Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Besonders wenn es um Sanierungen von alten U-Bahnhöfen geht, trifft dieser Spruch zu – und in Berlin erst recht. Am U-Bahnhof Seestraße wurde nun die Bauzeit des Bahnsteigs Richtung Alt-Mariendorf verlängert. Wir haben nachgefragt, was der Grund ist.

Als wir im Dezember bei der BVG nachfragten, sagte uns der Pressesprecher: alles im Zeitplan. Jetzt aber heißt es auf einmal: August 2027. Ein ganzes Jahr länger als ursprünglich geplant, in dem der Bahnhof nur zur Hälfte nutzbar ist. Darauf wiesen uns mehrere Leser hin, die uns ein Foto von dem Zettel am U-Bahn-Eingang schickten. Wir hakten also bei der BVG nach: Was ist da los?

Die Berliner Verkehrsbetriebe bitten um Verständnis: „Bei Bauprojekten im Bestand und vor allem an einer teils über 100 Jahren alten Infrastruktur kann es trotz sorgfältiger Planungen dazu kommen, dass zusätzliche Anforderungen und notwendige Maßnahmen erst im Zuge der Arbeiten sichtbar werden“, teilt uns Louisa Mahnke von der Pressestelle mit. An der Seestraße zeigten sich jetzt weitere Schäden an der Bausubstanz erst nach dem Freilegen der betroffenen Bereiche. Solche Befunde seien bei der Sanierung bestehender Bauwerke dieses Alters nicht unüblich. „Entscheidend ist, dass diese Schäden nun im Rahmen der laufenden Grundinstandsetzung direkt mit behoben werden können. So nutzen wir die aktuelle Baumaßnahme und machen unsere Infrastruktur nachhaltig fit für die kommenden Jahrzehnte“, so die BVG-Sprecherin gegenüber dem Weddingweiser. Der zweite Aufzug am U-Bahnhof Seestraße werde nach aktuellem Planungsstand im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb genommen. Wichtiger noch: Auch der Bahnsteig wird ebenfalls frühestens im zweiten Halbjahr 2027 wiedereröffnet.
Für die Weddinger heißt das: der U-Bahnhof Seestraße ist noch mehr als ein Jahr lang nur in Richtung Norden nutzbar.
Am U-Bf Seestraße wird deutlich mehr gemacht, als man von außen vermuten kann. Der Bahnsteig auf Gleis 1 wird vollständig erneuert. Gleichzeitig entsteht erstmals ein barrierefreier Zugang: Für den Aufzug müssen Schächte gebaut, Kabel verlegt und die Statik der alten Tunnel angepasst werden. Dazu kommt die Sanierung der historischen Tunnelkonstruktion, die teils undicht ist und Wasser durchsickern lässt. Stützwände, Treppen und brandschutzrelevante Bauteile werden ersetzt. Die Arbeiten finden in extrem beengten Verhältnissen statt. Das ist vor allem schwer planbar.
INFOS ZUM BAUVORHABEN



Zweieinhalb Jahre für die Sanierung eines U-Bahnhofs ist trotzdem ein absoluter Witz. Danke für nichts!
Ob der BVG bewusst ist, dass die große und bedeutende Kirche Notre Dame in Paris 2019 durch einen schweren Brand nahezu vollständig zerstört wurde und schon seit 2024/2025 wieder geöffnet wurde?!
Aber klar – eine technische Herausforderung wie dieser Aufzug ist natürlich auch nicht ansatzweise mit der Lächerlichkeit der Wiederherstellung einer abgebrannten Kathedrale zu zu vergleichen!
Aber im Gegensatz zu Paris, wo Präsident Macron das Projekt politisch vorangetrieben hat, haben wir keinen Regierenden Bürgermeister, der sich für den Baufortschritt solcher Nahverkehrsprojekte ernsthaft interessiert.
Hallo an Alle, auch an die, die nicht gegrüßt werden wollen.
Ich war in meinem Leben nur einmal als Bau Hilfsarbeiter (Ferienjob Sommer 1986) unterwegs.
Für die, die sich erinnern: sehr warmer Sommer! Größter Respekt vor dem, was auf Baustellen geleistet ist seit dem bei mir absolut vorhanden.Kannste glauben.
Was ich allerdings sehr sehr verstehe, daß ein Neubau schneller war in 50igern als Renovieren/Erneuern im 21.Jahrhundert. Und ja, klar weiß ich mehr Auflagen etc pp. Wir haben heute aber auch bessere Hilfsmittel etc pp, so daß sich diese wohl gegeneinander nivelliert?! Anbei ein Link zum Neubau U6 Kutschi – Alt Tegel in 4 1/2 Jahren!
Noch Fragen?
1/2 Halbes Jahrhundert vergangen und die Evolution sorgt für Rückschritte ….scheint es!
https://geschichtsforum-tegel.berlin/wp-content/uploads/52-Jahre-U-Bahn-nach-Tegel-2.pdf
Mahlzeit
na es hätte mich auch sehr gewundert, wenn der andere Bahnsteig glatt über die Bühne gegangen wäre. Man darf nicht vergessen, das Jahrzehnte lang oben unzählige Auto’s und LKW’s drüberbrettern. Da ich bei U-Bahnlinien – die nach Spandau und nach Paracelsus-Bad – mit gebaut habe, weiß ich das es auch in den Technikraümen im Tunnelbereich ein spürbares zittern zu spüren ist, wenn die Bahn vorbeifährt. All das führt eben zu Rissen in den Steinen und Beton was eben nicht gleich sichtbar ist.
Und dann ist da auch die Kabelführung, die dann möglicher weise geändert werden muss, das ist auch nicht an einem Wochenende mal huschhusch erledigt. Zu guter letzt ist noch zu sagen, wer noch nie auf dem Bau gearbeitet hat und noch nicht miterleben durfte, wie es ist ein Gebäude vom Rohbau bis zur Schlüsselübergabe mit zu erleben, dem felht einfach die Vorstellung wie das alles so abläuft
Grüße
Oh Reinhard, das ist ja interessant! Da musst du mal mehr erzählen, da bin ich sehr neugierig.
!!?? was genau soll ich erzählen….. wie arschkalt es im Februar war, wenn man unten im Technikraum arbeiten muss