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Yoga zu Gitarrenklängen:
Wie eine Weddinger Lehrerin mit Rock und Metal neue Wege geht

7. April 2026

Sanfte Klänge und Meditationssound gehören für viele zum Yoga – doch im Wedding geht es auch anders. Eine Yogalehrerin setzt auf Gitarrenriffs, Indie und sogar Metal. Im Gespräch erzählt Jane, wie daraus ein eigenes Kurskonzept entstanden ist, warum „Krachmusik“ auf der Matte funktioniert – und wen sie damit erreicht.

Wie kam dir die Idee, Yogaklassen mit Gitarrenmusik anzubieten? 

Musik spielt in Yogaklassen fast immer eine Rolle, aber sie klingt oft sehr ähnlich, viel Meditationssound. Und für Menschen, die mit dieser klassischen Yogamusik nicht so gut zurechtkommen oder einfach einen anderen Musikgeschmack haben – so wie ich selbst auch – ist das eine schöne Alternative. Es gibt viel mehr, was in Yogaklassen funktionieren kann, als man vielleicht denkt. Gitarrenmusik kann die Atmosphäre auflockern und auch dafür sorgen, dass eine Yogaklasse spannender wird.

Kannst du beschreiben, wie deine Klassen aussehen und wie du zum Beispiel die Musik auswählst?

Ich bin seit 11 Jahren Yoga-Lehrerin und habe inzwischen einen großen Fundus an Playlists. Ich komme aber immer wieder auf meine ‚Krachmusik‘ zurück (lacht). Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch auf eine Art Musik hören dürfte, wären auf jeden Fall Gitarren dabei, ohne Zweifel.

Vor einer Klasse entscheide ich, welchen Stil es heute geben wird. Danach stimme ich den Aufbau und die Art der körperlichen Übungen auf die Musik ab. Bei düstererem, schwererem Sound wie Doom-Metal ist die Art der Bewegungen eher introspektiv. Solche Sequenzen würden dann vielleicht viele Vorbeugen beinhalten. Spielerische Klassen, etwa mit Indie-Rock, können auch mal kleine Extras wie Tennisbälle oder Jenga-Blöcke enthalten.

Wie waren bisher die Reaktionen auf solche Klassen?

Wenn die Leute die Musik nicht mögen, sagen sie einem das ja nicht unbedingt, sie kommen dann einfach nicht wieder. Und Musik ist natürlich sehr subjektiv, und mein Geschmack holt nicht jeden ab. Aber es gab tatsächlich viele schöne Momente in der Vergangenheit: Ich zitiere immer gerne Melanie, eine Stammschülerin. Von Januar bis März, wenn dunkle, düstere Musik perfekt in die Wintermonate passt, war sie eigentlich immer dabei, wenn ich gitarrenlastige Musik gespielt habe. Nach der ersten Hardcore- und Metal-Klasse kam sie auf mich zu und sagte: „Ich glaube, das war die schönste Yoga-Stunde, bei der ich jemals war.“ Ein anderer Schüler war neu im Studio damals und sagte: „Meine Freundin hat mich geschickt, das sei genau meine Musik.“ Und tatsächlich ist er dann auch geblieben und mehrere Wochen zu den eher rockigen Stunden gekommen.

Es ist ja leider immer noch so, dass Yoga oft als Frauen-Sport angesehen wird und Gitarrenmusik als Männer-Ding.

Ja, das stimmt. Auf Konzerten, auf die ich gehe, sind Frauen meist in der Minderheit, vielleicht 20 bis 30 Prozent. In Yogaklassen dagegen ist der Männeranteil oft nur zehn Prozent. Das finde ich schade. Vielleicht können meine Klassen hier auch eine Brücke sein.

Würdest du sagen, dass solche Musik in der Lage ist, vielleicht etwas rauszukitzeln, das andere Yoga-Klassen nicht schaffen?

Für mich ist das zum Teil schmerzvolle Musik, aber auf eine gute Art. Wenn man, wie man im Yoga sagt, das Herz öffnet, kann man sich auch für den Schmerz öffnen, vor dem man sich sonst vielleicht verschließt. Es klingt jetzt für meinen Geschmack fast zu spirituell, aber auf der Yogamatte kann man wirklich Dinge lernen, die man auch abseits der Matte gut gebrauchen kann.

Sind auch Leute willkommen, die noch nie Yoga gemacht haben?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, dieses Format hat das Potenzial, Menschen ins Yogastudio zu bringen, die sich sonst vielleicht nicht trauen. Wir empfangen jede Person mit offenen Armen. Und wenn man dabei schon auf musikalischer Ebene abgeholt wird, ist das vielleicht ein guter Einstieg. Und man kann sich ja auch sagen: ‚Naja, wenn der körperliche Teil nicht passt, dann ist wenigstens die Musik gut.‘

Kann man auch zu dir kommen wie bei einem DJ und sich etwas wünschen?

Also, es ist kein Wunschkonzert im klassischen Sinne. Aber ich bin offen für Wünsche, auch wenn ich nicht versprechen kann, dass sie immer umgesetzt werden. Ich finde, ein Song muss immer zur Gesamtstimmung der Playlist passen. Manchmal habe ich eine Playlist und merke, dass etwas nicht hineinpasst, wie ein Fremdkörper. Dann identifiziere ich das Stück und nehme es raus.

Du wohnst ja selbst im Wedding. Hast du das Gefühl, dass der Stadtteil sonst Yoga-technisch ganz gut ausgestattet ist?

Wedding ist yogamäßig gut versorgt. Besonders schön ist „Yoga at Lobe Block“, das Studio, in dem ich auch unterrichte und wo auch meine Gitarren-Klasse stattfindet. Ich habe viele Yoga-Studios in Berlin beturnt und kann unvoreingenommen sagen: Das ist eines der schönsten. Es sind keine prätentiösen Leute dort, man wird so angenommen, wie man ist. Im Sommer kann man sogar draußen Yoga auf dem Dach praktizieren, was, glaube ich, relativ einzigartig in Berlin ist.

Jane stammt aus Halle an der Saale, Sachsen-Anhalt, lebt aber seit 2018 in Berlin. Hauptberuflich ist sie als Psychologin in der Wissenschaft tätig, entwickelt aber auch Memospiele (quotery Berlin Edition) und unterrichtet Yoga und ganz bald auch Pilates.

Ihre Klasse „Yoga x Guitars“ findet immer dienstags von 19:45 – 21:00 Uhr bei Yoga at Lobe Block (Böttgerstraße 16) statt. Dort unterrichtet sie am Dienstag außerdem von 13:00 – 14:00 Uhr Rückenyoga.

Im flow*motion in der Schwedenstraße unterrichtet sie immer samstags von 9:00 – 10:15 Uhr Steel Mace Vinyasa, eine Art Yoga, Mobility- und High Intensity Intervall-Training mit Gewichten (siehe auch Foto).

Fabian Peltsch

Fabian Peltsch

Seit Jugendtagen wollte Fabian Peltsch in immer größeren Städten leben. Vom Dorf am Bodensee arbeitete er sich langsam hoch bis nach Peking. 2013 verschlug es ihn in den Wedding, wo er endlich die Balance zwischen urbanem Wahnsinn und nachbarschaftlicher Heimeligkeit gefunden hat. Hauptberuflich schreibt er als China-Experte für das Medienhaus Table.Media und als Kulturjournalist für den Rolling Stone und den Musikexpress. Sein Hauptquartier liegt am Nordufer.

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