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Rosa Linie, die es nicht gibt:
S15: Was man nicht hat, kann man auch nicht vermissen

24. März 2026
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Die Inbetriebnahme der neuen S-Bahn-Linie S15 am 30. März verschiebt sich erneut – und das aus bekannten, aber weiterhin ungelösten Gründen. Dies berichtet die Berliner Zeitung. Es ist ein seltsames Verhältnis, das diese Stadt zu ihrer neuen S-Bahn hat. Oder besser: zu der S-Bahn-Linie, die sie seit einem Vierteljahrhundert nicht hat.

Meinung Die S15 existiert vor allem als Versprechen. Als PowerPoint-Folie. Als rosarote Linie, die es nicht gibt. Als virtueller Termin im Kalender, der dann doch wieder abgesagt wird. Wer heute zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof unterwegs ist, hat sich längst arrangiert: einmal umsteigen, ein paar Minuten mehr – geschenkt. Das System funktioniert ja. Irgendwie.

Und genau darin liegt das eigentliche Problem. Denn was nie da war, fehlt auch nicht. Für den täglichen Pendelstress brauchen wir keine S15, und ausfallen kann sie so auch nicht. Diese virtuelle Linie ist kein Verlust – sie ist eine Dauerwerbesendung. Ein nicht eingelöstes Versprechen.

Währenddessen wächst die Liste der Gründe, warum sie nicht fährt, zuverlässig weiter: Stromversorgung zu schwach, Brandschutz mangelhaft, Prüfberichte ignoriert. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass hier nicht ein Projekt fertiggestellt, sondern ein Zwischenstand kunstvoll und mit viel Herzblut verwaltet wird. Oder ist das alles vielleicht ein Treppenwitz?

26 Jahre nach dem ersten Spatenstich ist die kürzeste S-Bahn-Linie der Stadt vor allem eines – die längste Baustelle im Netz. Ironischerweise darf der inzwischen ausgebuchte Museumszug probeweise am geplanten Eröffnungstag auf der Neubaustrecke rollen (Aussteigen im Tunnelbahnhof verboten).

Vielleicht ist das die eigentliche Berliner Pointe: Diese Strecke soll Verbindungen verbessern. Stattdessen hat sie vor allem eines perfektioniert – die Verbindung zwischen Ankündigung und Ausrede.

Und so bleibt die S15 das, was sie immer war: eine Linie, die niemand vermisst. Weil sie nie jemand hatte.


Gründe für die erneute Verzögerung

  • Technische Mängel bei der Abnahme: Besonders im Fokus steht die provisorische Endstation am Hauptbahnhof
  • Probleme bei der Stromversorgung: Fehlende Redundanzen für Notfälle (z. B. bei Stromausfall)
  • Brandschutz nicht ausreichend: Die Brandmeldeanlage fiel bei Prüfungen durch („glatte 6“)
  • Alte Mängel nicht behoben: Beanstandungen aus 2025 wurden laut Prüfer weitgehend ignoriert
  • Dokumentation unzureichend: Nachbesserungen bei Technik-Unterlagen erforderlich
  • Verzögerte Prüfprozesse: Abnahmen laufen länger als geplant
Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

7 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Also mir fehlt die Verbindung sehr wohl. Ich pendel beruflich regelmäßig ab Hauptbahnhof und wohne am Gesundbrunnen. Die bisherigen Verbindungen mit S-Bahn, Tram usw. sind extrem ungünstig. Die zwei Regio-Linien, die nach dem Wegfall des FEX am Gesundbrunnen übrig geblieben sind und von hier zum Hbf fahren, sind extrem unzuverlässig – und sie fahren eben nur 2x pro Stunde. Nichts worauf ich mich verlassen kann/will.
    Von daher registriere ich das Fehlen der S15 wöchentlich schmerzhaft.

    • Ganz genau. 👍🏻 Die Fahrt mit S-Bahn oder Tram vom Gesundbrunnen bis zum Hauptbahnhof dauert bis zu 20 Minuten, man muss 1x Umsteigen. Dabei ist der Hauptbahnhof nur 2 Stationen entfernt bzw. eine mit dem Regionalzug, der eben seit der Einstellung des FEX kaum mehr direkt fährt. Damit sind es gerade mal 5 Minuten ohne Umstieg. Das macht für viele Nordberliner einen deutlichen Unterschied, vor allem natürlich für Pendler, die über den Hauptbahnhof fahren müssen.

  2. Frei nach Jonny Liesegang’s „Ditt fiel mir uff“: Die Berliner brauchen Nachhilfe in Projektmanagement. Beinhart Tag für Tag an der Datenbank!

  3. DER Planungsfehler Hauptbahnhof:
    Ein Fremdkörper im Ringbahnsystem Berlins
    Um von den Umsteigeproblemen zu schweigen – in diesem Immohai-Investorenprojekt, in dem ganz nebenbei auch ein Zugbetrieb stattfindet (= Deutsche Bundesbahn, pseudo-privatisiert: niemand verantwortlich außer den Abzockern).
    Mit Kinderwagen brauchte ich regelmäßig 35-45 Minuten, um von der S-Bahn in den Atomkeller-ICE umzusteigen. Zum Glück ist mein Kind inzwischen erwachsen.

    • Gutem Morgen.
      Atomkeller, haha sehr schön! 😀
      Ich empfinde das Abfahren aus dem sog. Atomkeller mit Kinderwagen und Gepäck allerdings deutlich angenehmer und auch sicherer, als von den oben gelegenen Bahnsteigen, wo ich das Vorbeigehen an anderen Reisenden für potentiell lebensgefährlich halte. Nie und nimmer würde ich da oben mit dem Kinderwagen an der Bahnsteigkante entlang balancieren.
      Also auch da oben: schwerwiegende Planungsfehler.
      Darf aber aus architektonischen Urheberrechtsgründen nichts dran verändert werden.
      Tja, so is ditte!

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