Ehrmann und der alte Wedding

Johannes Ehrmann, Foto: Manfred Esser
Johannes Ehrmann, Foto: Manfred Esser

Bis vor kurzem noch im renommierten „Wedding-Blog“ des Tagesspiegels aktiv, präsentierte Johannes Ehrmann im Eichborn Verlag Anfang März mit „Großer Bruder Zorn“ seinen großen Abschluss des Weddinger Abenteuers – so scheint es jedenfalls. Oder ist es bloß ein Berliner Roman, der rein zufällig im Wedding spielt? Ich habe den Roman gelesen und war trotz Skepsis positiv überrascht.

Johannes Ehrmann blickt von oben auf den Wedding

"Großer Bruder Zorn" von Johannes Ehrmann. Grafik: Eichborn Verlag.
„Großer Bruder Zorn“ von Johannes Ehrmann. Grafik: Eichborn Verlag.

„Schaudernd lege ich mich wieder schlafen.“ Über diesen Satz kann man sagen, dass er kurz ist und dass er ein Satz ist. Er stammt aus Heiko Wernings Buch „Mein wunderbarer Wedding“ (2010), ein Buch mit Lesebühnentexten aus dem Wedding. In Johannes Ehrmanns Buch „Großer Bruder Zorn“ (Verkaufsstart heute) steht zum Beispiel das Gefüge: „Ihre letzten drei Worte.“ Das ist auch kurz, aber es ist kein vollständiger Satz. Und das Buch „Großer Bruder Zorn“ spielt zwar im Wedding, aber es ist kein Roman aus dem Wedding, mehr ein Roman über den Wedding. Also Außenbetrachtung. Oder wie es im Klappentext heißt: „Johannes Ehrmann lebt am Rande des Weddings“ (Marketingdeutsch für: nicht im).