrama mit Liebesgaben aus dem Wedding | Weddingweiser
  2. Pingback: Tita Berlin: Die Kiez-Designertaschen | Weddingweiser
  3. Pingback: “aroshi” – Kleidung mit Hintergrund « Weddingweiser
  4. Pingback: Erste Wahl für Zweite Hand: “Elementarteilchen” « Weddingweiser
  5. Pingback: Montagehalle Berlin: Der Stoff, aus dem Weddinger Mode ist « Weddingweiser

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: