Mastodon

Eingabehilfen öffnen

Wo der Wedding überrascht:
Im buddhistischen Tempel

14. März 2026
1

„So habe ich mir einen Buddhisten nicht vorgestellt“, schießt mir als erstes durch den Kopf, als ich Wolfgang sehe. Andererseits – was ist ein typischer Buddhist? Wolfgang, führt mit einem Funkmikrofon die Gruppe von etwa 50 Besuchern durch den Tempel der chinesischen Fo-Guang-Shan Gemeinschaft in der Ackerstraße. Er erfüllt eher das Klischee eines typischen Berliners: mittelalt, mittelgroß, mit leichtem Berliner Slang und leichtem Bauchansatz. Er stellt uns die beiden Meisterinnen vor, die den Tempel leiten. Die sehen dann schon so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Klein, kahl rasierter Kopf und hellbraune Kutten. Sie verbeugen sich freundlich und wir gehen weiter.

Auf einem der breiten Sessel im Meditationsraum nimmt er uns gegenüber Platz und erzählt die Geschichte Buddhas. Der war kein Gott, sondern ein Mensch. Meist dargestellt mit dickem Bauch und langen Ohrläppchen, weil er in jungen Jahren im Königspalast ein Leben in Saus und Braus führte und durch den schweren Goldschmuck seine Ohrläppchen ausgeleiert waren. Er verließ den Palast, verbrachte sechs Jahre in Askese – ernährte sich der Legende nach von einem Reiskorn am Tag – und erlangte später die „Erleuchtung“. Das bedeutet Buddha im Wortlaut: Der Erleuchtete. Es kommen viele Fragen zu Regeln und Bräuchen der Gemeinschaft: „Warum stehen hier überall rosafarbene Orchideen?“ „Weil ein Gemeindemitglied eine Gärtnerei besitzt und die übrig waren.“ Nicht alles hier hat eine Bedeutung. Die Schriftzeichen im Eingangsbereich schon: 10 Praktiken, nach denen man leben soll. Viele ähneln den 10 Geboten.

Bevor wir den eigentlichen Tempel betreten, müssen wir erstaunlicherweise nicht die Schuhe ausziehen. Das ist vermutlich dem gut zu reinigenden Fliesenboden geschuldet. Der große Saal ist noch bunt geschmückt vom chinesischen Neujahrsfest. Die roten Lampions und rosa Orchideen bilden einen eigenartigen Kontrast zu dem kühlen, zu hell beleuchteten Gebäude, das eher an ein Seminarhaus als einen Tempel erinnert. Die Temperaturen sind ebenso kühl. Wahrscheinlich ändert sich dies, wenn sonntags von 11:00 -12:30 die Teilnehmer der Zeremonie die große Halle bevölkern und mit Rezitationen auf Chinesisch füllen. Jeder ist herzlich willkommen und darf im Anschluss am gemeinsamen Essen im Speisesaal teilnehmen. Mittwochs findet die Meditationsrunde statt. Auch da dürfen Neugierige gerne vorbeischauen: „Aber vorher anmelden“, bittet Wolfgang, „damit die Kissen nicht ausgehen“.

Zum Abschluss noch eine Runde durch den kleinen Verkaufsraum: Bücher, Ketten – und natürlich Buddhas. Am Ausgang drückt mir eine der Meisterinnen ein Täschchen in die Hand: Ein kleines Tütchen Reis, damit ich immer etwas zum Essen habe, eine Süßigkeit und eine ausgedruckte Lebensweisheit: „Um Gutes zu vollbringen, braucht man Ausdauer und Durchhaltevermögen“. Damit ich den Rest des Tages durchhalte, brauche ich jetzt erst einmal etwas Richtiges zu Essen.

Fo-Guang-Shan-Tempel, Ackerstraße 85-86, 13355 Berlin

Öffnungszeiten: Di-So 10:00 – 17:00 Uhr

Besichtigungen sind dienstags bis samstags auf den Eingangsbereich und das Erdgeschoss beschränkt. Im Eingangsbereich darf man beten und eine Lichtopfergabe entzünden. Im Außenbereich darf man neben dem Eingang ein Weihrauchstäbchen als Opfer darbringen.

Unser erster Bericht über den Tempel

Silke Gerlach

Silke Gerlach

Ich lebe seit kurz vor dem Mauerfall im Wedding. Immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen im Kiez, profitiere ich seit Jahren von den Empfehlungen des Weddingweiser. Ich schreibe einen eigenen Blog happyvibehappylife.de und seit neuestem auch Beiträge über meine Ausflüge im Wedding.

1 Comment Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Nicht nur zufällig gut

MastodonWeddingweiser auf Mastodon
@[email protected]

Wedding, der Newsletter. 1 x pro Woche



nachoben

Auch interessant?