Meine tägliche Schnellstrecke bringt immer wieder Überraschungen, unglaublich, was im Laufe von über 300 Tagen alles passiert. Ich laufe also zum Leopoldplatz und halte erschreckt inne an der Stelle der Kreuzung bei der Leo-Apotheke, weil sich dort etliche Menschen auf einen Punkt hin fokussieren: Da liegt ein Mensch in ergraute Decken gehüllt direkt am Straßenrand, unterhalb der Radfahrerampel.




In einer so gefährlichen Situation und Lage habe ich das noch nie gesehen. Da sich die Person bettete und sich wendete und man verstehen sollte, dass sie ungestört sein will, so hat auch niemand weiter eingegriffen oder ermahnt. Ich ging bei Ampelgrün weiter und dachte an eine noch schlimmeres Erlebnis, letztens einmal, als ich vom S-Bahnhof Wedding in die U-Bahn umsteigen musste.
Ich stehe auf Straßenniveau am Fahrstuhl zur U 6 nach unten und ein junger Mann kommt daher, mir den Weg schneidend und legt sich im nächsten Moment auf das etwa 50 cm hohe Mäuerchen neben dem Lift, der direkt neben der Straße liegt, wo schräg gegenüber auf der anderen Seite nunmehr der Neubau von Greenius entsteht. Dort bildet sich ab und an eine Autowarteschlange.
Der Mann muss extrem müde gewesen sein und reagiert nicht auf meine Rufe, es sei gefährlich dort.


Fotos: Renate Straetling
Autos brausen vorbei, oft ungebremst, wenn die Ampel grüne Welle zeigt. Ich denke, wenn man in tiefen Schlaf fällt, merkt man nicht, wie oft man sich dreht und wendet… Eine einzige verschlafene Drehung auf diesem deutlich weniger als körperbreiten schmalen Mäuerchen, wäre ein Todespurzelbaum in den fließenden Verkehr! Ich kann nichts mehr tun, den Mann nicht ermahnen, denn eine zweite Person müsste gleichzeitig den Verkehr stoppen oder einen Spurwechsel bewegen.
Mein unbremsbares Mitgefühl sagt mir, ich solle besser die Polizei zu Hilfe rufen. Sie kommt schließlich, und zwei Polizisten bemühen sich: Einer hält die beleuchtete Kelle hoch über die Fahrbahn, der andere weckt den Mann und bittet um Räumung dieser Stelle. Schließlich liegt hinter dem Aufzug ein langer begrünter Mittelstreifen mit frischem Gras, aber der Mann trollt sich.
Auf meinem üblichen Heimweg via Zeppelinplatz sehe ich weitere selig Schlafende, eingelullt in die aufgeräumte und stille Luft des wohl temperierten Sommers. Ich ertappe mich dabei zu bemerken, dass ich allen den heilsamen Schlaf gönne.



Gründe für dauerhafte Obdachlosigkeit sind höchst individuell. Alkohol, Drogen, zerbrochene Beziehungen. Mitte der neunziger Jahre schloß der Bezirk seine Obdachloseneinrichtungen mangels Nachfrage incl. der gerade fertiggestellten Einrichtung für obdachlose Familien in der Grenzstr. Fortan, bei Bedarf, Finanzierung von Unterbringungen in „Läusepensionen“. Dem Beschluß gingen umfangreiche Untersuchungen voraus. Kein Mensch war damals obdachlos weil er seine Miete nicht mehr aufbringen konnte. Man sollte derartige Legenden nicht transportieren.
Wenn es so weiter geht wie jetzt, wird Berlin in 5 Jahren nur noch aus ganz arm und ganz reich bestehen. Und bei den aktuellen Mieten / Steuern wird der Mittelstand, wenn man ihn noch so nennen darf zu den ganz armen gehören.
Das ist schon heute so und war auch früher schon so,
wenngleich heute mit noch stärkeren Trends.
In Deutschland leben überdurchschnittlich viele Superreiche und
13,4 Mio Menschen in Armutsgefährdung
(weniger als 60% des Durchschnittseinkommens).-
Das Reicherwerden liegt am Cantillon-Effekt, an den Cyberdevisen und
last but not least an der Mietenpolitik.
Und die 10.000 € an Sparvermögen (seit 2023), die man nach SGB als
Vermögensfreibetrag pro Person / Leistungsempfänger
haben darf, reichen nicht einmal für Beerdigungskosten
für eine Person und außerdem diejenige „Pille“, die man benötigt,
um assistierten Suizid an sich selbst zu praktizieren.
Ich lese, dass Sie andere Eindrücke und Erfahrungen gemacht haben und deshalb zu einer anderen Schlussfolgerung gelangen.
Dass Freibeträge des SGB im Einzefall zu niedrig sein können und korrekterweise nicht pauschal festgelegt werden dürften, und falls doch an die Inflation angepasst werden sollten, ist möglicherweise ein Punkt über den wir uns einig sein könnten.
Ich meinte schon die ganz großen weltweiten Treiber von Armut und Reichtum
nebst Trends.
Es gibt nicht nur die Welt der Grundsicherung, und – was leider zwangsläufig damit
einhergeht -, dass viele in Armut dies so erfahren und innerhalb
der Armut alle Teilbeträge und Kompensationen (Tafeln u.a.) messen und werten,
was sicherlich aber mehr als berechtigt ist.
Und ich finde es unmöglich, wie viele Menschen aus aller Welt, sich hier obdachlos breitmachen. Davon mal abgesehen, dass Berlin und speziell der Wedding sehr dreckig ist, liegt dieses Volk noch überall herum. Nein, ich will das nicht. Berlin verkommt immermehr. Diese ganzen Drogensüchtigen am Leopoldplatz! Meine Toleranz hat ein Ende.
Ich finde es problematisch, die Leute ohne ihr Wissen zu fotografieren, auch wenn aus großer Distanz, und hier zu präsentieren.
Auch in grundsätzlich wohlmeinender Absicht.
Ach herrje!
Hallo
doch so etwas muss man zeigen…. es gibt zu viele die sich wegen jedem kleinen Pups sofort getriggert fühlen. Das sind die Woken, die alles andere als aufgeweckt sind, weil sie die negativen Seiten unserer Zeit nicht sehen wollen und daher werden auch so viele Probleme aus politischem Korrektsein nicht mehr gelöst werden…
stürmischen Abend noch
Endlich schreibt das mal jemand auf!