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Über das Ehrenamt "Vertrauensperson":
Vertrauen für die Pflege-WG

24. September 2025

Für das Wohnen im Alter gibt es unterschiedliche Wohnformen – nicht nur den Verbleib in der bisherigen Wohnung. Zur Auswahl stehen Seniorenwohnheime, Pflegeheime oder auch, etwa nach einer Verwitwung, die Gründung einer Wohngemeinschaft im eigenen Haus oder in einer großen Mietwohnung.

Betreutes Wohnen oder ambulant betreutes Wohnen sind weitere Optionen, um mit den Einschränkungen des Alters gut zurechtzukommen. Noch immer leben jedoch nur rund 15 Prozent der älteren Menschen barrierearm (2023; bpb.de).

Eine zusätzliche Möglichkeit für Menschen mit Pflegegrad sind Pflege-Wohngemeinschaften. Dazu führte ich ein Gespräch mit vertrauensperson.berlin, der Berliner Stelle für Beratung, Begleitung und Qualifizierung ehrenamtlicher Vertrauenspersonen.

Frau Witteck (links) und Frau Schaeffler von vertrauensperson.berlin – Foto: Kristina Kast (@krystalkast)

Wie entwickelte sich diese Wohnform?

Pflegewohngemeinschaften sind lebendige Orte des Zusammenlebens. Hier wohnen mindestens drei und höchstens zwölf pflegebedürftige Menschen in einer gemeinsamen Wohnung. Diese Orte sind geprägt von Nähe, Alltagsmomenten und menschlicher Vielfalt.

In Berlin entstanden sie in den 1990er Jahren zunächst als selbstorganisierte Demenz-WGs von Angehörigen. Daraus entwickelten sich ambulant betreute Wohngruppen, später rechtlich abgesicherte und professionell durch Pflegedienste begleitete Angebote. Eine Weiterentwicklung ist die anbieterverantwortete Pflegewohngemeinschaft, die Qualität, Verbraucherschutz und klare Zuständigkeiten stärkt. Ergänzend übernehmen unabhängige ehrenamtliche Vertrauenspersonen wichtige Aufgaben.


In welchem Umfang gibt es Pflege-WGs in Berlin?

Pflege-WGs werden in der Statistik unter den ambulanten Hilfen erfasst. Laut Jahresbericht 2022 der Heimaufsicht (LAGeSo) gab es damals 766 Pflegewohngemeinschaften. Die genaue Zahl der Bewohnenden ist nicht öffentlich ausgewiesen. Schätzungen gehen für 2025 von rund 800 Pflege-WGs mit etwa 6.500 Bewohner:innen in Berlin aus.

Damit verbunden ist ein erheblicher Bedarf an ehrenamtlichen Vertrauenspersonen, die von der Vertrauensstelle gewonnen und begleitet werden.


Wie lange arbeiten Sie und Ihre Kollegin Frau Witteck in diesem Bereich? Was ist Ihr Hauptanliegen?

Seit gut anderthalb Jahren ist es unsere Aufgabe, ehrenamtliche Vertrauenspersonen zu befähigen und zu unterstützen, damit sie die Anforderungen des Gesetzes an Empathie und Schutz erfüllen können.

Das Miteinander in einer WG gelingt nur, wenn Menschen aufmerksam, empathisch und offen sind – wenn sie zuhören, Verbindungen schaffen und kleine Impulse setzen. Die ehrenamtlichen Vertrauenspersonen stärken das soziale Miteinander, begleiten die Bewohner:innen im Alltag und helfen, die WG mit ihrem Umfeld zu vernetzen.


Welche Rolle spielt das Berliner Wohnteilhabegesetz?

Das Wohnteilhabegesetz (WTG) bildet den rechtlichen Rahmen und beschreibt die Anforderungen sehr klar. Es geht darum, Schutz, Rechte und Lebendigkeit im Leben der älteren Menschen in diesen WGs zu sichern.


Gibt es Pflege-WGs im Wedding?

Ja, derzeit stehen wir mit zwei Pflege-Wohngemeinschaften im Wedding im direkten Austausch, es gibt jedoch mehrere. Die WGs befinden sich in der Nähe des U-Bahnhofs Osloer Straße und werden von unterschiedlichen Leistungsanbietern betreut.

In einer WG hat gerade eine Vertrauensperson ihr Ehrenamt begonnen, in der anderen wird noch nach einer passenden Person gesucht – möglichst jemand, der sowohl Deutsch als auch Türkisch spricht.


Wann kommt die Vertrauensstelle ins Spiel?

Wir sind die zentrale Anlaufstelle für alle Menschen, die Informationen suchen, sich ehrenamtlich engagieren wollen oder Schulung, Erfahrungsaustausch und Begleitung wünschen.

Unser Team ist interdisziplinär aufgestellt und legt großen Wert auf Austausch mit Fachstellen rund um das Thema Pflege-Wohngemeinschaften.


Welche Rolle spielen Angehörige in den WGs?

Angehörige sind für das Ehrenamt besonders geeignet, da sie die Bewohner:innen und deren Biografien gut kennen. Sie können als Ankerpersonen soziale Netzwerke vor Ort stärken. Bei möglichen Konflikten innerhalb einer WG kann es aber notwendig sein, durch weitere neutrale Personen auszugleichen.


Wie sieht es auf Anbieterseite aus?

Wir wünschen uns, dass auch anbieterverantwortete Pflege-WGs bei uns anfragen. Mit der neuen Gesetzeslage gibt es einen klaren Bedarf an ehrenamtlicher Mitwirkung, den wir gerne unterstützen.


Wie begleiten Sie Ehrenamtliche?

Manche Ehrenamtliche sind im Umgang mit älteren Menschen noch unerfahren. Deshalb begleiten wir sie von Anfang an – auch zum ersten Termin. Der Zugang zu einer WG muss gut vorbereitet sein: Wo klingelt man? Wer öffnet die Tür? Darf man selbst Kaffee kochen? Wer ist Ansprechperson vor Ort?

Wir empfehlen, mit kleinen Gesprächsrunden, zum Beispiel in der Gemeinschaftsküche, zu beginnen. Zusätzlich bieten wir Schulungen und Erfahrungsaustausch an.

Das Ehrenamt schafft ein Sprachrohr für die gesamte WG, das behutsam, neutral und ohne eigene Agenda aufgebaut wird. Dafür braucht es Empathie, aber auch Frustrationstoleranz, wenn nicht alles sofort klappt.


Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Die Anforderungen sind nicht neu, wurden aber durch die gesetzliche Verankerung stärker in den Fokus gerückt. Es ist schön zu sehen, wie engagiert unsere Ehrenamtlichen Neues ausprobieren und wie sie die Arbeit der Anbieter unterstützen.

Am Ende steht immer das Wohl der Bewohner:innen: Teilhabe und Integration in die Nachbarschaft werden – neben guter Pflege – zu einer gelebten Selbstverständlichkeit.


Das Gespräch führte Renate Straetling


Die Mitarbeiterinnen der Berliner Vertrauensstelle

  • Frau Witteck
    B.Sc. Gesundheits- und Pflegemanagement, Gesundheits- und Krankenpflegerin
  • Frau Schaeffler
    Dipl. Sozialwissenschaftlerin, Mediatorin, Coach

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Renate Straetling

Renate Straetling

Jg 1955, aufgewachsen in Hessen; ab 1973 Studium an der FU Berlin, Sozialforschung, Projekte und Publikationen.
Selfpublisherin seit 2011 bei epubli.com, u.a. Kinder_SciFi
www.renatestraetling.wordpress.com
Im Wedding seit 2007.
Mein Wedding-Motto:
Unser Wedding: ein großes lebendiges Wimmelbild ernsthafter Menschen!

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