Ein inklusiver Friedhof im Wedding

Der Wedding hat inklusive Friedhöfe. Bloß wissen die Wenigsten davon. Deswegen soll die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht werden. Anfang November hat die Aktionsfondsjury im Soldiner Kiez die nötigen Gelder für die Gestaltung eines entsprechenden Flyers genehmigt, in dem die Anforderungen an einen solchen Begräbnisplatz erläutert werden. Dieser Flyer soll eine Information für die Bewohner des Soldiner Kiezes sein und ihr Augenmerk auf die verschiedenen Friedhöfe wie zum Beispiel den St. Elisabeth Kirchhof II lenken. Aber ganz von vorne: Worum geht es beim Thema inklusiver Friedhof?

Franziskanerkloster: Nachschlag gegen die Armut

64-a-2008-franziskanerkloster_300_225 Abgekehrt von den Mühen des Alltags, ins Innere eingekehrt und fernab vom „wirklichen Leben“: so stellen sich die meisten ein Kloster vor. Doch im Franziskanerkloster an der Wollankstraße in Pankow, unmittelbar hinter der Grenze zum Wedding, geht es mitunter recht turbulent zu. Den vier Brüdern und den Mitarbeitern des Klosters kann man jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie den Bezug zur Realität verloren haben.

Großes Herz beweisen am Nikolaustag

Nikolaus und Mauerfall - Foto Peter Rode
Nikolaus und Mauerfall. Foto: Peter Rode

Schulleiter Peter Rode aus Hermsdorf bewies 1989 großes Herz als er mit seinen Schülern am 6. Dezember 1989 zum Grenzübergang Wollankstraße zog, um den ostdeutschen Grenzsoldaten Schokolade zu schenken. „Mein Vater musste 1954 aus der DDR fliehen, er kannte sich als Sozialdemokrat zu gut mit Karl Marx aus. Aber wenn sich die Chance bietet, dann soll man für eine Wiedervereinigung kämpfen“, erzählt Peter Rode heute. Damals zog er in den Kampf für ein gemeinsames Deutschland – mit Zucker. Eigentlich ein schönes Beispiel dafür, welchen Sinn im heutigen Datum, dem 6. Dezember, liegt.

Bahnhöfe im Wedding: Wollankstraße

S Bf WollankstrSo ganz korrekt ist es nicht, den Bahnhof Wollankstraße dem Wedding oder Gesundbrunnen zuzuordnen. Denn obwohl die Station sogar während der Teilung Berlins zum Westberliner S-Bahn-Netz gehörte, lag sie immer östlich der Grenzlinie. Ein Schild neben dem Eingang wies Passanten auf diese kuriose Situation hin. Die Mauer selbst verlief unmittelbar östlich des Bahnhofs und verhinderte den Zugang von Osten. Vom Bahnsteig aus konnten die Westberliner Fahrgäste direkt auf den Todesstreifen sehen. Als 1962 der Bahnsteig plötzlich absackte, kam ein noch nicht fertiggestellter Fluchttunnel zum Vorschein, der durch das Bahnviadukt vom Westen aus gegraben worden war. Wegen der vorzeitigen Entdeckung hat der Tunnel jedoch niemandem zur Flucht verhelfen können.