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Baustelle im Weddinger U-Bahn-Netz:
U-Bahnhof Seestraße: Was die BVG zum Baufortschritt sagt

5. Dezember 2025
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An der Seestraße müssen U-Bahn-Fahrgäste seit Januar umdenken. Seitdem leben Fahrgäste, Anwohnende und Gewerbetreibende mit einem halb gesperrten Bahnhof, langen Umwegen und dauerhaftem Baulärm. Der Bahnhof gehört zu den wichtigsten Umsteigepunkten im Kiez – entsprechend groß ist der Frust. Gleichzeitig fragen sich viele, wann dieser Zustand endlich endet und ob es überhaupt Fortschritte gibt.

Um das herauszufinden, haben wir bei der BVG nachgefragt und um eine konkrete Einschätzung gebeten. Immerhin ist bekannt, dass Sanierungen an über hundert Jahre alten U-Bahn-Strecken selten glatt durchlaufen. Wann also können Menschen im Wedding mit einer Entspannung der Lage rechnen?

Bevor wir zur Antwort kommen, lohnt ein Blick auf die Hintergründe – denn am Bahnhof Seestraße wird deutlich mehr gemacht, als man von außen vermuten kann. Der Bahnsteig auf Gleis 1 wird vollständig erneuert, inklusive neuer Bodenbeläge, Leitstreifen, Beleuchtung und Infrastruktur. Gleichzeitig entsteht erstmals ein barrierefreier Zugang: Für den Aufzug müssen Schächte gebaut, Kabel verlegt und die Statik der alten Tunnel angepasst werden. Dazu kommt die Sanierung der historischen Tunnelkonstruktion, die teils undicht ist und Wasser durchsickern lässt. Stützwände, Treppen und brandschutzrelevante Bauteile werden ersetzt, während der gesamte Betrieb der U6 weiterläuft – mit Halt nur in Richtung Norden. Die Arbeiten finden in extrem beengten Verhältnissen statt und jede freigelegte Stelle kann neue Überraschungen aus der über hundert Jahre alten Substanz zutage fördern. Diese Kombination aus Altbau, komplexer Technik und laufendem Betrieb erklärt, warum die Sanierung so lange dauert. Bis jetzt liegt alles noch im Zeitplan.

Die östliche Seite ist schon saniert und barrierefrei

Und nun zur Frage nach dem Zeitplan: Kommen die Arbeiten wie geplant voran? Sind unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten?
Wir haben das direkt an die BVG weitergegeben. Nils Kremmin, Pressesprecher, antwortet wie folgt:

„Die Wiedereröffnung des Bahnsteigs mit einer Treppe und die Inbetriebnahme des Aufzugs werden nach aktuellem Stand voraussichtlich im 4. Quartal 2026 erfolgen. Mit Wiedereröffnung des Bahnsteigs werden die Bahnen auch wieder am Gleis 1 halten.“

Damit ist absehbar: Frühestens Ende 2026 können Fahrgäste wieder den kompletten Bahnhof nutzen. Bis dahin bleibt uns die Baustelle erhalten.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

10 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Eines macht mich stutzig und zwar die Aussage: „Wiedereröffnung des Bahnsteigs mit einer Treppe“ – und war ist mit der zweiten Treppe? Ist die dann wegrenoviert oder braucht die einfach länger?

  2. Bei öffentlichen Ausschreibungen bitte zukünftig auch chinesische Bau-Unternehmen zulassen. Dann wird es erstens kostengünstiger und fertig wäre man nach einem Drittel der Zeit.

  3. Die BVG baut am U-Bahnhof Seestraße schon seit 2018, nur für die östliche Seite brauchte sie glatte sechs Jahre.
    Vor dem ersten Weltkrieg wollte man den ersten Abschnitt der „Nord-Süd-Bahn“ zwischen Halleschem Tor und Seestraße in gut fünf Jahren realisieren, also 6,6 Kilometer Tunnel einschließlich der Spreeunterquerung und insgesamt zwölf unterirdische Bahnhöfe – und das vor allem mit Hacke und Spaten!
    Der Weltkrieg stoppte die Arbeiten , sie wurden danach wieder aufgenommen und trotz Hyper-Inflation und extremer öffentlicher Finanznot bis 1925 abgeschlossen.

    Heute stehen uns ganz andere technische Möglichkeiten zur Verfügung, aber wir schaffen es noch nicht mal, in einem vergleichbaren Zeitraum einen halben U-Bahnhof zu sanieren! Am U-Bhf Pankstraße braucht die BVG übrigens ähnlich lange: Wir warn schon mal besser hier in Preußen!

    • Das gleiche hast du auch bei der SBahn, siehe S21 oder Cityline, die ersten arbeiten waren, vor 2000 am Bahnhof Westhafen, der Senat oder die Bahn sah keine Notwendigkeit drinnen, für die WM 2006 fertig zu stellen, und immer noch nicht eröffnet, selbst der Interimsbahnhof lässt auf sich warten.

  4. Bin Anfang 2020 nach Berlin gezogen und 5 Jahre später ist der Aufgang Sonnenallee am Hermannplatz von der U 8 immer noch dicht. Seestraße dürfte deutlich schneller fertig werden

  5. Gleis 1 ist schon seit Oktober 2024 gesperrt. Das wären dann „paar Jahre“ bis es fertig ist. Und es wäre schön, wenn man wieder die U-Bahn sorgenfrei betreten könnte. Habe meinem Kind nicht umsonst früher gesagt, entweder ganz hinten o. vorne auszusteigen, damit es nicht von zugedröhnten Männern angequatscht wird.

  6. Toll wäre in diesem Zusammenhang ja auch mal ein Konzept auszuarbeiten, wie die Dealer- und Trinkerszene aus dem dann neuen Bahnhof ferngehalten wird.
    Gerade am Gleis 1 des Bahnhofs Seestraße war immer wieder mit Körperausscheidungen zu rechnen, es roch durchgehend nach Rauch, weil die Trinker eben zusätzlich auch gerne noch ihre Kippen rauchen. Das war selten ein Fahrgast, der dort so zur Vermüllung, auch der Bahngleise, beigetragen hat, wie dieses Klientel.
    Kann sich die BVG vielleicht auch nachhaltig damit beschäftigen, wie man es nach so einer aufwändigen Renovierung vielleicht auch mit mehr Präsenz von Sicherheitspersonal schafft, dort einen angenehmen Raum für die zu schaffen, die dort auch durch Ticketkäufe investieren?

    • Früher war halt alles anders.
      Da war immer Personal auf den Bahnhöfen. Da habe ich mich als Kind auch sicher gefühlt und meinen Eltern war es auch nicht komisch wenn ich alleine gefahren bin. Im Falle eines Falles konnte man am nächsten Bahnhof sofort Hilfe holen. Abgesehen davon hatte das angesprochene Klientel dadurch gar nicht die Möglichkeit sich dort festzusetzen.
      Ich bin ab der Oberstufe täglich an der Seestraße aus- und eingestiegen.

  7. Das klingt extrem schnell für mich. Hat die andere Seite nicht viel länger gedauert? ich habe mich auf ein paar Jahre eingestellt, die Arbeiten haben doch gerade erst angefangen.

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