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Barbershops im Wedding:
Wo der Kiez an den Seiten kürzer wird

Der klassische Friseursalon mit Trockenhaube, Dauerwelle und Terminbuch ist im Wedding längst selten geworden. An seine Stelle tritt ein anderes Bild: volle Stühle, surrende Maschinen, arabischer Pop aus kleinen Boxen. Barbershops prägen heute das Straßenbild – und haben eine eigene Atmosphäre geschaffen.

Ein typischer Weddinger Barbershop: vier Plätze, ein paar Wartestühle, draußen zwei Raucher. Drinnen ruft jemand nach Kaffee, ein Barber zündet mit einem Feuerzeug feine Ohrhärchen an, ein Teenager zeigt nur kurz mit zwei Fingern auf den Nacken: „V, kein U.“ Mehr muss nicht gesagt werden.

VieleMänner besuchen solche Läden nicht nur wegen Bart und Haaren. Manche kommen nur zum Reden, andere, um sich mal kurz verwöhnen zu lassen. Gespräche wechseln zwischen Arabisch, Deutsch und Türkisch. Familien, Fußball, TikTok-Trends – alles fließt durcheinander.

Ritual und Treffpunkt

Für viele jüngere Kunden ist der Besuch ein wöchentliches Ritual. Ihre Frisuren folgen Trends, die sie über Social Media bekommen: Taper Fade, Burst Fade, sauber ausrasierter Nacken. Ein guter Schnitt ist eine Art Statussymbol – und ein Moment, in dem man sich „wie ein Star“ fühlen darf.

Andere Ku0nden sehen den Barbershop einfach als ihren sozialen Ort. Man trifft Bekannte, trinkt Tee, wartet gerne etwas länger als nötig und lässt sich dafür Zeit, um zu beobachten: Statt um Dauerwellen und Färbungen geht es darum, auf wie viele Millimeter der Rasierapparat eingestellt wird. Oder es wird das Rasiermesser für den Bart gewetzt. Den Ohrhaaren wiederum geht es per Flamme an den Kragen. Als Grundrauschen gilt das Surren von mehreren Rasierapparaten zur gleichen Zeit.

In Barbershops geht es zu wie im Taubenschlag: sie haben sechs Tage die Woche auf, Öffnungszeiten meist bis spät am Abend, viele Kunden, einfache Preisstruktur. Die Masse macht’s hier – und der Inhaber steht fast immer selbst am Stuhl. Die Branche steht zudem im Fokus von Schwarzarbeitskontrollen und Meisterpflicht, viele Betreiber müssen ihre Qualifikationen immer wieder neu nachweisen.

Barber statt Friseur – der Wandel im Kiez

Während ältere Herrenfriseursalons verschwinden, setzen Barbershops auf eine Mischung aus Retro-Optik und moderner Ästhetik: Lederstühle, Holzoptik, Vintage-Atmosphäre. Barbershops sind Orte für Gespräche, Alltagsrituale und Eitelkeit – und zugleich Ausdruck eines im Orient hoch angesehenen Handwerks, das auch im Wedding überall das Straßenbild prägt. Leicht erkennbar sind Barbershops an den Farben rot-weiß-blau, die sich oft an Pfosten drehen. Diese Streifen symbolisieren die Zeit, als Barbiere auch medizinische Behandlungen wie den Aderlass durchführten, wobei Rot für Blut, Weiß für Verbände und Blau oft für Venen steht.

Ist der Höhepunkt überschritten?

Weniger Trockenhauben, mehr Bartstyling: Manch einer mag das Verschwinden der klassischen Friseursalons bedauern, die vielen Barbershops sind ein Ausdruck der schnellen Veränderung unserer Kieze. Im Gegenzug sind Barbershops neue kommunikative Orte. Doch wie viele Barbershops unser Stadtteil verträgt, wird sich erst noch zeigen müssen.

Bilder: KI-generiert

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Ich wundere mich auch: Auf dreihundert Metern Wollankstraße findet man 4 Barbershops, abgesehen vom Salon Created by Ömer Avcii und Africa United. Diese beiden Salons unterseiden sich grundsätzlich von den anderen Angeboten. Heute fiel mir auf, dass offenbar ein weiterer Barber Shop kurz vor der Eröffnung steht. Ebenso auffällig ist die hohe Dichte an „Spätis“ zwischen dem Bahnhof und der Kattegat Straße. Man wundert sich! Selbst wenn man unterstellt, dass die Betreiber sich und ihre Familien ausbeuten, ist es nur schwer vorstellbar, dass diese Geschäfte sich wirklich rechnen!

  2. Naja, bei der Vielzahl der Barbershops bekomme ich ein ungutes Gefühl, wenn man auch weiss, dass arabische Clans dahinterstecken. Auf 100 m 3 Barbershops, da fragt man sich, wie von diesem Verdienst die Miete, das Material, die Mitarbeiter bezahlt werden. Das kann doch nicht hinhauen.

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