//

Die Gartenstadt Atlantic

Haus in der Gartenstadt Atlantic. Foto: Sulamith Sallmann
Haus in der Gar­ten­stadt Atlantic.

Bereits seit hun­dert Jah­ren ist gibt es die Gar­ten­stadt Atlan­tic, die nach jahr­zehn­te­lan­ger Ver­nach­läs­si­gung wie­der in gan­zer Schön­heit erstrahlt.

Mit ihren etwa 500 Woh­nun­gen und etli­chen Gewer­be­ein­hei­ten liegt die Gar­ten­stadt Atlan­tic im Orts­teil Gesund­brun­nen und umfasst die Hei­de­brin­ker und Zings­ter Stra­ße sowie einen Teil der Bel­ler­mann- und Behm­stra­ße. 1925 plan­te der jun­ge Archi­tekt Rudolf Frän­kel die Wohn­an­la­ge, dar­in ein­ge­schlos­sen als zen­tra­les Ele­ment das Kino Licht­burg. Das Kino war sei­ner­zeit mit 2 000 Plät­zen das größ­te in Ber­lin, fun­gier­te von 1947 bis 1963 als Cor­so-Thea­ter und wur­de dann bis zu sei­nem Abriss 1970 als Wei­zen- und Kon­ser­ven­de­pot genutzt. 1939 ent­eig­ne­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten den jüdi­schen Eigen­tü­mer der Gar­ten­stadt Atlan­tic, Karl Wolff­s­ohn. Spä­ter, nach einem lan­gen Pro­zess, erhiel­ten sei­ne Erben die Wohn­an­la­ge zurück.

In der Gartenstadt Atlantic. Foto: Sulamith Sallmann
In der Gar­ten­stadt Atlantic.

Auch wenn die far­ben­fro­he Sied­lung nicht im Sin­ne des sozia­len Woh­nungs­baus ange­legt wur­de, ermög­lich­te sie doch für ihre Zeit, in der feuch­te, enge und dunk­le Miets­ka­ser­nen in den Groß­städ­ten Nor­ma­li­tät waren, einen huma­nen Wohn­all­tag. Die Bewoh­ner der 1,5- bis 4‑Zim­mer-Woh­nun­gen mit Grö­ßen von jeweils 60 bis 120 Qua­drat­me­tern kön­nen die groß­zü­gi­gen und begrün­ten Innen­hö­fe zur Erho­lung nutzen.

Die Gar­ten­stadt Atlan­tic wur­de wegen ihrer archi­tek­to­ni­schen Beson­der­heit 1995 unter Denk­mal­schutz gestellt, was ihren lang­sa­men Zer­fall aber nicht auf­hielt. So ent­schlos­sen sich die Erben Micha­el und Rita Wolff­s­ohn, in die Sanie­rung zu inves­tie­ren. Fünf Jah­re lang wur­den Bäder moder­ni­siert, Küchen ver­grö­ßert, Bal­ko­ne zur Hof­sei­te ange­legt und Mai­so­net­te-Woh­nun­gen aus­ge­baut. Hin­zu kamen ein Café und das Licht­burg­fo­rum, das als Ver­an­stal­tungs­saal für Kon­zer­te, Lesun­gen und Ähn­li­ches genutzt wird und jetzt zudem das Klin­gen­de Muse­um Ber­lin beherbergt.

In der Gartenstadt Atlantic. Foto: Sulamith Sallmann
In der Gar­ten­stadt Atlantic.

Im Rah­men des Mie­ter­fests wird am 23. Juni 2016  ein Denk­mal für Karl Wolff­s­ohn enthüllt.

Buch­emp­feh­lung: Zoh­len, Ger­win (Hrsg.): Rudolf Frän­kel, die Gar­ten­stadt Atlan­tic und Ber­lin. Zürich: Nig­gli AG 2006

Der Text ist im Kiez­ma­ga­zin brun­nen erschie­nen. Autorin und Foto­gra­fin ist Sula­mith Sall­mann. Der Wed­ding­wei­ser koope­riert mit der Bür­ger­re­dak­ti­on im Brun­nen­vier­tel und ver­öf­fent­li­chen den Text des­halb auch auf dem Blog.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.