Das Jahr 2025 startete mit Loch, Umwegen und viel Improvisation
Der Jahreswechsel 2024/25 begann im Wedding nicht mit Raketen, sondern mit Rohrbruch. Während andernorts noch geböllert wurde, verwandelte sich die Kreuzung Seestraße/Guineastraße in einen ausgewachsenen See. Eine fast hundert Jahre alte Wasserleitung verabschiedete sich spektakulär, Hunderttausende standen abends ohne Trinkwasser da, und die Seestraße machte ihrem Namen endlich alle Ehre. Anwohner:innen schauten zu, wie Keller vollliefen, Sand aufschwamm und sogar Gummiboote gesichtet wurden.
Nachdem das Wasser wieder weg war, blieb ein ordentliches Loch im Mittelstreifen zurück – groß genug, um es direkt zum neuen Wahrzeichen des Winters zu erklären. Straßenbahnen fuhren hier erst mal nicht mehr, einige wurden stilecht per Unimog abgeschleppt.

Apropos Stillstand: Der öffentliche Nahverkehr machte im ersten Quartal seinem Ruf wieder alle Ehre. Auf der U6 hält in Richtung Alt-Mariendorf seit Anfang Januar kein Zug am Bahnhof Seestraße. Begründung: Der Bahnsteig ist zu schmal, um gleichzeitig zu bauen und zu halten. Wer dort raus will, fährt also vorbei und kommt später zurück – ein Prinzip, das man im Wedding inzwischen gut kennt. Ende 2026 gilt als grobes Ziel, was im Berliner Maßstab ungefähr „irgendwann“ bedeutet.
Zwischen all dem Beton und den Umleitungen gab es aber auch Kiezgeschichten. In der Reinickendorfer Straße rückte das Dan-Thai in den Mittelpunkt. Frau Dan, für viele so etwas wie die inoffizielle Chefköchin des Viertels, brauchte Hilfe – und bekam sie. Eine Spendenaktion sammelte schnell genug Geld, um sie finanziell zu entlasten. Anfang Januar wurde die Spende übergeben, der Kiez hatte geliefert. Dass der Imbiss später trotzdem wieder länger geschlossen blieb, passte irgendwie ins Gesamtbild dieses Quartals.



Neu sortiert wurde auch der Weddingplatz. Nach fast zwei Jahren Bauzeit ist er jetzt offen: mit neuen Bänken, Brunnen und vielen frisch gepflanzten, noch sehr kleinen Bäumen. Alles wirkt aufgeräumt, etwas kahl und ein bisschen so, als müsse der Platz selbst erst noch überlegen, was er sein will. Der Sommer soll es richten.
Dass Dinge nicht einfach verschwinden müssen, zeigte das Eltern-Kind-Turnen in der Gottfried-Röhl-Grundschule. Das Angebot stand kurz vor dem Aus, weil Übungsleiter Jürgen Nest mit 85 Jahren nicht mehr alles allein stemmen kann. Nach einem öffentlichen Hilferuf meldeten sich genügend Freiwillige – das Turnen geht weiter. Manchmal klappt Nachbarschaft also tatsächlich.
Grün war im ersten Quartal vor allem Thema bei Bauzäunen. In den Rehbergen begannen Vorbereitungen zur Entschlammung von Entenpfuhl und Sperlingsee, am Plötzensee starteten umfangreiche Uferarbeiten. Spazierengehen funktioniert dort jetzt anders als gewohnt, soll aber irgendwann zu besseren Seen führen.
Politisch wurde es im Februar mit der Bundestagswahl, bei der Berlin-Mitte neu sortiert wurde. Kurz danach trat am Leopoldplatz die Waffen- und Messerverbotszone in Kraft. Seitdem darf man dort vieles nicht mehr bei sich tragen, außer Geduld. Gleichzeitig setzte man am Leo auf Kultur: Artist-Residencies brachten Kunst in den öffentlichen Raum – finanziert aus Mitteln, die eigentlich für mehr Sicherheit gedacht sind.
Unterm Strich startete der Wedding ins Jahr 2025 mit Wasser, Baustellen, Umwegen und überraschend viel Eigeninitiative. Nichts lief ganz glatt, einiges lief gar nicht – aber langweilig war es definitiv nicht.





