Wer heute an der Müllerstraße unterwegs ist, denkt zuerst an eine verkehrsreiche Straße, die ihre besten Zeiten wohl hinter sich hat. Vor 120 Jahren hatte die Gegend noch eine ganz andere Anziehungskraft: Hier eröffnete der Schausteller Adolf Rautmann – im Wedding besser bekannt als „Onkel Pelle“ – einen Rummelplatz. In Chroniken wird der Schritt meist auf 1906 datiert, als Rautmann in der Müllerstraße 147 einen Rummel namens „Der Berliner Nordpark“ eröffnete.

Ein Schausteller als Kiezfigur
Adolf Rautmann (1869–1937) war Zirkuskünstler und Schausteller – und ein „Berliner Original“, wie es später oft heißt. Er trat unter anderem im Zirkusumfeld auf und war vor allem als Kinderunterhalter bekannt: kleine Kunststücke, Musik, Späße, Süßigkeiten – eine Figur, die auf Straßen- und Kiezfesten gut funktionierte, lange bevor es dafür feste Begriffe gab. Der Spitzname „Onkel Pelle“ wurde so populär, dass er sogar markenrechtlich geschützt gewesen sein soll. Das „Berliner Original“ starb 1937 in seiner Wohnung in der Müllerstraße 148.
Wohnen, Gewerbe, Vergnügen
Dass Rautmann ausgerechnet an der Müllerstraße einen Rummel aufmachte, passt zur Entwicklung des Weddings um 1900: Die Straße war eine der großen Achsen, entlang der sich Wohnen, Gewerbe und Vergnügen verdichteten.
Wie so ein Rummel ausgesehen haben könnte? Für den Rummelplatz des Herrn Brandes an der Ecke Soldiner/Prinzenallee war, ist für 1921 an Buden belegt: ein Flieger, ein Radfahrer- und ein Bodenkarussell, eine russische und eine Familien-Schaukel, mehrere Schau- und Schießbuden, Wurstbuden, Zigarren- und Konfitürenstände, Eiskonditoreien, Spielhallen, Automaten, eine Gänseverlosung, Billard, Faust- und Schlaghammer, Athleten und ein Panorama, Platten- und Ballwerfen sowie eine Pufferbude und ein „Hoppla-Hopp“ genanntes Geschäft.
Die Pappeln als Erinnerung an Onkel Pelle

Doch noch heute erinnert etwas an Rautmann: die „Onkel Pelle“-Pappeln vor dem Rathaus Wedding. Laut Gedenktafel wurden dort 1924 Pappeln von Adolf Rautmann gepflanzt; nach einer Erkrankung mussten sie 1989 gefällt werden, die Neupflanzung erfolgte 1991.
Wie ging es eigentlich mit dem Rummel an der Müllerstraße zu Ende? Ab 1927 wurde auf dem Grundstück das Rathaus Wedding gebaut, Onkel Pelle zog mit seinem Rummel an die Prinzenallee.

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Super Regionalgeschichte!
Zur Lokalgeschichte haben wir noch viel mehr Artikel:
https://weddingweiser.de/category/lokalgeschichte/
Zusätzliche Infos habe ich auf Berlin.de gefunden:
„Onkel Pelle
Mit seinen Kunststücken hatte der Zirkuskünstler und Schausteller Adolf Rautmann so viel Erfolg, dass er sich seinen Spitznamen markenrechtlich schützen ließ. Der Freund Heinrich Zilles trat vor allem vor Kindern auf, nachdem er schon mit dem Circus Renz und dem Circus Krone unterwegs gewesen war. Diesen zeigte er lustige Tricks, zauberte wie von Geisterhand Bonbons hervor und verkleidete sich mit lustigen Mützen und Kostümen. Den Namen handelte ihm seine hagere Erscheinung ein: Nur Pelle und Knochen.“
Ach! Unglaublich! Tolle Geschichte!!