Plätze sind Orte in einer Stadt, die Begegnungen schaffen; ganz ohne Eintrittspreis, ohne Öffnungszeiten und ohne Zwang, etwas Bestimmtes tun zu müssen. Orte, die eben für alle da sind. In der Realität entsprechen Plätze jedoch nicht immer diesem Ideal. Drogenkonsum, alkoholisierte Männer, marode Spielplätze, Menschenmassen, Müll, dunkle Ecken… Die Liste, warum Menschen Plätze meiden, ist lang. Dabei ist das Potenzial von Plätzen riesig.

Ein Platz im Wedding, der vielen wahrscheinlich gar nicht erst auffällt, ist der Blochplatz. Ein kleines Fleckchen Grün zwischen Badstraße, Böttgerstraße und Hochstraße – schräg gegenüber vom Bahnhof Gesundbrunnen und dem Gesundbrunnen-Center.
Seit 1910 ist der Platz nach dem Mediziner Markus Elieser Bloch benannt, der selbst eine zeitlang in Berlin wohnte und vor allem durch seine Lehre von Fischen Bekanntheit und wissenschaftliche Anerkennung erlangte.
Wer schon mal eine Tour mit dem Berliner Unterwelten e. V. gemacht hat, ist dem Platz eventuell auch indirekt begegnet, da sich genau unter ihm eine besuchbare Luftschutzanlage aus dem Zweiten Weltkrieg befindet. Auch die Fernbusse halten regelmäßig direkt vor dem Platz in der Böttgerstraße und gelegentlich auch die Busse für den Ersatzverkehr. Auf der anderen Seite der Bahngleise trumpft der Flakturm über den Wedding und den kleinen Blochplatz. Allgemein ist die Grünanlage sehr gut einsehbar, nur das Gras ist teilweise ein wenig hochgewachsen.

Trotz seiner Unscheinbarkeit und dem Humboldthain direkt nebenan ist der Park zu jeder Uhrzeit ziemlich gut besucht. Vormittags treffen sich Gruppen im Park, die eine Tour in den Luftschutzbunker machen möchten. Auf dem bereits in Teilen erneuerten Spielplatz sieht man Kitagruppen spielen und auf den Bänken sitzen vor allem ältere Menschen, die das Geschehen beobachten. Am Nachmittag und Abend verändert sich die Klientel. Menschen treffen sich hier, um den Feierabend ausklingen zu lassen und Kinder aus der Gegend rennen auf dem Rasen einem Fußball hinterher. Währenddessen zieht der übliche Trubel der Badstraße am Platz vorbei. Touristen nutzen den Platz, um zu den dahinterliegenden Hotels zu kommen und manche Menschen sieht man hier auch zu jeder Zeit. Sie schlafen auf einer Bank oder auf dem Rasen auf ausgebreiteten Pappkartons. Ab und zu sammelt einer von ihnen die stehengelassenen Pfandflaschen ein. Der Platz wirkt friedlich. Keiner scheint sich aneinander zu stören, auch wenn der Platz an sich eher heruntergekommen wirkt. Gerade am Abend ist der Platz jedoch stärker durch alkoholisierte Männer dominiert.

Um die Nutzbarkeit und auch das Sicherheitsempfinden der verschiedenen Nutzungsgruppen zu stärken, soll der Blochplatz nun umgestaltet und erneuert werden. Die Erneuerung ist Teil des Programms „Lebendige Zentren“ vom Land Berlin und dem Bezirk Mitte, welche das Gebiet rund um die Badstraße und die Pankstraße seit 2021 zum Förder- und Sanierungsgebiet erklärt haben. Damit soll das Gebiet auch besser auf Folgen des Klimawandels, wie Hitze oder Starkregen, vorbereitet werden.
Bei mehreren Beteiligungsveranstaltungen war die Nachbarschaft dazu eingeladen, Wünsche einzubringen. Ab Mitte 2026 soll nun mit der finalen Umstrukturierung unter Berücksichtigung klimaschonender Aspekte begonnen werden. Dabei wird auch die Hochstraße zu einer Sackgasse umfunktioniert. Anstelle dessen sollen eine Fläche von Parkour- und Kletterelementen entstehen sowie die Liegeflächen erneuert und ausgeweitet werden. Auch die Spielflächen werden erweitert und es ist eine umfassende Begrünung geplant. Außerdem sollen neue Sitzgelegenheiten rund um und auf dem Platz und eine weitere Tischtennisplatte entstehen. Eine nächtliche Beleuchtung ist ebenfalls vorgesehen. Mitte 2027 soll die Erneuerung dann abgeschlossen sein.

Der Plan klingt vielversprechend und wird sicherlich begrüßt. Gerade für die Anwohner*innen sind Orte, an dem kein Konsumzwang herrscht, zunehmend von Bedeutung, um sozialer Ausgrenzung und Isolation aufgrund von finanziellen Möglichkeiten entgegenzuwirken und Kindern und Jugendlichen Aufenthaltsräume abseits von Schule und Elternhaus zu bieten, wenn sich Vereinssport, Kino und Co. viele nicht mehr leisten können.
Text/Fotos: Gustav Körner


Anläßlich der Neueröffnung nach Umgestaltung, etwa vor 25 Jahren, war ich im Gefolge des Bezirksbürgermeisters zugegen. Meine Einschätzung damals, aus der ich kein Geheimnis machte: Schöne Heimstatt für Alkis und Obdachlose. Hörte man gar nicht gern.