Über Jahrzehnte gehörte eine besondere Linie zum Inventar des Weddings. Die 12S, später 12E, erzählt von einer Zeit, in der politische Umstände das Mobilitätsverhalten veränderten, Straßenbahnen verschwanden und der Bus plötzlich zur einzigen Alternative wurde.

Als die BVG ab den 1950er-Jahren schrittweise die Straßenbahn einstellte, veränderte sich der öffentliche Verkehr in vielen Stadtteilen grundlegend. Bereits im August 1964 rollten im Wedding keine Straßenbahnen mehr. Neben der U-Bahn blieben Busse das Rückgrat des Oberflächenverkehrs.
Eine besondere Rolle spielte dabei der sogenannte S-Bahn-Boykott in West-Berlin. Da die S-Bahn von der Deutschen Reichsbahn (und somit von der DDR) betrieben wurde, mieden viele Fahrgäste die rot-gelben Züge. Das betraf im Wedding zum Beispiel die Strecke nach Frohnau. Um den Verkehr in den äußersten Norden zu beschleunigen, reagierte die BVG: Bereits zum 1. Juli 1950 richtete sie die zuschlagfreie Schnellbuslinie 12S ein, die im Wedding begann. Sie war Vorbild für die später eingeführten (zuschlagpflichtigen) Schnellbusse der BVG in anderen Stadtteilen. Und erinnert an die heutigen Expressbusse, die mit einem X vor der Liniennummer gekennzeichnet sind.

Die 12S ergänzte die Stammlinie 12 (ab Bernauer Str./Gartenstr.) und verband den U-Bahnhof Seestraße mit dem S-Bahnhof Frohnau. Ab Juni 1958 starteten sowohl die Schnellbusfahrten bereits am U-Bahnhof Leopoldplatz und führten bis Frohnau, Zeltinger Platz. Die 12S war klar auf den Berufsverkehr zugeschnitten: Sie verkehrte nur an Werktagen, ab Mai 1964 ausschließlich montags bis freitags, jeweils in der morgendlichen und nachmittäglichen Hauptverkehrszeit. Der Fahrzeitvorteil gegenüber der normalen Linie betrug rund 13 Minuten. Gefahren wurde im dichten Takt. Zwischen 5:30 und 8:30 Uhr sowie von 15:30 bis 18:30 Uhr kamen die Wagen alle zehn Minuten. Damit war die 12S über Jahre hinweg ein gut getaktetes Angebot für Pendlerinnen und Pendler.

Zum 2. Mai 1968 erhielt die Linie einen neuen Namen: Aus der 12S wurde die 12E. Mit ihr verschwand auch die letzte Erinnerung an den ursprünglichen Schnellbuscharakter der Linienbezeichnung. Wenig später endete der Schnellverkehr im Busnetz insgesamt.
Bis zum endgültigen Ende der roten 12E dauerte es aber noch viele Jahre, als es 1984 zu einer Zäsur im Berliner Nahverkehr kam, der Übernahme des S-Bahnbetriebs durch den West-Berliner Senat. Die BVG erhielt den Auftrag, die S-Bahn zu betreiben. Mit der schrittweisen Wiederinbetriebnahme der Strecken wurden die Expressfahrten der Buslinie überflüssig.
So verlor auch die 12E nach fast 34 Jahren ihre Berechtigung. Zum Fahrplanwechsel am 1. Oktober 1984 verschwand sie aus dem Liniennetz. Zeitgleich fuhren wieder S-Bahnen von Gesundbrunnen über die Wollankstraße nach Frohnau – nun nutzbar mit einem einheitlichen BVG-Fahrschein für Bus, U-Bahn und S-Bahn. Aus dem 12er-Bus wurde 1991 der 120er Bus, den es – mit veränderten Linienenden – bis heute gibt.

Mit Material der Berliner Verkehrsseiten
Erinnert ihr euch noch? Das waren die Linien im Wedding im Jahr 1966:
A12 Bernauer Str./Gartenstr.<>Frohnau, Hainbuchenstr.
A12S U-Bhf. Leopoldplatz<>Frohnau, Zeltinger Platz
A14 Heiligensee, Alt-Heiligensee<>Gesundbrunnen, Rügener Str.
A16 Osloer Str./Drontheimer Str.<>Breitenbachplatz/Englerallee
A61 Gartenplatz/Feldstr.<>Reinickendorf, Zobeltitzstr.
A64 Reinickendorf, Septimerstr.<>Vinetaplatz
A70 Wollankstr.<>Moabit, Wiebestr.
A71 Wilhelmsruh<>Vinetaplatz
A72 Alt-Reinickendorf< Nauener Platz >Gartenfeld
A79 U-Bhf. Leopoldplatz<>Reinickendorf, Klemkestr./Sommerstr.
A83 Nettelbeckplatz/Lindower Str.<>Lankwitz, Belßstr./Preysingstr.
A89 Bornholmer Str.<>Mehringplatz
A90 Zoo, Hardenbergplatz<>Vinetaplatz
A99 Brunnenstr./Lortzingstr.<>Spandau, Germersheimer Platz



Falls mal jemand die Oldtimer Busse der Firma Büssing erleben möchte, die Ausflugslinie 218 vom ZOB über Theodor-Heuss, Heerstrasse, dann gemütlich die Havelchaussee, Kronprinzessinnenweg etc runter mit Ziel Pfaueninsel wird mit Bussen der siebziger und achtziger Jahre befahren. Nur Aschenbecher sind demontiert 😉 Guckst Du hier: https://www.traditionsbus.de/linie_218.htm
Gut, is nicht Wedding, aber dieselben Busse sind auch im Wedding rumgegurkt. Tierisch Laut und mit Brettharter Federung. Tja, die Älteren sind halt doch aus einem anderen Holz geschnitzt . . . .
Quatsch, ich meinte natürlich die Linie 89.
Die Favorisierung des Busverkehrs hatte seinerzeit durchaus Sinn. Viel weniger an Autoverkehr erlaubte schnelle Fahrten, Busse waren flexibler einsetzbar als die z.T. maroden Straßenbahnen, oft noch der Vorkriegszeit entstammend. Entsinne mich noch gerne der Fahrten mit den Doppeldeckern der Linie 70, Büssing-Diesel, bretterten im Höllentempo die See-, Osloer- und Bornholmer Str. runter, als gäbe es kein Morgen. Schönes Kleinsteinpflaster mit kleinen Sprungschanzen, das Podest hinten offen, ohne Türsicherung. Heutzutage ist die Nutzung der Busse direkt langweilig geworden, falls denn mal einer kommt.